Weltbevölkerungsbericht 2004

Industrieländer behindern Familienplanung in der dritten Welt

Rund 200 Millionen Frauen weltweit haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, obwohl sie verhüten wollen. Das geht aus dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht 2004 hervor, den die DSW im Auftrag des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) heute in Berlin vorstellt. "Es würde jährlich 3,9 Milliarden US-Dollar kosten, um den Bedarf an modernen Verhütungsmitteln zu decken", so Renate Bähr, stellvertretende DSW-Geschäftsführerin. Diese Summe entspreche den weltweiten Ausgaben für Krieg und Rüstung an zwei Tagen. Mit der Investition könnten 23 Millionen ungewollte Geburten, 22 Millionen Abtreibungen, 1,4 Millionen Fälle von Kindersterblichkeit und 142.000 Todesfälle in Folge von Schwangerschaften verhindert werden. Zudem würden Aktionsprogramme durch mangelnde Finanzierung behindert.

Zwar sei seit der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 die Rate der verheirateten Paare, die Familienplanungsmethoden anwenden von 55 auf 61 Prozent gestiegen. Auch hätten viele Länder ihr Angebot an Familienplanung, Aids-Prävention und Gesundheitsversorgung verbessert. Dennoch bleibe die Bekämpfung von Müttersterblichkeit, Aids und ungewollten Schwangerschaften weit hinter den Zielen von 1994 zurück. "Die Ergebnisse hätten erheblich besser ausfallen können, wenn die Umsetzung des Kairoer Aktionsprogramms nicht durch die mangelnde Finanzierung behindert würde", sagt UNFPA- Vertreterin Bettina Maas.

Das anhaltend hohe Bevölkerungswachstum in vielen armen Ländern zusammen mit dem hohen Ressourcenverbrauch der wohlhabenden Länder trage zur wachsenden Belastung der globalen Umwelt bei, die zu einer Verschärfung der Wasser- und Landknappheit führen werde. Auch würden jedes Jahr noch immer 529.000 Frauen an Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sterben, weil fast die Hälfte aller Geburten nicht medizinisch betreut werde. Zudem sei HIV/Aids auf dem Vormarsch: Ungefähr 38 Millionen Menschen seien mit dem Virus infiziert. Jedes Jahr würden sich weitere fünf Millionen anstecken, wobei der Anteil der Frauen und Jugendlichen steige: Rund die Hälfte aller Neuinfektionen betreffe junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

Während die Nachfrage nach Familienplanungsdiensten bis zum Jahr 2025 voraussichtlich um 40 Prozent zunehmen werde, sei die Finanzierung durch die Geberländer schon heute mangelhaft: 1994 hätten sich die Geber verpflichtet, bis zum Jahr 2005 jährlich 6,1 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung des Aktionsprogramms bereit zu stellen. Im Jahr 2003 hätte sich ihr Beitrag mit 3,1 Milliarden Dollar nur auf die Hälfte belaufen.

Besonders negativ wirke sich die Haltung der USA - das größte Geberland im Bereich reproduktive Gesundheit - auf die Umsetzung der Ziele von Kairo aus. Die US-Regierung habe auf internationalen Konferenzen wiederholt den Konsens von Kairo torpediert und binde einen Großteil der US-amerikanischen Entwicklungshilfe an eine "Abstinence-only"-Richtlinie, die Enthaltsamkeit statt Aufklärung und Verhütung fordere.

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