Baugewerbe

Aufschwung auch 2002 noch nicht in Sicht

Das deutsche Bauhauptgewerbe sieht auch für dieses Jahr noch keine Aufhellung der Branchenkonjunktur. "Wir rechnen mit Umsatzeinbußen von etwa 2,3 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Minus von 2,5 Prozent", prognostizierte der Präsident der Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Arndt Frauenrath, am Mittwoch in Berlin. Als Folge werde die Beschäftigtenzahl bundesweit um weitere 40 000 bis 50 000 Stellen zurückgehen, erklärte er. Im abgelaufenen Jahr war sie um rund 95 000 Jobs auf nur noch 954 000 Beschäftigte gesunken. Sie fiel damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter die Millionenmarke.

Die Bauinvestitionen werden nach ZDH-Einschätzung noch um zwei Prozent zum Vorjahr sinken. Dabei sei der Wohnungsbau mit einem erwarteten Rückgängen von drei Prozent erneut am stärksten betroffen. 2001 sanken die Bauinvestitionen laut Branchenverband um 5,7 Prozent. Rund 71 Prozent des gesamten Rückgangs um 13,8 Milliarden Euro wurden dabei durch die negative Entwicklung im Wohnungsbau verursacht. Dort betrug das Minus den Angaben zufolge sieben Prozent.

In der jetzt angelaufenen Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die IG Bauen-Agrar-Umwelt dennoch 4,5 Prozent mehr Einkommen, damit die Bauleute nicht von der notwendigen Einkommenssteigerung abgekoppelt würden. Sie verlangt zudem gleiche Tarife für die Beschäftigten in Ost und West. Die Löhne in den neuen Ländern liegen erst bei 89 Prozent des Westniveaus. Gefordert werden außerdem einheitliche Mindestlöhne am Bau für die alten und die neuen Länder sowie wirksamere Maßnahmen gegen illegale Beschäftigung und Dumpingangebote ausländischer Bauunternehmen.

Das Argument, nur Lohnzurückhaltung oder sogar Verzicht machten Arbeitsplätze sicherer, sei von der Wirklichkeit schmerzhaft widerlegt, betont die Gewerkschaft. 2001 habe bei der Vernichtung von Arbeitsplätzen einen "Negativrekord" ausgerechnet in einem Jahr gebracht, in dem mit 1,6 Prozent Zuwachs (West) die niedrigste Lohnerhöhung seit Jahren erfolgt.

Die Bauarbeitgeber weisen die Forderungen angesichts der ungelösten konjunkturellen und strukturellen Probleme zurück. Sie sehen "keinen Verteilungsspielraum". Die Baubranche befinde sich in einer "tiefen Talsohle" und habe "das schlimmste Jahr der Nachkriegsgeschichte" durchlebt. Der Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken rechnen mit einem Andauern der Baukrise zumindest bis 2003. Erst dann sei mit einer Belebung zu rechnen, aber nur, wenn sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum erhole.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!