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Wildlachs aus mehr als 300 Flüssen verschwunden

WWF-Studie

Der wilde atlantische Lachs ist aus mindestens 309 Flusssystemen in Europa und Nordamerika verschwunden. Dies geht aus einer neuen Studie des WWF hervor. Im Vorfeld einer Konferenz der Organisation zum Schutz des Nordatlantischen Lachses (North Atlantic Salmon Conservation Organization, NASCO) vom 4.-8. Juni in Spanien, fordern WWF und die Atlantic Salmon Federation (ASF) die teilnehmenden Länder zu sofortigen drastischen Schutzmaßnahmen auf.

Um dem atlantischen Lachs eine Überlebenschance zu geben, müsse die Lachsfischerei im Meer gestoppt werden, fordern die Organisationen. Außerdem seien effektivere Maßnahmen zum Schutz der Laichgewässer und ihrer Zuflüsse notwendig. "Zusätzlich zur Überfischung behindern Flussverbauungen die Wanderung der Lachse zu ihren Laichgründen", erklärt Heike Vesper, Fischereireferentin beim WWF, "Gewässerverschmutzung und Lachse aus Farmen stellen weitere Gefährdungen der wilden Populationen dar."

Der WWF-Studie zufolge ist der Bestand in einem Drittel der europäischen und nordamerikanischen Flüsse gefährdet. Fast 90 Prozent der gesunden Populationen leben in nur noch vier Ländern: in Norwegen, Island, Irland und Schottland. Auch in Deutschland ist der Wildlachsbestand stark gefährdet. 1958 war der Lachs im Rhein ausgestorben. Die wenigen Wildlachse, die heute in deutschen Flüssen schwimmen, stammen vorwiegend aus Wiederansiedlungsprogrammen der 90er Jahre.

Lachse leben meist mehrere Jahre im Meer, bevor sie zur Paarung wieder in genau den Fluss zurückkehren, in dem sie geboren sind. Dämme und andere Verbauungen blockieren jedoch häufig die Wanderung zurück zu den Laichgründen. Flussbegradigungen und andere Maßnahmen können die natürlichen Prozesse im Wasser verändern und einen gesamten Flussabschnitt ökologisch so verarmen lassen, dass er als Kinderstube für neue Lachsgenerationen nicht mehr geeignet ist. Hinzu kommen Verschmutzung durch Industrie und Landwirtschaft und die kommerzielle Lachszucht. Die "Flüchtlinge" aus solchen Lachsfarmen schleppen nicht nur Krankheiten und Parasiten ein, sondern paaren sich auch mit ihren wilden Verwandten, was zu Veränderungen im Erbgut der "Wilden" führt.

WWF und ASF fordern auf der Basis der Studie die NASCO-Deligierten zum Handeln auf, um dem Lachs ein Comeback in Europa und Nordamerika zu ermöglichen. "Das Problem bei der Meeresfischerei", so Heike Vesper," ist, dass sie nicht kontrolliert werden kann. Wilde Lachse aus intakten Populationen bleiben ebenso auf der Strecke , wie Lachse aus Flüssen mit geschädigtem Bestand. Wir müssen den Fang von Lachsen im Atlantik sofort beenden."

Die WWF-Studie zeigt, dass der Lachsfang im Nordatlantik in den letzten 30 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen ist und dass dieser Trend sich fortsetzen wird. In großen Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes findet man heute schon keinen atlantischen Lachs mehr, in vielen Gebieten ist der Bestand stark gefährdet.

Die WWF-Studie "The Status of Wild Atlantic Salmon - A River by River Assessment" ist als PDF-Datei zu finden unter www.panda.org

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