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Sozialer Abstieg - Arbeitslos | Arbeitsamt | Hartz -IV

Der Weg in die Armut

Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Der Soziale Abstieg muss aufgehalten werden Meine Freundin ist Buchhalterin und ist von Hartz -IV" betroffen. Sie hat schon an vielen Maßnahmen des Arbeitsamtes zur Eingliederung in Arbeit teilgenommen. Bisher haben sie ihr, außer Erfahrungen, wenig gebracht, auch keinen Arbeitsplatz.

Der soziale Abstieg

Sie war zum Beispiel über eine Entgeltmaßnahme der Arbeitsagentur in einer Behindertenschule als Sozialarbeiterin beschäftigt Dieser Job hat ihr viel bedeutet, doch weil soziale Institutionen wenig an Budget haben, konnte daraus keine Festeinstellung werden. Leider, denn meine Freundin und die Kinder mit Handicap hatten eine ziemlich feste soziale Beziehung aufgebaut- es war für beide Gruppen emotional sehr schwer, als die Maßnahme beendet wurde und sie sich trennen mussten.

Nun ist sie wieder in einer Maßnahme, in der sie zum x-ten Mal lernt, wie sie sich richtig bewirbt, wie man ein aussagekräftiges Bewerbungsgespräch führt, wie man einen PC bedient u.s.w..

Gestern rief mich meine Freundin nach Schulschluss an und hat sich am Telefon „Luft“ gemacht. Die Mitglieder der Klasse hatten gestern den ersten Unterricht bei dem zuständigen PC-Dozenten. Er, ein etwa 35-Jähriger, erlaubte es sich einfach, die 25 Betroffenen, die alle zwischen 45 und 60 Jahre sind, sofort zu Duzen. Ich frage mich, was diesen Dozenten dazu bringt, sich über die einfachsten Umgangsregeln hinwegzusetzen! Hartz-IV Betroffene verdienen die gleichen Achtungsbeweise, wie ihre Mitmenschen.

Einer Mutter mit sechs Kindern empfiehlt er, sie solle am Essen sparen und sich einen PC kaufen, damit sie zu Hause üben kann. Anderen wiederum empfiehlt er, sie sollen sich einen PC schenken lassen. Was denkt sich dieser Mann eigentlich? Ist dieses Benehmen eigentlich entschuldbar, weil dieser Mann mit Sicherheit noch nie in so einer vertrackten Situation war, wie seine vom Leben gebeutelten SchülerInnen?

Heute nun hat meine Freundin eine Stunde Selbstverteidigungskurs, wohlgemerkt, innerhalb dieser Schulungsmaßnahme! Was bringt ihr der Selbstverteidigungskurs, soll sie jeden Arbeitgeber, von welchem sie eine Absage erhält, KO schlagen, oder bei falschen Berechnungen durch das Jobcenter den Sicherheitsdienst ausschalten?

Doch ich schreib diesen Artikel nicht nur wegen meiner Freundin, sondern weil ich in meiner Sozialsprechstunde oft von Betroffenen zu hören bekomme, dass sie nervlich am Ende sind und diese Maßnahmen sie einfach psychisch nieder drücken.

Da gibt es zum Beispiel in einer Maßnahme so etwas wie Heimatkunde. Die ganze Klasse besucht den Heimatnaturgarten (Eintritt natürlich selbst bezahlen), sammeln Blätter und müssen diese dann aufkleben und darunter den Namen des Blattes setzen. Kinderkram!

Andere wieder sollen im Internet nachsehen, wie sich die Schuhmode entwickelt hat, weil sie am nächsten Tag im Klassenverband das Schuhmuseum besuchen.Dort sollen sie an Hand ihrer Internetrechere erkennen, welche Schuhe in welches Jahrhundert gehören. Wieder andere Betroffene bekommen bedruckte Seiten ausgehändigt, wo Mimikgesichter und Körperhaltungen draufstehen und sie müssen dann die entsprechenden Gesichter dazu zeichnen.

Für Frauen gibt es ja dann was ganz Feines: „Typenbestimmung“. Da wird ihnen erklärt, wie man sich schminkt und was man, seinem Typ entsprechend, zu einem Bewerbungsgespräch anziehen soll. Wer die Kleidungsvorschläge dann bezahlen soll, das bleibt natürlich ungeklärt.

Auch der „Spiegel“ beschreibt in einem Artikel unter der Überschrift „ Die Hartz-Fabrik“ sinnlose Maßnahmen der Jobcenter. Da wird berichtet über eine“Wäscherei“ in welcher die Betroffenen Wäsche waschen, sie trocknen und danach bügeln – so weit so gut- doch am nächsten Tag wird die Wäsche wieder eingedreckt und das Spiel beginnt von Neuem. Entwürdigend!

Nun wird aber von den Experten gesagt, dass ohne solche vorbereitenden Maßnahmen, viele Langzeitarbeitslose den derzeitigen Anforderungen nicht gewachsen. wären. Aber müssen es dann solche sinnlosen Maßnahmen sein, wo die verrichtete Arbeit wieder kaputtgemacht wird, um diese Arbeit am nächsten Tag wiederholt zu verrichten?

Für einen Säugling mag das ja angehen. Wenn man einen Turm baut und er ihn voller Spaß einreißt, und das immer wieder. Doch für einen Betroffenen Menschen mittleren Alters ist das demütigend und entwürdigend!

Natürlich gibt es unter den Langzeitarbeitslosen sogenannte Randgruppen unserer Gesellschaft, die alleine und ohne fremde Hilfe nicht wieder auf die Beine kommen. z.B. Süchtige, chronisch Kranke, Haftentlassene, Verschuldete, und Unqualifizierte. Die müssen an einen geregelten Tagesablauf mit Aufgaben herangeführt werden. Aber ob das die richtigen Maßnahmen dafür sind?

Die Mehrheit der 2 600 Betroffenen die in meiner Sozialsprechstunde waren, die wollen arbeiten. Sie wollen weg von Hartz-IV, sie wollen frei sein in ihrem Tun.

Denn wenn man vorgeschrieben bekommt in wie viel m² Wohnung du wohnen darfst, wie die Wohnung ausgestattet sein darf und wie viel Du im Monat für Essen und Trinken, Hygiene und andere Dinge ausgeben darfst- da fühlst du dich unmündig, gedemütigt und in der Seele „vergewaltigt“.

Und ich weiß wovon ich rede, gehörte ich doch selbst ein Jahr lang zum Kreis der Betroffenen dazu.

Meiner Meinung nach waren viele Maßnahmen für Arbeitslose vor Hartz –IV, ganz falsch angesetzt. Statt die Menschen in ihren gelernten Berufen auf den neuesten Stand weiter zu bilden, wurden viele Arbeitslose umgeschult, bekamen dann trotzdem keinen Job. Jetzt sucht man krampfhaft Facharbeiter. Ich denk die hätten wir, wenn die richtigen Maßnahmen gelaufen wären- das hat man zum größten Teil verschlammt.

Und wer den Dokumentarfilm „ Die Maßnahme“ gesehen hat, wird mir bestimmt beipflichten, dass man so mit Menschen nicht umgehen kann. In diesen Film geht es um sozialversicherungspflichtige Bürgerarbeit. Die Menschen sind nur zum Teil sozialversichert- Arbeitslosenbeitrag wird nicht gezahlt. Das bedeutet, wenn die Maßnahme vorbei ist, fallen die Betroffenen sofort wieder in das ALG II System zurück. Des Weiteren wurde in den Film dokumentiert dass Arbeiter einen großen Steinhaufen von einer Seite auf die andere stapeln sollten. Das einzige Hilfsmittel welches sie hatten war eine Schubkarre- und dies bei dem Stand der heutigen Technik!

Für viele Arbeitgeber sind die Betroffenen auch Arbeitskräfte die in Praktika- Zeiten nichts kosten, das wird natürlich fleißig genutzt.

Sehr gern möchte ich wissen, wie viel an Verwaltungskosten bei Hartz –IV bisher angefallen und wie viel Geld bisher an die Maßnahmeträger geflossen sind. Ich denke für dieses Geld, hätten jede Menge versicherungspflichtige Arbeitsplätze für Landzeitarbeitslose geschaffen werden können.

Hartz- IV muss weg, gar keine Frage, es muss nach vorn aufgelöst werden in versicherungspflichtige Arbeitsplätze im Non – Profit Sektor Bereich. Für Betroffene, die nicht das Glück haben wieder in Arbeit zu kommen, brauchen wir eine Grundsicherung von der man auskömmlich leben kann.

Und wir brauchen einen gesetzlich flächendeckenden Mindestlohn, von mindestens 10 Euro, damit nicht immer mehr Menschen als Leiharbeiter, in Minijobs und im Niedriglohnbereich ausgebeutet werden können.

Heidelinde Penndorf

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