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Schweiz: Verschärfter Streit um Atomendlager in Benken

Endlagerung von Atommüll

Am Wellenberg im Kanton Nidwalden wird es kein Lager für leicht- und mittelradioaktive Abfälle geben. Das Nidwaldner Volk hat das Vorhaben gestern mit 57,5 Prozent Nein-Stimmen noch deutlicher abgelehnt als vor sieben Jahren. 80 Millionen Schweizer Franken hat die NAGRA (Schweizer Atombehörde) an diesem, auch geologisch problematischen, Standort in den Sand gesetzt. In diesem jetzt wohl endgültig abgelehnten Endlager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll wären "nur" 1% des radioaktiven Inventars des Schweizer Atommülls eingelagert worden. Die restlichen 99% könnten ins Endlager für hochradioaktive Abfälle nach Benken am Rheinfall bei Schaffhausen kommen.

Der Genfer Geologe Walter Wildi - er leitet im Auftrag des Bundesrates die Expertengruppe Entsorgungskonzepte für radioaktive Abfälle - stellte in einem Interview im "Tages-Anzeiger" fest, dass viele Erdwissenschaftler der Ansicht seien, der Standort Benken eigne sich gut für hochaktive Abfälle. Die Region müsse mit einem Lager in Benken rechnen. Diese Aussagen haben im Weinland erheblich Staub aufgewirbelt. Beat Wieland, Leiter der Abteilung Kernenergie des Bundesamtes für Energie, wies darauf hin, dass für Benken weder ein Sondier- noch ein Standortgesuch zur Diskussion stehe. Ende 2002 werde die Nagra die geologischen Berichte zum Projekt "Entsorgungsnachweis" einreichen.

Caspar Heer vom Komitee "Atomfragen vors Volk" bezeichnete die Aussagen des Geologen als merkwürdig. Nach dem Scheitern der Lagerpläne im Wellenberg sehe es so aus, als ob man den Druck auf Benken erhöhen und die geplante Lagerstätte nicht erst in 50 Jahren, sondern bereits früher realisieren wolle - als einzige Atommüllanlage in der Schweiz.

Nach der Niederlage der NAGRA in Nidwalden sieht der BUND jetzt die große Gefahr, dass die NAGRA noch verbissener als bisher versuchen wird, die nur ca. 130 Meter starke Schicht Opalinuston am Rheinfall zum Endlager für den Schweizer Atommüll zu machen. Nicht dort, wo die Geologie am besten, sondern dort, wo der Widerstand am geringsten ist, könnten die gefährlichsten Gifte der Menschheit gelagert werden.

"Wenn die Badewanne überläuft, dann stellt man als erstes den Zulauf von Wasser ab, bevor das Aufwischen beginnt. In Sachen Atomenergie heisst das, dass die Produktion von neuem Atommüll verhindert werden muss." meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer. Deshalb begrüßt der BUND auch die neue Schweizer Volksinitiative "Strom ohne Atom". Wenn die AKW´s in Deutschland und der Schweiz abgeschaltet sind, müssen Lösungen für das Atommüllproblem gefunden werden. Es gilt dann, geologisch bessere Standorte zu finden anstatt schlechte Standorte politisch gesund zu beten.

Jean-Jacques Fasnacht von den Jusos des Kantons Zürich äusserte sich zufrieden über den Entscheid des Nationalrates vom Montag, dass den Kantonen beim Bau von Atommüllanlagen ein Vetorecht eingeräumt werde. Auf jeden Fall müsse das Volk bei derartigen Entscheiden das letzte Wort haben.

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