"Hineinspähen"
Israelischer Geheimdienst verärgert über deutsches Spionageboot
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigte den Einsatz der "Alster". Er sei völlig legitim, weil sich das Spionageboot in internationalen Gewässern bewege. Marineoffiziere sagte, dass es solche Einsätze mehrfach auch schon in früheren Zeiten in Krisengebieten gegeben habe. Die "Alster" hat 36 Mann Besatzung und 40 Spezialisten für die elektronische Aufklärung an Bord.
Die "Alster", die von der deutschen Marine bei den Israelis offiziell angemeldet worden sei, gehört nicht zum internationalen Überwachungsverband unter deutscher Führung, der den Nachschub über See für die schiitische Hisbollah unterbinden soll. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand hätten zunächst vier Wochen lang französische und italienische Kriegsschiffe das Seegebiet vor der Küste des Libanon überwacht.
Mit der Elektronik der "Alster" können deutsche Soldaten offenbar mehrere hundert Kilometer im Umkreis in den Libanon und nach Israel "hineinspähen". Neben den Funkverbindungen sollen sogar Handy-Gespräche belauscht werden können.
Von den tief anfliegenden israelischen Kampfflugzeugen haben die Soldaten auf der "Alster" Videoaufnahmen gemacht. "Wir haben alles festgehalten", schilderte einer der Offiziere. Die Videos werden in Berlin unter strengem Verschluss gehalten. Die "Alster" beobachtet auch die israelischen Aufklärungsflüge über dem Libanon. Diese Flüge sind den Israelis nach dem Waffenstillstandsabkommen verboten. In deutschen Marinekreisen werden offenbar weitere Zwischenfälle mit den Israelis befürchtet.
Am 8. Juni 1967 bombardierte die israelische Luftwaffe im Sechs-Tage-Krieg das amerikanische Spionageschiff USS "Liberty". 34 Marinesoldaten starben, 174 wurden verwundet. Die Israelis hatten die "Liberty" offenbar für ein ägyptisches Kriegsschiff gehalten.
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