IPPNW und Leukämiekomission: Vertuschter Nuklearunfall wahrscheinliche Ursache

Kinderleukämie in der Elbmarsch

Die bei den Geesthachter Atomanlagen südöstlich von Hamburg seit 1990 aufgetretene extreme Häufung kindlicher Blutkrebsfälle steht nach Auffassung der Leukämiekomissionen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein in direktem Zusammenhang zu einer ungenehmigten Freisetzung künstlicher Radioaktivität im September 1986. In einer Beratung auf Einladung der IPPNW am Montag in der Elbmarsch legten Wissenschaftler Daten aus amtlichen Messungen vor, die belegen, dass am 12. September 1986 eine außergewöhnlich hohe Strahlung freigesetzt wurde. In der Folge fanden sich millimetergroße Kernbrennstoffkügelchen im Boden, die Plutonium enthalten.

Nach Aussage verschiedener Sachverständiger erklären die einmalige hohe Strahlenexposition der Bevölkerung und die anschließende Dauerbelastung aus dem herumliegenden Kernbrennstoff die weltweit einzigartig hohe Leukämierate in der Region. Seit 1997 hatte die schleswig-holsteinische Leukämiekomission nach Abwägung aller möglichen Ursachen radioaktive Strahlung als Auslöser der Erkrankungen benannt. Allerdings konnten weder der nahe GKSS-Versuchsreaktor noch das benachbarte Atomkraftwerk Krümmel als Verursacher überführt werden.

Aufgrund der gefundenen Kernbrennstoffe und ihrer Verteilung im Boden vermuten Gutachter der Komission, dass im September 1986 in der Nähe der beiden Atomanlagen mit neuartigem Kernbrennstoff, sogenannten PAC, experimentiert wurde, und dabei ein Unfall passiert ist. Damals ist auch ein Stück Wald verbrannt. Die Behörden in Schleswig-Holstein verweigern bislang jede Aussage, ob in der fraglichen Gegend ein solcher Versuchsreaktor betrieben worden ist.

Dagegen hat die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) gegenüber dem Bundesumweltministerium bestätigt, dass im hessischen Hanau, wo ebenfalls in Wohngebieten der gleiche Kernbrennstoff im Boden gefunden wurde, ein solcher Versuchsreaktor betrieben wurde. Auch in Hanau wurden die strahlende Kügelchen bei einem Unfall freigesetzt. Wisenschaftler in Hanau und am Versuchsreaktor in Geesthacht haben in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet.