Gerechtigkeit statt Hartz
Zehntausende demonstrierten gegen Sozialabbau
Zu der Demonstration unter dem Motto "Soziale Gerechtigkeit statt 'Hartz IV' - Wir haben Alternativen", die am Samstag durch die östliche Berliner Innenstadt führte, waren die Teilnehmer vor allem aus den neuen Ländern mit Bussen angereist. Unterstützt wurde der Protestmarsch von mehreren Gewerkschaften und der PDS. Die Demonstranten machten lautstark ihrem Unmut über die "Abzocke der Arbeitslosen" Luft.
Auf der Kundgebung am Alexanderplatz griffen Redner die "Allparteienkoalition des Sozialabbaus" an. Sie warfen insbesondere der SPD vor, trotz zahlreicher Wahlniederlagen das "Hartz-IV"-Gesetz durchzuziehen, mit dem die soziale Kluft in Deutschland weiter wachse. Während die Reichen ab Anfang 2005 noch weniger Steuern zahlen müssten, drohe den Beziehern des künftigen Arbeitslosengelds II der Absturz in die Armut, kritisierten Redner. Sie forderten existenzsichernde Arbeitsplätze statt Ein-Euro-Jobs, die Verkürzung der Arbeitszeiten und einen gesetzlichen Mindestlohn.
Zum Auftakt der Veranstaltung hatten die Initiatoren an die Menschen in Ost und West appelliert, gegen den "Sozialkahlschlag" zusammenzustehen und sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. Entschieden verwahrten sie sich auch gegen den Missbrauch der Proteste durch Rechtsextremisten. "Neonazis haben auf unseren Demonstrationen keinen Platz", betonte eine Rednerin.
Zu dem Sternmarsch am Sonntag unter dem Motto "Weg mit Hartz IV - Das Volk sind wir" hatte die linksgerichtete MLPD aufgerufen. Die Aufzüge starteten an vier Punkten der Stadt und sollten zum Alexanderplatz in Mitte führen. Auseinandersetzungen mit der Splittergruppe hatten bereits in den vergangenen Wochen in Berlin zu einer Spaltung der "Hartz"-Kritiker geführt, die mehrfach getrennt demonstrierten. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zog sich schließlich ganz von den Montags-Protesten zurück.
Angesichts der zurückgehenden Teilnehmerzahlen bei den Anti-"Hartz"-Aktionen suchen immer mehr Mitstreiter nach neuen Formen der politischen Auseinandersetzung. Nach Ansicht des Berliner PDS-Chefs Stefan Liebich, der gemeinsam mit Bundes-Chef Lothar Bisky an der bundesweiten Demonstration teilgenommen hatte, sollte jetzt "ein Punkt gesetzt" werden. Er halte nichts davon, weiterhin jeden Montag zu demonstrieren, "diese Kraft hat niemand", sagte Liebich. Er wolle dem Landesvorstand deshalb empfehlen, "andere Formen zu suchen, sich mit 'Hartz IV' auseinanderzusetzen". Zuvor hatten bereits die Globalisierungsgegner von Attac angekündigt, nicht mehr zu den Montagsdemonstrationen aufrufen zu wollen.
Dennoch waren für Montagabend wieder in 110 Städten Umzüge und Kundgebungen gegen "Hartz IV" geplant. Neben Veranstaltungen in Ostdeutschland sind auch Aktionen unter anderem in Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Bremen, Bochum und Bonn geplant.
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Am 04. Okt. 2004 unter:
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