Charité-Studie
Medienberichte über Selbstmorde alter Menschen gehen an Kernaussagen vorbei
Meurer: "Angesichts einer solchen Darstellung ist es kein Wunder, dass die Angst, in Pflegeheimen schlecht behandelt zu werden, von der Öffentlichkeit als Hauptursache für den Freitod alter Menschen verstanden wird." Die Aussage der Studie ist jedoch eine völlig andere, betont der bpa nach Rücksprache mit deren Verfassern, den Wissenschaftlern des Institutes für Rechtsmedizin an der Berliner Charité: Nicht die Angst vorm Pflegeheim, sondern Kontaktarmut, Verlust des Partners, schwere körperliche oder psychische Krankheit werden als die vorrangigen Gründe für den Suizid von 3534 Menschen über 65-jährigen angegeben.
So heißt es im Wortlaut der Studie: "Auch wenn die Angst, in einem Pflegeheim untergebracht zu werden, als einzelnes Motiv für den Suizid wenig genannt wurde, verliert dieser Aspekt nicht seine kritische Bedeutung. Denn sicherlich wäre ein Großteil dieser alten Menschen in einem Alten- oder Pflegeheim weitaus besser versorgt und betreut worden, als dies ihnen selbst und ihren Angehörigen möglich gewesen wäre."
Insgesamt leben in deutschen Pflegeheimen mehr als 600.000 Menschen, die in der Regel deutlich über 80 Jahre alt sind, erklärt bpa-Geschäftsführer Herbert Mauel mit Bezug auf die Charité-Studie: "So tragisch ein jeder Freitod auch ist, muss man doch zugestehen, dass es sich bei den hauptsächlichen Ursachen um normale Lebensrisiken handelt. Indem die Medien immer wieder hingehen und hieraus Schlagzeilen wie 'Lieber tot als im Pflegeheim' herbei konstruieren, ist die Seriösität jeder journalistischen Berichterstattung in Frage gestellt."
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Am 16. Sep. 2004 unter:
politikStichworte:
« Giftige Pflanzen und Früchte können kleine Kinder gefährden
"In die Stadt ohne mein Auto" am 18. September in Deutschland »

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