"Hineinspähen"

Israelischer Geheimdienst verärgert über deutsches Spionageboot

Das deutsche Spionageboot "Alster", über dessen Einsatz die deutsche Bundesregierung die Öffentlichkeit nicht informiert hatte, ist offenbar auf Bitten des Mossad von der israelischen Luftwaffe "ins Visier genommen worden". Der israelische Geheimdienst sei über das deutsche Spionageschiff, das vor der libanesischen Küste kreuzt, verärgert, erfuhr die Nachrichtenagentur ddp am Montag in Tel Aviv. Der israelische Geheimdienst empfinde das mit modernsten Spionagegeräten ausgestattete Schiff als "Dorn im Auge". Dies erkläre die drei Zwischenfälle der vergangenen Tage, in die auch deutsche Hubschrauber verwickelt gewesen seien. Zwei israelische Kampfflugzeuge vom Typ F 16 hatten das deutsche Spionageschiff überflogen und zwei Schüsse abgegeben. Außerdem hätten die Kampfflieger Infrarot-Täuschkörper zur Raketenabwehr abgefeuert.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigte den Einsatz der "Alster". Er sei völlig legitim, weil sich das Spionageboot in internationalen Gewässern bewege. Marineoffiziere sagte, dass es solche Einsätze mehrfach auch schon in früheren Zeiten in Krisengebieten gegeben habe. Die "Alster" hat 36 Mann Besatzung und 40 Spezialisten für die elektronische Aufklärung an Bord.

Die "Alster", die von der deutschen Marine bei den Israelis offiziell angemeldet worden sei, gehört nicht zum internationalen Überwachungsverband unter deutscher Führung, der den Nachschub über See für die schiitische Hisbollah unterbinden soll. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand hätten zunächst vier Wochen lang französische und italienische Kriegsschiffe das Seegebiet vor der Küste des Libanon überwacht.

Mit der Elektronik der "Alster" können deutsche Soldaten offenbar mehrere hundert Kilometer im Umkreis in den Libanon und nach Israel "hineinspähen". Neben den Funkverbindungen sollen sogar Handy-Gespräche belauscht werden können.

Von den tief anfliegenden israelischen Kampfflugzeugen haben die Soldaten auf der "Alster" Videoaufnahmen gemacht. "Wir haben alles festgehalten", schilderte einer der Offiziere. Die Videos werden in Berlin unter strengem Verschluss gehalten. Die "Alster" beobachtet auch die israelischen Aufklärungsflüge über dem Libanon. Diese Flüge sind den Israelis nach dem Waffenstillstandsabkommen verboten. In deutschen Marinekreisen werden offenbar weitere Zwischenfälle mit den Israelis befürchtet.

Am 8. Juni 1967 bombardierte die israelische Luftwaffe im Sechs-Tage-Krieg das amerikanische Spionageschiff USS "Liberty". 34 Marinesoldaten starben, 174 wurden verwundet. Die Israelis hatten die "Liberty" offenbar für ein ägyptisches Kriegsschiff gehalten.

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