Zum 1. September gibt es 3,2 Prozent mehr Gehalt

Tarifeinigung am Bau perfekt

Die Einigung im Tarifkonflikt des deutschen Baugewerbes ist perfekt. Der erste bundesweite Arbeitskampf seit 50 Jahren in der Branche sei mit der Annahme des Tarifergebnisses durch beide Vertragsparteien beendet, erklärte die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Donnerstag. Nach den Gewerkschaftsmitgliedern hätten sich auch die Arbeitgeber - der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) - mehrheitlich für die Annahme des Tarifkompromisses vom 25. Juni ausgesprochen.

IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel betonte nach Ablauf der Erklärungsfrist am Nachmittag, der mehr als einwöchige Streik zehntausender Bauleute habe "sich gelohnt". Letzlich sei "ein Gesamtergebnis herausgekommen, das sich sehen lassen kann". Ohne den Arbeitskampf wäre dies jedoch nicht möglich gewesen, fügte Wiesehügel hinzu. Bis zuletzt hätten die Arbeitgeber in ihren Verbänden um die Zustimmung gerungen und damit sogar eine Fortsetzung des Arbeitskampfes riskiert.

ZDB-Vizepräsident Werner Kahl reagierte erleichtert auf die mehrheitliche Zustimmung der Mitgliedsverbände. Vor allem die neue Lohnstruktur, der neue Rahmentarifvertrag und die Reform der Zusatzversorgung sei bei der Abwägung entscheidend gewesen. Für die Verbände, die den Tarifabschluss abgelehnt hätten, sei das Ausmaß der Lohnerhöhung ausschlaggebend gewesen. Kahl kündigte an, dass angesichts der zurückliegenden harten Tarifauseinandersetzung intensiv über die künftige Strategie diskutiert werde.

Der Zweckverbund Ostdeutscher Bauverbände (ZVOB) wertete hingegen den Mindestlohn-Tarifabschluss als "Todesstoß für das Baugewerbe der neuen Bundesländer und Berlins". Das Einknicken der von den Landesverbänden der alten Bundesländer dominierten zentralen Tarifvertragsparteien nach dem kurzen, einwöchigen Streik sei eine "Katastrophe für den Osten", bekräftigte ZVOB-Vizepräsident Kaspar-Dietrich Freymuth in Berlin. Die Landesverbände des ZDB und des Bauindustrieverbandes in den neuen Ländern hätten sich nicht durchsetzen können und seien von den Arbeitgeberverbänden-West, insbesondere von der Großindustrie, "überfahren" worden, erklärte Freymuth. Wenn diese Regelung allgemeinverbindlich werde, bedeutet dies das Aus für das Baugewerbe der neuen Länder und Berlins.

Wiesehügel zufolge geht in den tarifungebundenen Betrieben der Branche der Arbeitskampf weiter, bis diese in den Arbeitgeberverband zurückgekehrt sind und den Flächentarifvertrag anerkennen.

Der am Dienstag voriger Woche erzielte Tarifkompromiss sieht vor, die Löhne und Gehälter der 850.000 Beschäftigten am Bau zum 1. September um 3,2 Prozent und zum 1. April 2003 nochmals um 2,4 Prozent anzuheben sowie neue Mindestlöhne für Facharbeiter in Ost und West ab 1. September 2003 einzuführen. Zudem wurden für die Monate Juni, Juli und August dieses Jahres Einmalzahlungen von je 75 Euro vereinbart. Dabei gibt es regionale Modifizierungen.