Rückgang der Werbung schlägt auf ProSiebenSat.1 durch

TV-Konzern

Die sinkende Nachfrage nach Fernsehwerbung schlägt spürbar auch auf die ProSiebenSat.1-Gruppe durch. Vorsteuerergebnis und Umsatz von Deutschlands größtem TV-Konzern fielen dadurch im ersten Halbjahr unter das Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums, wie die ProSiebenSat.1 Media AG am Dienstag in Unterföhring mitteilte. Vorstandsvorsitzender Urs Rohner betonte, dass der Geschäftsverlauf auch in den nächsten sechs Monaten "maßgeblich von der generellen Wirtschaftslage in Deutschland beeinflusst" werde. Angesichts dessen korrigierte der Konzern seine Jahresprognose bei Gewinn und Umsatz gegenüber der Vorhersage auf der Hauptversammlung Anfang Mai nach unten.

Die TV-Gruppe mit den Sendern ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 geht davon aus, dass der Fernsehwerbemarkt in diesem Jahr um zwei bis drei Prozent abnimmt. In diesem Falle rechnet sie damit, dass das Vorsteuerergebnis dank eines straffen Kostenmanagements, der Synergien aus der Fusion der Senderfamilie sowie des langfristigen Ausbaus der Positionen im Fernseh- und Werbemarkt das Niveau des Rekordjahres 2000 erreicht. Ein Ergebniswachstum sei nur dann erzielbar, wenn sich der Fernsehwerbemarkt insgesamt nicht negativ entwickele, wurde betont. Beim Umsatz werde der Konzern über dem Marktdurchschnitt liegen. Anfang Mai hatte Rohner noch eine zweistellige Wachstumsrate beim Ergebnis prognostiziert. Der Umsatz sollte über der damals veranschlagten Zunahme des Fernsehwerbemarktes von zwei bis vier Prozent liegen.

Das Vorsteuerergebnis des Konzerns ging im ersten Halbjahr um 20,0 Prozent auf 89 Millionen Euro (174 Millionen Mark) zurück. Darin ist eine erneute Wertberichtigung auf die Beteiligung am Internet-Versandhandelsunternehmen LetsBuyIt.com in Höhe von 5 Millionen Euro enthalten. Durch die Verringerung der Steuerquote von 58 auf 44 Prozent stieg der Überschuss dennoch um 11 Prozent auf 52 Millionen Euro. Rohner bezeichnete es als Erfolg, dass Umsatzeinbußen in Höhe von 27 Millionen Euro auf der Ertragsseite teilweise kompensiert worden seien. Dies sei ein Beleg, dass die Senderfamilie "die Kosten im Griff hat", betonte der Vorstandsvorsitzende.

Das Kerngeschäftsfeld Fernsehen trug mit 1,0 Milliarden Euro erneut den Löwenanteil zum Gesamtumsatz bei. Allerdings war dies ein Minus von zwei Prozent gegenüber dem Pro-forma-Wert im Rekordwerbejahr 2000. Das operative Ergebnis ging hier sogar um 28 Prozent auf 86 Millionen Euro zurück. Durch die Bündelung der Multimedia-Aktivitäten in der neu gegründeten Kirch Intermedia schieden die ProSieben Digital Media, der Online-Vermarkter SevenOne Interactive sowie die Nachrichtenagenturen ddp und ddp.vwd rückwirkend zum 1. Januar aus dem Konsolidierungskreis aus. Im ersten Halbjahr 2000 hatten sie das Gruppenergebnis mit fünf Millionen Euro belastet und den Umsatz im Konzern um zehn Millionen Euro erhöht. Das Ausscheiden trug auch wesentlich dazu bei, dass die Zahl der Mitarbeiter im Konzern Ende Juni um sieben Prozent auf 2.989 Beschäftigte gesunken war.