Atomkraftwerke
BUND fordert: Brunsbüttel nach Explosion endgültig schließen
Am 14. Dezember 2001 war im AKW Brunsbüttel ein Rohr des Reaktordruckbehälter-Sprühsystems geborsten. Grund dafür war wahrscheinlich eine Wasserstoffexplosion. Der Betreiber hatte die Aufsichtsbehörden erst drei Tage später über den Zwischenfall informiert und dabei von einer "Leckage" im Rohrsystem gesprochen. Dem Drängen der schleswig-holsteinischen
Aufsichtsbehörden nach einem Herunterfahren des Reaktors hatte sich der Betreiber wochenlang verweigert.
Experten des Bundesumweltministeriums (BMU) sowie Vertreter von TÜV und Landesaufsichtsbehörde haben bei einer Inspektion des Reaktors in Brunsbüttel einen weitaus grösseren Schaden festgestellt, als zuvor angenommen. Der Störfall wird am Vormittag vom BMU im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bewertet. In einem Greenpeace vorliegenden Bericht aus der Behörde heisst es, dass eine massive Kühlleitung "über eine Länge von 2-3 Metern völlig zerborsten" sei. "Ca. 25 Trümmerstücke lagen im Umkreis der beiden Bruchstellen, d.h. von der Leitung fehlten 2 bis 3m gänzlich." Als Ursache vermutet die Betreiberfirma HEW eine "Wasserstoffexplosion".
Für die Experten des BMU ein Grund zur Sorge: "Wäre die Explosion (...) etwa 3 bis 4 Meter weiter in Richtung Reaktordruckbehälter aufgetreten, so wäre die druckführende Umschliessung partiell zerstört worden." Damit wäre es zu einem Leck im sensibelsten Teil des Reaktors gekommen. Dieser Störfall wirft sowohl nach Ansicht des BMU als auch nach Auffassung der schleswig-holsteinischen Aufsichtsbehörde "sehr komplexe Sicherheitsfragen" auf, die in dieser Form "neu" seien. Das AKW Brunsbüttel ist nach wie vor abgeschaltet.
Die Schwere des Zwischenfalls ist nach Ansicht des BUND über Monate von den HEW vertuscht und die Bevölkerung auf eine unverantwortliche Weise gefährdet worden. Die Hamburgischen Elektrizitätswerke (HEW) hätten vermutlich auf Grund wirtschaftlicher Interessen alles getan, um Aufsichtsbehörden und Öffentlichkeit über den Störfall und dessen Ursache im Unklaren zu lassen.
Erst am 18. Februar war die Anlage dann herunter gefahren und der
Bundesumweltminister vom schleswig-holsteinischen Energieministerium über den Störfall informiert worden. Renate Backhaus, Atomexpertin im BUND-Bundesvorstand: "Wenn sich herausstellt, dass wegen der zum Zeitpunkt des Störfalles im Bundesrat anstehenden Verabschiedung der Atomgesetznovelle ein gravierender Störfall in einem Atomkraftwerk vertuscht wurde, ist die Unzuverlässigkeit des Betreibers erwiesen. Die Hamburgischen Elektrizitätswerke haben diesen Störfall herunter gespielt und sich den nötigen Sicherheitsmaßnahmen verweigert. Auf Grund der Gesetzeslage muss ihnen deshalb sofort die Erlaubnis zum Betrieb von Atomanlagen entzogen werden."
Der BUND fordert, die vier Atomkraftwerke der gleichen Baureihe wie das AKW Brunsbüttel (Siedewasserreaktoren der Baureihe 1969) sofort vom Netz zu nehmen und auf ähnliche Schwachstellen im Reaktordruckbehälter-Sprühsystem zu untersuchen. Nach der vom BUND 1999 veröffentlichten Studie "Atomstrom 2000 - sicher, sauber, alles im Griff?" haben alle diese AKWs nicht zu akzeptierende Sicherheitsmängel in diesem Bereich.
Da bisher nicht geklärt ist, wieso im Kühlkreislauf ein explosionsfähiges Wasserstoff/Sauerstoff-Gemisch entstehen konnte, fordert auch das BMU eine Untersuchung in den fünf weiteren deutschen Siedewasserreaktoren Gundremmingen 1 und 2, Philppsburg 1, Krümmel und Isar 1.
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Am 27. Feb. 2002 unter:
politikStichworte:
« Signale auf Grün für Binnenschiffer und Umwelt
Freigabe des kommerziellen Fangs läuft auf Hochtouren »
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