"Unkalkulierbares Risiko"

Bauernverband rät von Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab

Trotz der am 15. Februar vom Bundesrat bestätigten Novelle des Gentechnikgesetzes rät der Bauernverband vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab. Mit der weiterhin verschuldensunabhängigen Haftung seien Landwirte selbst bei gesetzeskonformen Verhalten "einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt", teilte der Verband am 15. Febraur in Berlin mit. In der Novelle sei es versäumt worden, auch die Saatgutindustrie in die Verantwortung zu nehmen.

Der Bauernverband begrüßte zugleich die Klarstellung zur Koexistenz der verschiedenen Anbauformen und die Einrichtung verbindlicher Informationspflichten einschließlich der verpflichtenden Aufklärung über die Rechtsfolgen zwischen benachbarten Landwirten.

Unverständlich bleibe hingegen, dass unterschiedliche Abstände zwischen Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Flächen ohne Gentechnik ohne wissenschaftliche Begründung beibehalten worden seien.

BUND: Lückenhafter Schutz

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte einen "lückenhaften Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft vor einer Kontamination mit gentechnisch veränderten Organismen". Besonders kritisch sieht der Umweltverband die Möglichkeit privater Absprachen zwischen Landwirten über einen Verzicht auf besondere Schutzmaßnahmen. Auf diese Weise würde unter anderem die im Gesetz enthaltene Pflicht zur Einhaltung von Mindestabständen zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik ausgehebelt. Der Verband kündigte an, verstärkt für den Zusammenschluss von Landwirten zu gentechnikfreien Regionen zu werben.

Nach Darstellung des BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger haben Industrie und Forschung "jene Erleichterungen zur Aussaat genveränderter Organismen bekommen, nach denen sie gerufen haben." Dies sei ein schwerer Affront gegen die gentechnikfreie Landwirtschaft.

Wegen der künftig erleichterten Forschung und Anwendung gentechnisch veränderter Pflanzen drohten Umwelt und Landwirtschaft jetzt große Nachteile. Der Anbau genveränderter Pflanzen werde vermutlich zunehmen, darauf deuteten die vorliegenden Anmeldungen zum Anbau von 4300 Hektar Genmais Mon 810 im laufenden Jahr hin. Dies seien rund 2000 Hektar mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Nach Auffassung der BUND-Gentechnik-Expertin Heike Moldenhauer werde jetzt entscheidend sein, ob sich das neue Kennzeichen "Ohne Gentechnik" durchsetze. "Die Gentechniklobby wird weiter alles versuchen, um den Unternehmen diese Kennzeichnung auszureden und den Verbrauchern zu suggerieren, das Label sei eine Mogelpackung. Dieses Vorhaben darf nicht aufgehen. Handel und Lebensmittelproduzenten müssen jetzt mitziehen und das neue Label breit anwenden", fordert Moldenhauer.

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