Energie

Neuer Atomreaktor EPR auch nach Fessenheim?

Eine alte Befürchtung deutscher und französischer Umweltgruppen und des BUND rückt langsam in bedrohliche Nähe. Wie AP jetzt berichtet, sagte die französische Industrieministerin Nicole Fontaine am Freitag in Paris, der nationale Energiekonzern EDF habe sich für den Bau eines EPR-Prototypen ausgesprochen. "Wenn die Regierung sich Anfang nächsten Jahres für die Neuentwicklung des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens Framatome entscheidet, könnte der Europäische Druckwasserreaktor (EPR -European Pressurized Water Reactor) 2010 in Betrieb genommen werden."

Da die beiden Fessenheimer Reaktoren die ältesten AKW`s ihres Typs in Frankreich sind und da der bestehende "Zaun" um das AKW den Zubau zweier weiterer AKW`s erlaubt, spricht aus EDF- u. EnBW-Sicht sicher vieles für den Standort am Rhein. Dies erklärt auch die psychohygienischen Maßnahmen der Betreiber in den letzten Monaten. Dazu zählen die Großanzeigen in den lokalen Zeitungen, der Versuch sich mit einem zweifelhaften Umweltzertifikat zu schmücken und die Gründung des atomaren Umweltclubs "Au fil du Rhin".

Gegen den Standort Fessenheim spricht die potentielle Erdbebengefahr und der in dieser Region zu erwartende massive Widerstand auf beiden Rheinseiten. Als allererster Standort für das geplante AKW kommt er darum vermutlich nicht in Frage, sondern ein Standort am Ärmelkanal. Dennoch läuft auch in Sachen Fessenheim die Seelenmassage langsam an.

Die Planung des sogenannten Euroreaktors wird von der EDF und der EnBW mit Stromgeldern der Verbraucher finanziert. Gebaut werden soll er von Siemens und Framatome. Der EPR ist nach Angaben der konservativen französischen Ministerin Fontaine zehnmal sicherer als die herkömmlichen Atomkraftwerke. "Das klingt doch recht erstaunlich", meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer. Wurde uns nicht jahrzehntelang eingetrichtert die bisherigen AKW`s seien hundert Prozent sicher? Auch die neuen EPR-Reaktoren sind an jedem Standort gefährlich und abzulehnen, auch sie produzieren Atommüll, der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Der Euroreaktor als geplanter Exportartikel erhöht die Gefahr, daß neue Staaten in den Besitz von Atomwaffen gelangen."

"Aus der Vergangenheit, dem Export eines AKW an den Irak, werden keine Lehren gezogen", meint Jean Jacques Rettig von der CSFR. Der Widerstand gegen die Euroreaktorpläne beginnt sich gerade auch in Frankreich zu formieren. Neue Atomkraftwerke werden in Frankreich und auch nach einem möglichen Regierungswechsel in Deutschland nicht durchsetzbar sein. Ein Versuch, in der potentiellen Erdbebenregion Oberrhein neue AKW zu bauen, würde nach Ansicht von BUND und CSFR massiven Widerstand auslösen, und dies gilt nicht nur für den Standort Fessenheim.

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