LKW-Maut-Ausweicher belasten Anwohner und Nutzer zahlreicher Strecken

Aktion "Maut-Flucht stoppen!"

Nach Beobachtungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) weichen viele Laster auf Bundes- und Landesstraßen aus, um die auf Autobahnen anfallende LKW-Maut zu umgehen. Der VCD legte am Mittwoch eine erste Auswertung seiner bundesweiten Aktion "Maut-Flucht stoppen!" vor. Seit dem Start vor sechs Wochen zählte der Verkehrsclub rund 600 Rückmeldungen. Danach leiden Anwohner und Nutzerinnen zahlreicher Bundes- und Landesstraßen seit dem Start der Lkw-Maut am 1. Januar erheblich unter Lkw-Ausweichverkehr. Zumeist mieden schwere Lastwagen die Autobahnen in der Nähe ihrer Start- und Zielorte, nutzten Abkürzungen oder wichen auf gut ausgebaute Bundesstraßen um, die parallel zur Autobahn verlaufen.

Auf zahlreichen Strecken gebe es Probleme, weil LKW von der Autobahn abführen, um so der Maut zu entgehen, sagte Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender. In Wohnorten steige die Lärm- und Abgasbelastung, auf Pendlerstrecken stocke der Verkehr. "Wir brauchen daher dringend Maßnahmen gegen die Maut-Flucht, damit der sinnvolle Ansatz der Maut für mehr Kostengerechtigkeit im Verkehr nicht unterlaufen wird", forderte Gehrmann.

Kurzfristig müssten nun die Behörden vor Ort mit Durchfahrtverboten für Lkw, Tempobeschränkungen und Nachtfahrverboten reagieren, um den Betroffenen zu helfen. Die Bundesregierung sei zudem gefordert, die Maut schnellstmöglich auf alle Straßen und auf kleinere Lkw auszudehnen, damit Ausweichverkehr gestoppt und dem Schwerlastverkehr ein merklicher Teil der Kosten angelastet werde, den er durch Straßenabnutzung und Umweltschäden verursache.

Nach bisheriger Auswertung der VCD-Aktion hat das Lkw-Aufkommen besonders stark auf den Bundesstraßen 3, 4, 5 und 75 im Großraum Bremen - Hamburg - Braunschweig, auf der B 31 am Bodensee, im Raum Stuttgart (B 27, 29), Passau (B 8, 12) und München (B 471) zugenommen. Der Verband rief auf, auch weiterhin Streckenabschnitte zu nennen, auf denen der Lkw-Verkehr seit dem 1. Januar 2005 stark zugenommen hat.

"Unsere exemplarische Befragung geht weit über subjektive Eindrücke hinaus", sagte Heidi Tischmann, Verkehrsreferentin des VCD. Ausweichverkehr in Folge der Mauteinführung sei für viele Menschen zu einer deutlich wahrnehmbaren Belastung geworden. "Die Betroffenen schildern auf ihren Antwortbögen die unmittelbaren Folgen", sagte Tischmann: "Lärm, Abgase und Unfallgefahr nehmen zu." Das zeige die Probleme, die Güterverkehr auf der Straße allerorten mit sich bringe. "Wir brauchen deshalb eine Verkehrspolitik, die unnötigen Verkehr vermeiden hilft und Anreize zur Verlagerung von Transporten auf die umweltverträglichere Schiene bietet", so die Verkehrsreferentin.