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"Sauklaue" aus der Zeit der Reformation entziffert

Wegbegleiter Martin Luthers

"Colloquium" - so nannte man zur Reformationszeit ein freundschaftliches Religionsgespräch zwischen streitenden Parteien. Ein am 17. und 18. Februar in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) stattfindendes Kolloquium verbindet beides - den geistigen Austausch und die Reformation - buchstäblich miteinander. Unter dem Titel "Kulturelles Gedächtnis der Reformation. Die Aufarbeitung der Sammlung Georg Rörers (1492-1557) im transdisziplinären Wissenschaftsdiskurs" laden die ThULB und die Friedrich-Schiller-Universität Jena erstmals zum Erkenntnisaustausch über eine der umfangreichsten Quellensammlungen der Reformationsgeschichte ein.

Schreiber dieser Texte war der Theologe Georg Rörer, der als bedeutender Wegbegleiter Luthers gilt. Er fertigte zahlreiche Ab- und Mitschriften der Texte Luthers, Melanchthons, Bugenhagens und anderer an. Im Jahr 1553 wurde Rörer schließlich vom ehemaligen Landesherrn Johann Friedrich von Sachsen nach Jena berufen, wo er an der Jenaer Ausgabe der Lutherbibel mitwirkte. "Rörers sorgfältiger und gründlicher Arbeit ist es zu verdanken, dass uns die Werke der Reformatoren bis heute in diesem Umfang erhalten geblieben sind", so Dr. Joachim Ott, Leiter der Abteilung Handschriften und Sondersammlungen der ThULB.

Rörers bemerkenswerte Sammlung umfasst 35 Handschriften und drei Drucke, welche nach seinem Tod alle in den Besitz der heutigen Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek übergingen. "Seither stand Rörer jedoch immer im Schatten seines Meisters Martin Luther", weiß Ott. Dies sei auch der Grund, warum die Aufarbeitung des Rörer-Nachlasses bislang nur schleppend erfolgte. Und somit bot sich den Wissenschaftlern der ThULB und des Lehrstuhls für Kirchengeschichte der Jenaer Universität manche Überraschung, als sie sich 2008 der umfangreichen Aufgabe zu widmen begannen, den einstigen Buchbesitz Rörers wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu digitalisieren. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Das Kolloquium betrachtet Dr. Ott "als Exempel und Werkstatt". Neben der Präsentation erster Forschungsergebnisse soll das Kolloquium den Wissenschaftlern die Möglichkeit zur Diskussion bieten. "Die Erschließung der Ab- und Mitschriften ist das vorderste Ziel des Forschungsprojektes. Sie ist aber auch ein enormes Stück Arbeit, nicht zuletzt wegen der schier unleserlichen 'Klaue' Rörers, die selbst dessen Zeitgenossen nicht zu entziffern wussten", nennt Ott einen möglichen weiteren Grund für die erst jetzt einsetzende "Übersetzung" von Rörers Werk. "Dank der hervorragenden Arbeit der beiden Projekt-Mitarbeiter Dr. Christian Speer und Dr. Stefan Michel", so Ott weiter, "konnte die Erschließung jedoch inzwischen weit vorangetrieben werden." Die Digitalisierung der Rörer-Sammlung ist bereits abgeschlossen.

Ott möchte die digitale Datenbank durch weitere Schriftstücke Rörers ergänzen, die etwa in Bibliotheken in Hamburg und Wolfenbüttel aufbewahrt werden. Das Projekt ist demnach als eine langjährige Arbeit zu verstehen, die bereits auf das 500. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag im Jahr 2017 vorausschaut. Mit dem bevorstehenden Kolloquium leistet die ThULB somit einen wichtigen Beitrag des Landes Thüringen zur Erforschung der Reformationsgeschichte.

Begleitet wird das Kolloquium durch eine thematisch zugehörige Ausstellung mit dem Titel "...damit nichts umkomme. Die Handschriftensammlung Georg Rörers (1492-1557) als Schatz der Reformation", die vom 17. Februar bis zum 9. April im Zimelienraum der ThULB (Bibliotheksplatz 2) zu sehen ist.

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