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Machtgerangel um Ron Sommer schadet dem Konzern

Telekom

Das Machtgerangel um den Chefposten bei der Deutschen Telekom bringt den Konzern auch international zunehmend ins Zwielicht. So prüfen nach einem Pressebericht US-amerikanische Aktionäre inzwischen, ob der Bund als Telekom-Hauptaktionär nicht "unbotmäßigen" Einfluss auf Aufsichtsratsmitglieder ausgeübt habe. Eine Klage könne eine hohe Schadensersatzforderung an die Bundesregierung zur Folge haben, schreibt die "Bild"-Zeitung vom Montag. Sie zitiert den Vorstand und Großaktionär der amerikanischen Telekom-Tochter Voicestream, John Stanton, mit den Worten: "Was die Regierung gerade macht, ist die Politisierung der Deutschen Telekom. Die Investoren in den USA verlieren das Vertrauen in den Konzern."

FDP-Vizechef Walter Döring warf der Bundesregierung vor, ihr Verhalten in der Führungskrise der Deutschen Telekom habe eine "verheerende" Wirkung. So könne man keine Krisenmanagementpolitik machen, sagte der Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg am Sonntagabend in der ARD. Es könne nicht sein, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) "mit der Stange im Nebel rumfuchtelt und sagt, wir sollten da einen Neuen haben", kritisierte Döring. Noch im Mai habe Schröder Telekomchef Ron Sommer als prima Mann gewürdigt. Döring äußerte zugleich Zweifel, dass die Entscheidung über die Ablösung Sommers bereits gefallen ist. "Das Ding ist noch nicht am Ende", betonte er.

Darauf deuten auch Berichte hin, wonach sich mehrere Vorstände der Telekom angeblich gegen eine Berufung ihres Kollegen Gerd Tenzer zum Konzernchef gewandt haben. "Es gibt eine Front gegen ihn", berichtet die "Financial Times Deutschland" vom Montag unter Berufung auf Vorstandskreise. Der Widerstand erschwere das Vorhaben der Regierung, Sommer am Dienstag bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrates ablösen und durch Tenzer ersetzen zu lassen. Regierungskreise räumten dem Blatt zufolge ein, dass die Ablösung Sommers nicht sicher sei. Auch im Aufsichtsrat selbst heiße es, die Ablösung sei noch keine beschlossene Sache, schreibt die Zeitung.

Der Telekom-Vorstand kommt am Montag zusammen. Dabei werde eine Erklärung Tenzers erwartet. Den Gegnern von Sommer wolle der Vorstand mit einem neuen Szenario entgegenkommen, schreibt die Zeitung weiter. Sommer solle zunächst Telekom-Chef bleiben und nach einer Schamfrist in den Aufsichtsrat wechseln. Inzwischen solle ein geeigneter Nachfolger gesucht werden.

Der Streit um die Position der Telekom, deren Aktienkurs und Sommer nimmt nach Ansicht des SPD-Experten Klaus Barthel indessen "hysterische" Züge an. Dies habe mit dem Potenzial des Unternehmens nichts zu tun, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Telekommunikation und Post, am Montag im Deutschlandfunk. Die Hysterie sei gefährlich für das Unternehmen, betonte Barthel. Die Telekom sei "gut aufgestellt". Es dürfe jetzt nicht so getan werden, als ob das Steuer herumgerissen werden müsse. Barthel betonte, die Telekom sei "kein Sanierungsfall", sondern stehe im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen gut da. Nach früheren "übertriebenen Erwartungen" in das Unternehmen sollte man jetzt "auf dem Boden der Tatsachen" bleiben. Die Kritik an Sommer habe "nicht so viel Substanz", dass dieser unbedingt ausgewechselt werden müsste, sagte der SPD-Politiker.

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