Immobilienbewertung weiterhin unklar

Telekom-Hauptversammlung

Neben dem Kurseinbruch der Telekom-Aktie war am Dienstag die Immobilienaffäre Gegenstand der von knapp 10.000 Aktionären besuchten Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG. Es steht der Vorwurf im Raum, die Telekom habe das eigene Immobobilienvermögen zu hoch bewertet. Die Affäre hatte im Februar zu einem Abwertungsbedarf von rund vier Milliarden Mark geführt. Vorstandschef Ron Sommer lehnte die Forderung nach einer Sondernachprüfung ab. Die Immobilienwerte seien in der Vergangenheit in den Bilanzen stets rechtlich einwandfrei ermittelt, geprüft und testiert worden. Vorwürfe, er persönlich sei über eine falsche Bewertung informiert gewesen, ohne etwas zu unternehmen, wies Sommer als unbegründet zurück. Dies würden auch die noch laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ergeben. Einige Aktionäre hatten Strafanzeige gegen Sommer und andere Manager erstattet. Umsatz und Konzernüberschuß der Telekom sind im Geschäftsjahr 2000 deutlich gestiegen.

Sommer rechtfertigte auf der Hauptversammlung auch den Kauf der beiden US-Mobilfunkfirmen VoiceStream und Powertel für 38 Milliarden Euro. Zu den im vergangenen Jahr für rund 16 Milliarden Mark erworbenen UMTS-Mobilfunklizenzen sah der Telekom-Chef keine Alternative. Einen detaillierten Geschäftsplan für das UMTS-Mobilfunkgeschäft legte er nicht vor.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach mit Blick auf den Kurseinbruch der T-Aktie von 70 Prozent in gut einem Jahr von einer "Kapitalvernichtung ungeahnten Ausmaßes". Aktionärsvertreter Marc Tüngler nannte den Telekom-Vorstand gar eine "Gefahr für die Aktienkultur in Deutschland".

Nach Angaben der Telekom betrug der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2000 40,9 Mrd. Euro und lag damit um 5,4 Mrd. höher als im Vorjahr. Der Konzernüberschuss wurde im Geschäftsjahr 2000 von 1,3 Mrd. auf 5,9 Mrd. Euro gesteigert.

Im Mobilfunkbereich hat die Telekom in Deutschland derzeit rund 21 Millionen Kunden. Unter Berücksichtigung der nicht-konsolidierten Gesellschaften im Konzern stieg die Gesamtkundenzahl auf 42 Millionen Kunden weltweit. Die Internet-Tochter T-Online hat in Deutschland gut 6,5 Millionen Kunden. Weltweit sind es 8,7 Millionen. Im Festnetzbereich sind laut Telekom 18,6 Millionen ISDN-Anschlüsse und 600.000 breitbandige T-DSL Anschlüsse in Betrieb.

Der Telekom-Bereich T-Systems ist laut Unternehmensangaben Deutschlands größter Software-Dienstleister und das zweitgrößte "Systemhaus Europas". Der auf Unternehmenskunden ausgerichtete Geschäftsbereich, zu dem auch das debis Systemhaus gehört, integriert Telekommunikation und Informationstechnologie zu e-business-Systemlösungen.