FlowTex-Betrüger genossen Vorzugsbehandlung der Behörden

Spiegel:

Der wegen Betrugs verurteilte frühere FlowTex-Chef Manfred Schmider soll nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bei baden-württembergischen Staatsanwaltschaften Vorzugsbehandlungen genossen haben. Dem Magazin zufolge will Schmiders Bruder Matthias dazu bei seinem am Dienstag in Mannheim beginnenden Prozess umfassend aussagen.

Dem Bericht zufolge soll die Familie Schmider auch nach der Verhaftung von Manfred Schmider bei den Behörden VIP-Status genossen haben. So habe der Mannheimer Staatsanwalt per handschriftlichem Fax die Vercharterung der Schmiderschen Luxusyacht freigegeben. Erst einen Monat später habe der Insolvenzverwalter das verschwundene Traumschiff unter neuem Namen in einem australischen Hafen aufspüren können.

Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden habe außerdem zu Beginn der neunziger Jahre ein Ermittlungsverfahren gegen die Schmider-Brüder wegen Vorsteuer-Hinterziehung nach Geldbußen eingestellt, obwohl keine Steuern nachgezahlt worden seien, berichtete das Magazin. Bereits Anfang Januar waren Vorwürfe gegen baden-württembergische Behörden bekannt geworden, die Schmiders gegen Ermittlungen in Schutz genommen zu haben.

Die FlowTex-Bosse Manfred Schmider und Klaus Kleiser sowie zwei andere Hauptverantwortliche des bislang größten deutschen Wirtschaftsskandals waren im Dezember wegen Betruges vom Mannheimer Landgericht zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Sie hatten über Jahre hinweg mit nicht existenten Bohrsystemen gehandelt und dabei bei Banken und Leasinggesellschaften einen Milliardenschaden angerichtet.