Folgen der zivil-militärischen Zusammenarbeit

Minenräumer stellen nach Anschlägen Arbeit in Nordafghanistan ein

Als Reaktion auf Anschläge in der jüngeren Vergangenheit hat das für Minenräumung zuständige United Nations Mine Action Center for Afghanistan (UNMACA) bis auf weiteres alle Aktivitäten im Norden Afghanistans gestoppt. Das teilte die Hilfsorganisation "medico international" am 1. April in Frankfurt am Main mit. Allein im März seien drei Mitarbeiter der afghanischen Partnerorganisation Mine Detection and Dog Center (MDC) bei Anschlägen in Nordafghanistan getötet worden. Laut dem Projektkoordinator von medico international in Kabul Mohammad Hamayun seien die Täter unbekannt. Ein Taliban-Sprecher habe die Anschläge auf Minenräumer verurteilt. Als Grund für die steigende Gefährdung der Helfer nannte die medico den Ausbau der zivil-militärischen Zusammenarbeit durch die in Nordafghanistan federführende Bundeswehr.

"Helfer und ausländische Soldaten verschmelzen in der Wahrnehmung der Bevölkerung", so die Kritik von Thomas Gebauer, Geschäftsführer von "medico international", an der Bundeswehr. Die Folge seien tödliche Angriffe mit Opfern vor allem unter den lokalen Mitarbeitern der Hilfswerke.

"Die Sicherheitslage in Nordafghanistan hat sich im März weiter verschlechtert. Mittlerweile sterben mehr Minenräumer durch Anschläge als durch Unfälle beim Entschärfen", so Hamayun.

Das vorläufige Aus für die humanitäre Minenräumung in Nordafghanistan treffe die Bevölkerung hart, so medico. Die von UNMACA koordinierten Organisationen würden vor allem Wohngebiete und Anbauflächen von Kleinbauern entminen. Minen verhinderten Landwirtschaft und schränkten die Bewegungsfreiheit extrem ein. "Sie schaffen damit Abhängigkeiten, die leicht politisch instrumentalisiert werden können", so medico. Minenräumung sei daher ein aktiver Beitrag zum Frieden.

Afghanistan gehört offenbar zu den am meisten verminten Ländern der Welt. Drei Viertel aller Distrikte seine von Verminung betroffen. Laut medico gibt es 4,1 Millionen Afghanen, deren Lebensraum direkt davon bedroht ist.

Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international unterstützt, unter anderem mit den Mitteln des Auswärtigen Amtes, seit 2002 die Arbeit des afghanischen Projektpartners MDC. Viele Minen werden von deutschen Rüstungsunternehmen hergestellt und exportiert.

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