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Auswüchse des Brieftaubensports anlässlich Ausstellung in Dortmund kritisiert

Tierschutz

Anlässlich der heute in Dortmund beginnenden Deutschen Brieftaubenausstellung erneuert der Deutsche Tierschutzbund seine bereits wiederholt geübte Kritik an den Auswüchsen dieses so genannten Sports, der aus Sicht des Tierschutzes mehrfach gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Die Flugsaison der Brieftauben dauert nur wenige Monate. In der übrigen Zeit werden die intelligenten Tiere in viel zu engen Verschlägen gehalten. Wichtigstes Auswahlkriterium für die Brieftaubenzüchter ist die Flugleistung und eine gute Platzierung ihrer Tauben.

Eine gnadenlose Zuchtauslese in diesem "Leistungssport" führe dazu, dass zurückgebliebene oder kränkelnde Jungtiere ebenso getötet werden wie Vögel, die in ihrer Leistung nachlassen. Durch diese Form der Manipulation bis hin zum Doping durch Medikamentenzugabe wie z.B. Antibiotika, die den Tieren während der Flugsaison die absolute Leistungsfähigkeit erhalten soll, kann die Flugleistung erheblich gesteigert werden. Viele der Tiere werden so zu Leistungen gebracht, die sie von alleine, ohne menschliche Manipulation, nicht bringen würden. Obwohl dem Verband Deutscher Brieftaubenzüchter die Probleme bekannt sind, hat sich in den letzten Jahren zum Wohl der Tauben nichts Wesentliches verändert.

"Der Brieftaubensport ist längst zu einem Hochleistungswettbewerb degradiert worden. Die Tiere werden durch Zucht, Haltung und durch Zugabe von Mitteln darauf manipuliert, Höchstleistungen zu erbringen. Die Messe in Dortmund dient nach wie vor hauptsächlich der Selbstdarstellung der Züchter. Das Wohl der Tiere bleibt auf der Strecke", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, anlässlich der Eröffnung der Brieftauben-Ausstellung am heutigen Freitag.

Zahllose Tauben seien den Strapazen des Wettfluges nicht gewachsen. Auf ihrem Heimflug drohen den bis zu 100 km/h schnellen Tauben vielfältige Gefahren: Sie brechen sich an elektrischen Oberleitungen oder Antennen die Flügel oder fallen in geschwächtem Zustand Greifvögeln zum Opfer. Andere verlieren die Orientierung und schließen sich den Schwärmen von Stadttauben an, wobei es sehr fraglich ist, ob sie sich bei der Futtersuche gegen ihre frei lebenden Verwandten durchsetzen können. Nicht selten droht der Hungertod. Jede dritte Taube kann auf dem Heimflug sterben.

Ein Skandal besonderer Art: Wenn tierliebende Menschen Brieftauben gefunden und gesund gepflegt haben und sie dem Züchter zurückbringen wollen, verweigert dieser oft die Annahme der Tiere, frei nach dem Motto: "Nur Sieger sind was wert!". Auch damit verstoßen die Züchter gegen das Tierschutzgesetz, so der Deutsche Tierschutzbund, weil es sich hierbei eindeutig um das verbotene Aussetzen von Haustieren handelt. Offenbar verlocken die mittlerweile mehrere tausend Euro hohen Gewinnprämien dazu, sich mehr dem Sieg, als dem Tier verpflichtet zu sehen.

"Ganz sicher gibt es Brieftaubenbesitzer, die ihre Tiere lieben und sie nicht nur um des eigenen Prestiges wegen halten. Es bleibt aber z.B. die Frage, warum eine Taube früher mit 60 km/h unterwegs war und heute weit über 100 km/h fliegen soll, um Siege für den Besitzer zu erringen. Der Brieftaubenverband muss sich fragen lassen, warum diesem Tier-Missbrauch nicht endlich Einhalt geboten wird." Damit fordert Apel eine verbandsinterne Selbstreinigung der Züchter.

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