Wirtschaftsforscher
Deutsche Industrie soll sich eigene Rohstoffquellen im Ausland erschließen
Insbesondere das sehr kräftige Wirtschaftswachstum in China ist laut DIW von einem rapide zunehmenden Rohstoffverbrauch begleitet, der sowohl durch Rohstoffimporte als auch durch die stark ausgebaute Hüttenindustrie gedeckt werde. Hierdurch sei China in den letzten Jahren beispielsweise zum führenden Produzenten von Manganlegierungen (41 Prozent), Rohstahl und Raffinadeblei (jeweils 31 Prozent), Hüttenzink (26 Prozent) und Hüttenaluminium (24 Prozent) aufgestiegen.
DIW: Fusionen und Übernahmen - eine gefährlich hohe Konzentration
Die hohen Metallpreise und Gewinne der Rohstoffproduzenten haben laut DIW "eine globale Fusions- und Übernahmewelle" eingeleitet und bei einigen Rohstoffen "eine gefährlich hohe Konzentration auf wenige Länder und Unternehmen" bewirkt. Große Produzentenländer hätten bei einigen Metallen Marktanteile erreicht, bei denen es möglich sei, "strategischen Einfluss auf Preise und Versorgung zu nehmen oder die Rohstoffe sogar als politische Waffe einzusetzen".
Dadurch werde die Funktionsfähigkeit der Weltmärkte, also "die gesicherte Versorgung aller Verbraucher zu wettbewerbsbestimmten Preisen", zunehmend in Frage gestellt. Darüber hinaus sichere sich China mit finanzieller und politischer staatlicher Unterstützung durch weltweite Beteiligungen zunehmend auch "die physische Kontrolle" über die zunehmend benötigten Rohstoffmengen.
Da weitere Schwellenländer mit schnell steigendem Rohstoffverbrauch auf die Weltmärkte drängten, müsse auch künftig mit Versorgungsengpässen und Preisen auf hohem Niveau gerechnet werden.
"Obwohl die Versorgung mit metallischen Rohstoffen originäre Aufgabe der deutschen Wirtschaft ist, muss der Staat die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen längerfristig gesicherten und preisgünstigen Zugang schaffen", meinen die Wirtschaftsforscher. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung plädiert für ein umfassendes nationales Auftreten und staatliche Subventionen: "Für Beteiligungen im internationalen Bergbau sollte die Finanzkraft der verschiedenen Rohstoffinteressenten (Verarbeiter, Anlagenbauer, Handelsgesellschaften und Banken) in einer kapitalstarken nationalen Beteiligungsgesellschaft gebündelt werden, die zusammen mit staatlichen Förderinstrumenten im Interesse der deutschen Verbraucher weltweit operieren könnte."
Umwelt-Staatssekretär Müller warnte vor Ressourcen-Weltkrieg
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD) warnte unlängst vor einem Ressourcen-Weltkrieg. Die Unterbrechung der Ölpipeline von Russland nach Deutschland sei ein erneutes Warnsignal für die Verwundbarkeit der modernen Industrie. Nahezu jedes Land sei von Energie- und Rohstoffimporten abhängig, bei Energie gelte dies für unser Land zu mehr als 70 Prozent. Dies gelte darüber hinaus aber auch für eine Vielzahl von Nicht-Energie-Rohstoffen wie etwa Zinn, Platin oder Titan, die wichtige Grundlagen für Produkte der Hochtechnologie seien.
Deshalb seien wir "hochgradig verwundbar". "Angesichts der Knappheiten und Preissprünge werden Ressourcenkriege zur größten Gefahr des 21. Jahrhunderts", heißt es in einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums vom 9. Januar 2007.
Die Entwicklung der Golfstaaten zeige, dass diese Gefahr ernst zu nehmen sei. "Wenn es einen dritten Weltkrieg gibt, dann wird er um Energie und Rohstoffe gehen", zitiert das deutsche Ministerium den früheren US-Verteidigungs- und Energieminister James Schlesinger. "Der Kampf um Ressourcen ist eine Schlüsselfrage der Zukunft", habe auch Henry Kissinger festgestellt. Und in einer Bewertung des amerikanischen Pentagon heiße es: "Die Welt ist bei Titan, Niob, Zinn, Beryllium, Germanium oder Platin ebenso verwundbar wie bei Öl".
Der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung vorgeschlagene intensivierte Zugriff der deutschen Industrie auf Rohstoffe im Ausland in Konkurrenz zu Wettbewerbern birgt insofern möglicherweise erhebliche Risiken für weitere Kriegsschauplätze.
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Am 25. Jan. 2007 unter:
arbeitStichworte:
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