AKW Deutschland - ist abschalten eine Option?

Atomkonsens - Protest gegen Unterzeichnung der "Bestandsgarantie für AKW"

AKW Deutschland - ist abschalten eine Option?Bundesregierung und Energiewirtschaft wollen heute Abend in Berlin den Atomkonsens unterzeichnen. Die vor einem Jahr ausgehandelte Vereinbarung sieht langfristig den Ausstieg aus der Kernenergie vor, indem für jedes Kraftwerk Gesamtlaufzeiten festgelegt werden. Im Gegenzug sichert die Bundesregierung den Betreibern Rechtssicherheit beim Betrieb ihrer Anlagen zu. Die Bundesregierung erwartet, dass 2018 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet wird. Die Betreiber rechnen jedoch, die ihnen zugestandenen Mengen an Atomstrom erst 2021 zu erreichen. Umweltschützer bezeichnen den "Konsens" - an dem gesellschaftliche Gruppen nicht beteiligt sind - als "Bestandsgarantie für Schrottreaktoren" und als "Volksverdummung". Vor den Parteizentralen von SPD und Grünen errichteten sie ein Denkmal aus radioaktivem Sand, den sie in der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen von Sellafield und La Hague am Strand eingesammelt hatten. Auch vor dem Bundeskanzleramt wollen sie heute abend ihren Protest zu Gehör bringen.

Die Energieversorger RWE, EnBW, E.ON und HEW wollen sich dagegen die Hintertür für künftige Entwicklungen offen lassen. Der Düsseldorfer E.ON-Konzern billigte die Vereinbarung gestern als "pragmatischen Kompromiss", es sei aber "kein Energiekonsens". Auch werde dem Ausstiegsziel der Bundesregierung darin "nicht zugestimmt", hieß es. Gleichwohl bringt die Vereinbarung den Stromkonzernen wichtige Vorteile. Da die Regierung den ungestörten Betrieb und die Entsorgung der Kraftwerke auf lange Sicht zugesichert hat, bedeutet dies für die Branche Planungssicherheit.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben unterdessen aus Protest gegen den Atomkonsens heute Morgen vor den Parteizentralen von SPD und Grünen in Berlin ein "radioaktives Denkmal" installiert. Es handelte sich um einen Stahlrahmen, der mit radioaktiv verseuchter Erde aus der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague verfüllt war, wie Greenpeace mitteilte. Mit Geigerzählern demonstrierten die Umweltschützer die erhöhten Strahlenwerte. Die Polizei sicherte die betroffenen Bereiche. Die Arbeit in den Parteizentralen ging derweil weiter.

Das "strahlende Geschenk" stamme von frei zugänglichen Stränden und Wiesen unweit der Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague, teilte Greenpeace weiter mit. In der Umgebung dieser Anlagen erkrankten Kinder und Jugendliche wesentlich häufiger an Blutkrebs als im Länderdurchschnitt. Auf einem Transparent hieß es: "Atomkonsens ist Volksverdummung".

Im Rahmen des Atomkonsens sei vorgesehen, weitere 2.000 Tonnen hochradioaktiven Atommülls nach Sellafield und La Hague zu transportieren, kritisierte Greenpeace. Mit dem Atomkonsens täusche die Bundesregierung vor, den Ausstieg aus der Atomenergienutzung ein für alle mal geregelt zu haben. Dies sei "blanker Unsinn".

Auch die Umweltverbände BUND und Robin Wood sowie die Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) wollen gegen die Unterzeichnung protestieren. Vor dem Bundeskanzleramt ist für 18 Uhr eine Demonstration angemeldet.

Nachrichten akw

  • Vor 25 Jahren Totalschaden im ersten deutschen Groß-AKW Gundremmingen
  • AKW-Störfall-Jubiläum
  • AKW Gundremmingen stellt Scheinalternativen dar und rechnet falsch
  • Energiewende atomkraftfreies Schwaben e.V.
  • Nabu und Grüne: Ältestes AKW nicht noch länger betreiben
  • AKW Obrigheim
  • BUND fordert Offenlegung des Gutachtens zur Terrorgefahr von AKWs
  • Atomkraftwerke
  • Umweltverbände kritisieren Stilllegung und Abbau des AKW Mülheim-Kärlich
  • Sicherheits- und Finanzierungsrisiken
  • Begutachtet AKW-Erbauer Siemens sich selbst?
  • Biblis A
  • Deutsche Energie-Agentur plädiert für Verkürzung der AKW-Laufzeiten
  • Atomausstieg
  • Mögliche Beteiligung der deutschen Atomindustrie an AKW-Neubau in Frankreich
  • Reaktorsicherheit
  • Flugzeugabstürze führen bei jedem AKW zur Katastrophe
  • Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit
  • BUND veröffentlicht GRS-Gutachten zu Terrorgefahr für AKWs
  • Kein AKW sicher genug
  • Strahlenbelastung durch radioaktive Abgase in Schwaben am höchsten
  • AKW Gundremmingen
  • Bürgerinitiativen gegen längere AKW-Laufzeiten und für Sofortausstieg
  • Atomkraftwerke
  • AKW entlässt zuviel Radioaktivität in die Umwelt
  • Biblis A
  • Trotz monatelanger Mängel bei Kernkraftsicherheit darf AKW weiterlaufen
  • Philippsburg
  • Siemens-Manager Pierer für deutlich längere AKW-Laufzeiten
  • Wahlkampf-Thema
  • Atomindustrie ist nach AKW-Pannen besorgt um Image
  • "Vorurteilsfrei die Dinge aufklären"
  • SPD-Spitzenkandidat Jüttner fordert rasche AKW-Abschaltung
  • Gefahr
  • Vertuschte Explosion in chinesischem Atomkraftwerk Tianwan
  • Siemens war an AKW-Bau beteiligt
  • Kamm vermutet Zusammenhang zwischen AKW-Störfall und niedriger Lebenserwartung
  • Bayerischer Sozialbericht
  • "Normale Erklärungsmuster greifen in Dillingen nicht"
  • 13. Januar 1977: Totalschaden des RWE-Atomkraftwerks Gundremmingen A
  • Die größten Proteste der Anti-AKW-Bewegung
  • 147.000 Menschen gegen Atomenergie
  • "Zwischen Störfall und Unfall liegt oft nur der Zufall"
  • Gorleben | Festhalten an Gorleben grenzt an Wahnsinn
  • Gorleben muss als Ausrede für Weiterbetrieb der AKW herhalten
  • Festhalten an Gorleben grenzt an Wahnsinn
  • Gute RWE Nachrichten - Investor stoppt Atomkraftwerk
  • RWE kündigt Investition in rümänisches Atomkraftwerk
  • RWE kündigt Investition in rümänisches Atomkraftwerk
  • Cattenom Abschalten! - Wieder Verletzte im Atomkraftwerk
  • Sofort AKW: Cattenom Abschalten!
  • Anti-AKW-Demo in München
  • KettenReaktion Bayern München
  • Breite Mobilisierung für Veranstalter erwarten mehrere zehntausend Teilnehmer
  • Gedanken zum Tag
  • <<Wunderliche Welten>>
  • Atomuhr: Der AKW Countdown-Ticker läuft!
  • Die Zeit tickt gegen uns - planet-one
  • AKW Hinkley Point C wird immer teurer
  • Infobrief 17/13
  • Biosphärenreservat Rhön wird ausgeweitet
  • Am 11-06-2001

    Pannenreaktor Philippsburg

    Nach der Panne im Atomkraftwerk Philippsburg haben nach den Betreibern auch die Atomaufsicht und der TÜV Konsequenzen gezogen. Der baden-württembergische Umweltminister Ulrich Müller (CDU) kündigte am Freitag in Stuttgart Umstrukturierungen in seinem Ministerium an. Demnach soll eine neu eingerichtete Stelle meldepflichtige Zwischenfälle in Kernkraftwerken zügiger bearbeiten und Maßnahmen koordinieren. Der TÜV Süddeutschland veranlasste ebenfalls personelle und organisatorische Konsequenzen.

    Müller räumte indirekt erstmals Fehler seines Ministeriums ein. Er betonte zwar, die Verantwortung liege in erster Linie bei der Betreiberfirma Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). In "unterschiedlicher Intensität" würden aber sowohl die Betreiber als auch der TÜV und das Ministerium Verantwortung tragen. Neben der neuen "Clearing-Stelle" ordnete der Minister an, die für Atomanlagen zuständige Abteilung von externen Experten auf ihre Effizienz hin überprüfen zu lassen. Auch sollen die Mitarbeiter in bestimmten Abständen auf andere Posten versetzt werden, um so einer "Betriebsblindheit" vorzubeugen. Bei der Prüfung und Begutachtung von Störfällen will Müller künftig auf den TÜV verzichten.

    Der TÜV gab bekannt, bei der TÜV Energie- und Systemtechnik GmbH Baden-Württemberg seien nach internen Untersuchungen organisatorische und personelle Änderungen vorgenommen worden. Einzelheiten nannte die Sachverständigen-Organisation nicht. Der TÜV räumte gleichzeitig ein, dass er die Störung in Philippsburg "von Anfang an" höher hätte bewerten müssen.

    Im Block 2 des Kernkraftwerkes waren Ende August drei Flutbehälterpaare unzureichend gefüllt. Obwohl das Notkühlsystem dadurch nur eingeschränkt tauglich war, hatten die EnBW und der TÜV den Vorgang als ungefährlich eingestuft. Erst am 8. Oktober wurde der Block auf Druck von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorübergehend stillgelegt.

    Am Samstag soll nach Angaben Müllers auch Block 1 des Atomkraftwerks kurzfristig heruntergefahren werden. Damit ist die gesamte Anlage vorübergehend vom Netz. Grund ist ein weiterer Zwischenfall, den die Betreiber am Donnerstag bekannt gegeben hatten. In dem Block war ein Ventil undicht. Zudem sollen Probleme an einer Armatur vorliegen. Die Armatur werde am Wochenende ausgetauscht. Müller zufolge liegt in dem Atomkraftwerk ein Betriebszustand vor, der "nicht den Vorschriften" entspricht.

    Am 19-10-2001

    AKW-Störfall-Jubiläum

    Raimund Kramm von der Anti-AKW-Kampagne Schwaben berichtet: Vor 25 Jahren und einem Monat ereignete sich in Gundremmingen der erste Großunfall im zudem ersten deutschen Groß-Kernkraftwerk, mit bleibenden Folgen. Am 13. Januar 1977 kam es um 18:34 in einer der zwei abführenden Stromleitungen des AKW Gundremmingen Block A (1966 als damals erstes großes Kernkraftwerk Deutschlands in Betrieb gegangen, 237 MW elektrische Nettoleistung) durch Kälte und Rauhreif zu einem Kurzschluss. Als um 21:17 dasselbe in der zweiten der beiden Hochspannungsleitungen geschah, konnte das Kernkraftwerk seinen Strom nicht mehr ableiten. Da die Turbinenreglung auch noch falsch reagierte, wurde innerhalb von drei Sekunden mit einer Schnellabschaltung das AKW vollgebremst.

    Als hierbei auch die Reaktorreglung fehlerhaft arbeitete, kam es zum schnellen Druckanstieg und deshalb zur Dampfabblasung ins Reaktorgebäude. Etwa 200 Kubikmeter Dampf schlugen sich dort nieder, was zusammen mit vielen Kubikmetern Wasser aus der automatischen Sprinkleranlage zu einer drei bis vier Meter hohen Überflutung des Reaktorgebäudes führte. Zudem wurde der Bau kurzzeitig auf brisante 80 Grad aufgeheizt.

    Trotzdem ließ in einer ersten Information die Kraftwerksleitung verlauten, die technischen Prozeduren hätten „einwandfrei funktioniert. Die notwendige, doch unproblematische Wäsche“ werde einige Wochen in Anspruch nehmen. In Wirklichkeit hatten beim Lastabwurf die Drehzahlverringerung der Turbine und die Automatik der Speisepumpe versagt. Ein Sicherheitsventil riß daraufhin vollkommen auf und fast alle anderen Sicherheitsventile wurden beschädigt.

    Die Bundesregierung genehmigte außerplanmäßig 40,7 Millionen Mark zur Abdeckung des Gundremminger Betriebsverlustes. Später sollen noch mal knapp 20 Millionen Mark aus Steuergeldern vom Bund an das AKW gezahlt worden sein. Das beim Unfall ins Reaktorgebäude gelangte radioaktive Wasser und radioaktive Gas wurden später unter behördlicher Kontrolle nach außen abgeleitet. Für diese Freisetzung wurden eigens Grenzwerte festgelegt, die dann eingehalten worden sein sollen.

    Allerdings wies im Mai und im September 1985 der Astrophysiker Peter Kafka vom Max-Planck-Institut in Garching darauf hin, daß in einem Gebiet östlich des Kernkraftwerks Gundremmingen in der Zeit von 1968 bis 1978 die Häufigkeit von Missbildungen bei Kindern nahezu doppelt so hoch gewesen sei wie im Landesdurchschnitt. Als nach dem Herbst 1977 bei näherer Untersuchung der Rohranlagen des stillliegenden AKWs viele Rohranrisse gefunden wurden, löste dies große Sorgen aus. Denn bis dahin glaubte man, die Rohre aus Spezialstahl wären zuverlässig dicht. Ein Auf- und dann gar Abreißen der Rohre würde zur unter allen Umständen zu verhindernden Kernschmelzkatastrophe führen.

    Die Genehmigungsbehörde verlangte außerdem auf Grund der Unfallerkenntnisse neue Sicherheitseinrichtungen. Im Januar 1980 teilten dann die Eigentümer dieses ersten deutschen Groß-AKWs, das nordrhein-westfälische RWE und das Münchner Bayernwerk, mit, das KKW endgültig stilllegen zu wollen.

    Insgesamt hatte die Anlage rund 15 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und schon im Normalbetrieb ein Mehrfaches an Radioaktivität abgegeben wie heute ein AKW. Die endgültige Beseitigung der abgebrannten Brennelemente ist ungeklärt, da es weltweit hierfür kein Endlager gibt. Der Abbruch der Betriebsanlagen dauert vermutlich noch weitere Jahrzehnte und angeblich wird auch dies wieder mit Steuergeldern subventioniert. Noch in 100.000 Jahren wird man in Gundremmingen die frühere Existenz einer Kernspaltungsanlage messen können.

    Am 13-02-2002

    Energiewende atomkraftfreies Schwaben e.V.

    Das Kernkraftwerk Gundremmingen habe gerade mit einer Pressemitteilung versucht, die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes hinters Licht zu führen, beklagt die „Energiewende atomkraftfreies Schwaben e.V.“. „Die Atomkraftwerkler behaupten, mit der Produktion eines Blockes in rund elf Monaten sowohl 9,5 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt als dadurch auch 9,5 Millionen Tonnen CO2 vermieden zu haben.“ Das sei eine gefährliche Irreführung mit zudem falscher Rechnung.

    Die Alternative zur Atomenergie seien nicht veraltete Kohlekraftwerke sondern Effizienzsteigerung und regenerative Energiequellen, widerspricht die „Energiewende“. So habe das Freiburger Ökoinstitut schon vor zwei Jahren im Auftrag der Europäischen Kommission ausgerechnet, wieviel Strom gespart würde, wenn in Europa die Wirkungsgrade alle Vorschaltgeräte der Leuchtstofflampen („Neonröhren“) von heute durchschnittlich 70 auf die preiswert realisierbaren 90 und mehr Prozent gesteigert würden. Jährlich rund 10 Milliarden Kilowattstunden Strom! Das sei eine überfällige Alternative zur Atomstromproduktion!

    Zudem verschleierten die Atomstromerzeuger in Gundremmingen, daß durch die Jahresproduktion eines Blockes ihres größten deutschen Kernkraftwerks sowohl krankmachende radioaktive Emissionen an die Umgebung abgegeben werden, als auch rund 13.000 Kilogramm tödlich strahlender hochradioaktiver Müll entsteht.

    Am 01-07-2002

    AKW Obrigheim

    Einem Treppenwitz gleich kommt nach Auffassung des grünen Landtagsabgeordneten Jürgen Walter das Vorhaben der EnBW, den Atomreaktor in Obrigheim durch Übertragung eines Strommengenkontingents länger als vorgesehen laufen zu lassen. Einen entsprechenden Antrag hat die EnBW jetzt bei der Bundesregierung gestellt. Selbst wenn es, wie von der EnBW behauptet, eine Zusage des Bundeskanzlers Schröder an den EnBW-Vorsitzenden Goll im Zusammenhang mit dem Atomkonsens gegeben haben sollte, so sei doch klar, dass mit dem Terrorangriff des 11. September 2001 sich die Geschäftsgrundlage geändert habe.

    "Mit Obrigheim muss in den nächsten Monaten einer der größten Gefahrenherde unter den deutschen Atomkraftwerken vereinbarungsgemäß stillgelegt werden", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Bereits im vergangenen Jahr habe die Reaktorsicherheitskommission festgestellt, dass der Uraltreaktor gegen nichts abgesichert sei. Die noch vor Jahresfrist beschworene Terrorgefahr sei scheinbar kein Thema mehr, sagte Flasbarth: "Das Gedächtnis der Strombosse ist deutlich kürzer als die von ihnen beantragten Restlaufzeiten für Atomkraftwerke."

    Der grüne Landtagsabgeordneten Jürgen Walter sagte: "Vor diesem Hintergrund kann es nicht sein, von der neuesten und in Bezug auf Flugzeugabstürze relativ sichersten Anlage Strommengen auf die älteste und gerade Flugzeugabstürze betreffend unsicherste Anlage übertragen zu wollen Er wies darauf hin, dass die Betonkuppel des GKN II eine Stärke von 200 cm aufweise, während die Kuppel des in den 60er Jahren errichteten KWO weniger als 70 cm dick ist. Diese Reaktorkuppel sei nachweislich nicht einmal gegen den Absturz eines wesentlich leichteren Kampfjets vom Typ Starfighter ausgelegt.

    Hinzu komme, so Walter, dass der Reaktor in Obrigheim nach Auffassung der Grünen quasi einem Schwarzbau gleichkomme, weil er anders errichtet als genehmigt wurde. Dieses auch in einem Minderheitenvotum zum KWO-Untersuchungsausschuss des Landtags festgestellte Ergebnis ist derzeit Gegenstand eines Gerichtsverfahrens beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim, so Walter weiter. Walter erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass das Bundesumweltministerium im September vergangenen Jahres die baden-württembergische Landesregierung angewiesen habe, in diesem Verfahren eine Rechtsauffassung zu vertreten, die deckungsgleich ist mit derjenigen der grünen Landtagsfraktion. Vor dem Hintergrund dieser Fakten erscheine es - so Jürgen Walter - undenkbar, dass das BMU der jetzt beantragten Übertragung von Strommengen vom GKN II auf Obrigheim zustimme.

    Am 01-10-2002

    Atomkraftwerke

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Offenlegung der Ergebnisse des Gutachtens zu den Terrorgefahren für Atomkraftwerke. Wenn die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) neue Erkenntnisse über die Risiken von Atomkraftwerken gewonnen habe, müsse Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Bevölkerung umfassend darüber informieren, so die Organisation. Des Weiteren müsse er mitteilen, welche Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Ein Beispiel für eine besonders gefährdete Anlage sei das AKW Biblis in Hessen. Es liege in unmittelbarer Nähe zur Metropole Frankfurt und deren Großflughafen. Als einziges AKW in Deutschland sei es nicht mit einer externen Notstandswarte ausgerüstet. Im Notfall könne deshalb nicht von außen auf die beiden Meiler zugegriffen werden.

    Neuere Reaktoren seien außerdem zwar gegen Abstürze von Phantom-Jagdflugzeugen gesichert, Biblis B hingegen nur gegen Starfighter und Biblis A nur gegen Sportflugzeuge.

    "Trittin darf nicht die Praxis des Kanzlers fortsetzen, in Atomfragen geheime Absprachen zu treffen. Er stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn er das Gutachten unter Verschluss hält und erst die Kommentare der Bundesländer abwartet. Die Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht, wird so verschleiert.", kritisiert Renate Backhaus, Atomexpertin im BUND-Bundesvorstand.

    Anstatt geheime Gutachten zu verteilen, müsse Trittin die hessische und die anderen Landesregierungen mit Atomstandorten anweisen, unverzüglich Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Die Betreiber der Atomkraftwerke müssten verpflichtet werden, detaillierte Pläne zur Gefahrenabwehr zu erstellen. Es sei ein schweres Versäumnis der Vergangenheit, dass Atomkraftwerke errichtet werden durften ohne ihre Verletzlichkeit gegen kriegerische oder terroristische Angriffe zu untersuchen.

    "Es zeugt von der Verantwortungslosigkeit der Atomstromerzeuger und der zuständigen Politiker, dass Anlagen errichtet wurden, deren Risiken nicht umfassend analysiert worden sind.“, so Backhaus. Bei allen Planungen seien die Auswirkungen, die der Absturz eines Großflugzeuges auf eine Atomanlage auslösen könne, nicht berücksichtigt worden.

    Am 31-01-2003

    Sicherheits- und Finanzierungsrisiken

    Die Umweltverbände Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. und der BUND Naturschutz sowie die „Bürgerinitiativen gegen das AKW Mülheim-Kärlich“ haben sich mit zahlreichen und umfangreichen Einwendungen schriftlich gegen die geplante Stillegung und den Abbau des Atomkraftwerkes zu Wort gemeldet. RWE hatte am 18.12.02 einen entsprechenden Antrag beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt und Forsten, Mainz gestellt. Bemängelt wird u. a., dass RWE das Kraftwerk gesetzwidrig erbaut habe und dass es keine Angaben zu Abbruchdauer und -kosten sowie zu ihrem Entsorgungskonzept gäbe.

    Die wichtigsten Einwendungen zum Abbau und die Stillegung betreffen den Betreiber - die RWE AG. Die Verbände werfen dem Unternehmen unter anderem vor, die Anlage gesetzwidrig erbaut zu haben, nämlich auf einem anderen als dem eigentlich genehmigten Grundstück. Daraufhin erfolgte Klagen führten am 09.09.88 dazu, dass vom Bundesverwaltungs-Gerichtshof Berlin die erste Teil-Errichtungsgenehmigung aufgehoben wurde und der Reaktor bis heute nicht wieder in Betrieb ging.

    Sie bezweifeln die nach dem Atomgesetz nötige "Zuverlässigkeit und Fachkunde" der RWE-Verantwortlichen, aber auch der für den Abbau vorgesehenen Institutionen wie den lokalen TÜV-Organisationen. BBU und BN stützen diese Zweifel auf die "serienweisen" Störfälle und besondere Vorkommnisse in den RWE-Atomanlagen Mülheim-Kärlich, Biblis A + B und andernorts. Bezweifelt wird, dass RWE überhaupt die notwendigen Erfahrungen hat, um den Abbau risikofrei durchzuführen: Handelt es sich bei dem Reaktor in Mülheim-Kärlich doch um erstens den größten Reaktor in Deutschland (1308 MW) und zweitens von der Bauart her um den Typ wie in Harrisburg/USA, eine Anlage, bei der es fast zu einer Katastrophe gekommen wäre. Bisher liegen in Deutschland nur Teilerfahrungen bzgl. eines Reaktorrückbaus vor. Noch im Gange sind die Arbeiten beim VAK Kahl am Main (15 MW), AKW Würgassen (600 MW), AKW Niederaichbach (107 MW) und einem Reaktor in Greifswald (440 MW).

    Die Umweltverbände befürchten, dass die Bevölkerung in der Umgebungs von Mülheim-Kärlich bzw. Rheinland-Pfalz zu "Versuchskaninchen" der RWE bzw. der deutschen Atom-Industrie würde, so Eduard Bernhard, Energiepolitischer Sprecher des BBU und Bund Naturschutz. Die Umweltverbände und Bürgerinitiativen vermissen in den Anträgen von RWE auch essentielle Informationen: So wird die Abbruchdauer verschwiegen, es fehlen Angaben zu den voraussichtlichen Kosten und eventuell dafür gebildeten Rücklagen bei RWE. Es fehlt der Nachweis einer Haftpflichtversicherung. Für unzureichend betrachten der BBU, der BN und die Umweltinitiativen, die ausgelegten Unterlagen und die Untersuchung zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Vermisst wird auch ein ausreichendes Entsorgungskonzept für die radioaktiven Abfälle; schließlich hat die Bundesregierung bislang kein Endlager-Konzept verwirklicht. Ein weiteres Manko sei es laut Einwendungsschrift, dass bislang nicht vorgesehen ist, im Zusammenhang mit der Freigabe von Materialien aus der Anlage das gesamte messtechnisch Nuklidspektrum zu erfassen.

    Dies aber sei unumgänglich für eine begründete Aussage über die Einhaltung der Freigabekriterien und für eine Abschätzung der aus der Freigabe resultierenden Strahlenbelastung der Bevölkerung. BBU und BN kündigen an, im Laufe des Erörterungstermins und des Genehmigungsverfahrens am Montag vertieft und fundiert auf diese und die übrigen Einwendungen einzugehen.

    Am 16-06-2003

    Biblis A

    Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat in einem offenen Brief an Bundesumweltminster Jürgen Trittin die Befürchtung geäußert, das Atomkraftwerk Biblis A könnte auf Grund eines vom Erbauer und Betreiber Siemens verfassten Gutachtens wieder ans Netz gehen. In den Brief heißt es: "Wir begrüßen es sehr, dass Sie der vom Hessischen Umweltministerium schon für letzte Woche vorgesehenen Wiederinbetriebnahme von Block A des AKW Biblis nicht zugestimmt haben, weil weiter Sicherheitsrisiken bestehen!" Wie weiter vorliegende Informationen bestätigten, liegt ein von RWE eingeholtes Gutachten vor, das aussagt, dass durch eine zu enge Sieböffnung in der Notkühlung des AKW Biblis Block A zu keiner Zeit ein Sicherheitsrisiko bestanden habe.

    Bei dem fraglichen Gutachten, auf das sich das Hessische Umweltministerium als Begründung für die geplante Wiederinbetriebnahme-Genehmigung von Biblis A beziehe, handelt es sich um eine Expertise der deutsch-französischen FRAMATOME-ANP GmbH in Karlstein/Bayern. In der Firma FRAMATOME-ANP ist als maßgeblicher Partner der AKW Biblis-Erbauer SIEMENS AG vertreten. Die BBU hält es für äußerst problematisch, dass die Firma SIEMENS, die für die nicht genehmigte Fläche der Sumpfsiebe der Notkühlung die Hauptverantwortung trägt, sich über die Firma FRAM-ATOME-ANP nun selbst begutachtet hat, darin jegliches Sicherheitsrisiko verneint und sich damit quasi selbst freispricht.

    Alle noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke sind von der SIEMENS AG erbaut worden bzw. werden wohl auch im Rahmen von Sicherheitsinspektionen durch die SIEMENS AG überprüft. Es ist davon auszugehen, dass bei aufgetretenen Sicherheitsproblemen in deutschen Atomkraftwerken auch Gutachten der Framatome-ANP GmbH Karlstein erstellt wurden. Die BBU befürchtet daher, dass diese Gutachten letztlich und zugunsten der Firma SIEMENS AG bzw. der AKW-Betreiber gewertet wurden. Abschließend bittet die BBU daher Umweltminister Trittin: "Wir bitten Sie dringend, hier über die GRS Köln bzw. RSK eine entsprechende Überprüfung und Information der Öffentlichkeit zu veranlassen!"

    Am 09-07-2003

    Atomausstieg

    Eigentlich schien die Diskussion längst beendet: Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) fordert jedoch in diesen Tagen, die gesetzlich vereinbarten Restlaufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke (AKW) zu verlängern. Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), weist Schmoldts Vorschlag hingegen entschieden zurück: "Der zeitliche Kompromiss, der bei den Atomkonsensgesprächen gefunden wurde, war angesichts des "normalen" Gefährdungspotentials von Atomkraftwerken ohnehin an der äußersten Grenze".

    Kohler geht vielmehr einen Schritt in die andere Richtung: "Nach den Erfahrungen mit den Anschlägen am 11. September 2001 sollten wir heute fast schon über eine Reduzierung der Restlaufzeiten diskutieren - und keinesfalls über deren Verlängerung." Tatsache sei nämlich, dass kein deutsches Atomkraftwerk gegen einen Anschlag durch Terroristen geschützt werden kann, die ihr eigenes Leben bereitwillig opfern. Die neue "Qualität der Terrorbereitschaft", die bei den Anschlägen auf das World Trade Center deutlich wurde, findet in den vorliegenden Risikoanalysen noch keine Beachtung. Auch erste Vorschläge der Atomindustrie, die Atomkraftwerke mit künstlichem "Nebel" zu verstecken, schienen eher fraglich.

    Das Argument von Hubertus Schmoldt, dass die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken für den Klimaschutz erforderlich wäre, hält Stephan Kohler für vorgeschoben. "Für die Reduktion der CO2-Emissionen gibt es zahlreiche Lösungen, wie beispielsweise die Mobilisierung der vorhandenen Energieeinsparpotentiale oder den Ersatz von alten Kraftwerken durch den Neubau von hocheffizienten Braun-, Stein- und Erdgaskraftwerken. Eine weitere Möglichkeit ist der Ausbau von regenerativen Energiequellen", so Stephan Kohler. Der Klimaschutz "brauche" jedenfalls keine Atomkraftwerke mit hohem Unfallrisiko, die darüber hinaus giftigen Atommüll produzieren, der bis heute weltweit nicht sicher endgelagert werden kann.

    Die neue Koalition zur Bekämpfung des Klimawandels besteht in den Augen der Deutschen Energie-Agentur aus Energieeffizienz, modernen und innovativen fossilen Kraftwerkstechnologien sowie dem verstärkten Einsatz von regenerativen Energieträgern. Außerdem könnten die neuen Technologien bei dem ohnehin anstehenden Kraftwerkserneuerungszyklus realisiert werden, bei dem bis zum Jahr 2020 rund 40.000 Megawatt an neuen Kraftwerken gebaut werden sollen.

    "Vor diesem Hintergrund sollte der im Jahr 2000 beschlossene und mit den AKW-betreibenden Energieversorgungsunternehmen auf freiwilliger Basis vereinbarte Atomkonsens beibehalten werden", fordert Stephan Kohler. Festgelegt wurde damals die konkrete Stilllegung aller deutschen Atomkraftwerke nach einer bestimmten Restlaufzeit. Zum einen, weil die Mehrheit der Bundesbürger die Atomtechnologie ablehnt. Zum anderen auch deshalb, weil die heute in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke nach den Sicherheitskriterien aus dem Jahr 1996 bereits nicht mehr genehmigungsfähig wären. Fakt sei schließlich nach wie vor, dass in Atomkraftwerken Kernschmelzunfälle auftreten können, die mit der massiven Freisetzung von radioaktiven Stoffen verbunden wären.

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    Am 25-08-2003

    Reaktorsicherheit

    Nach einem Bericht der Berliner Zeitung erwägen die deutschen Atomkraftwerksbetreiber RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, sich am Neubau eines Atomkraftwerks in Frankreich zu beteiligen. Der französische Atomkraftwerksbetreiber EdF plant gemeinsam mit den deutschen Konzernen die Errichtung eines sogenannten Europäischen Druckwasser-Reaktors (EPR), einer Reaktorentwicklung der deutschen Siemens AG und der französischen Framatome. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW charakterisierte den Europäischen Druckwasserreaktor als "supergroß statt supersicher". Die vorgesehenen Sicherheitssysteme des Reaktors entsprächen nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik.

    Nach dem Bericht der Berliner Zeitung wollen sich die deutschen Atomkraftwerksbetreiber am 10. November mit Bundeskanzler Schröder treffen, um über die künftige Atomenergie-Politik zu sprechen. "Nachdem die Betreiber der Bundesregierung bereits eine Bestandsgarantie für die laufenden Atomkraftwerke und neue Zwischenlager abgerungen haben, könnte es jetzt um die politische Unterstüzung für die Errichtung eines so genannten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Frankreich gehen", vermutet die IPPNW.

    Bestrebungen zum Bau eines Europäischen Druckwasser-Reaktors gibt es nicht nur in Frankreich. In Finnland soll der Atomkraftwerksbetreiber TVO inzwischen Verhandlungen mit der Framatome Advanced Nuclear Power (FANP) für die Errichtung eines solchen Atomkraftwerks aufgenommen haben. Siemens ist an der FANP zu einem Drittel beteiligt.

    Der Europäische Druckwasser-Reaktor ist nach Einschätzung der IPPNW alles andere als ein supersicheres Atomkraftwerk. Schon die gewaltige elektrische Leistung von 1600 Megawatt stelle eine Abkehr von der einst geforderten "inhärenten Sicherheit" dar. Andere "fortschrittliche Reaktorkonzepte" wiesen aus Sicherheitsgründen meist nur eine Leistung von 600 Megawatt auf. Doch um die Stromkosten nicht völlig ausufern zu lassen, setze man bei Siemens und Framatome "mehr auf supergroß als auf supersicher".

    Auch über den heute geforderten Einsatz von überwiegend passiven Sicherheitssystemen setzte man sich nach Angaben der IPPNW bei Siemens und Framatome hinweg. "Man blieb bei Sicherheitssystemen mit störanfälligen Armaturen und Pumpen mit Motorantrieb, die bei einem Ausfall der Stromversorgung versagen."

    Die wesentliche Neuentwicklung des Europäischen Druckwasser-Reaktors ist ein Auffangbecken, in das - im Falle einer Kernschmelze - diese abfließen und gekühlt werden soll. Die IPPNW hält auch dieses zentrale Sicherheitssystem für nicht überzeugend. Einerseits müsse das Becken absolut trocken sein, wenn sich die Schmelze darin ausbreiten soll, weil es sonst zu gefährlichen Dampfexplosionen kommen könne. Andererseits müsse zur Kühlung der Kernschmelze diese anschließend gezielt mit Wasser bedeckt werden, "was aber die gefürchteten Dampfexplosionen geradezu herbeiführen kann".

    Selbst Siemens-Framatome-Manager Ulrich Fischer habe - so die IPPNW - auf einem Workshop zum Europäischen Druckwasserrekator 1997 in Kiel zugegeben, dass zentrale Sicherheitsprobleme des Reaktors noch nicht gelöst seien.

    Abgesehen von den Sicherheitsproblemen des neuen Atommeilers entlarvt dieser nach Auffassung der IPPNW zudem einen zentralen Konstruktionsfehler der derzeit in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke. Der Europäischen Druckwasserrekator soll nämlich eine doppelwandige Betonhülle erhalten "und insofern an den internationalen Stand der Technik herangeführt werden". Die derzeit in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke verfügen hingegen über eine Sicherheitshülle aus Stahl.

    Diese Stahlhüllen - so zeige ein 1997 veröffentlichter internationaler Vergleich der OECD - hielten den bei einer Kernschmelze auftretenden Drücken nicht stand - im Gegensatz zu den Betonhüllen, wie sie im Ausland verbreitet sind.

    "Es zeigt sich", so die IPPNW, "dass die laufenden deutschen Atomkraftwerke nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen, dass aber andererseits auch der Europäische Druckwasserreaktor nicht wie behauptet 'absolut sicher' sein kann."

    Am 04-11-2003

    Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit

    Nach einem vertraulichen Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) kann der gezielte Absturz eines Verkehrsflugzeugs bei jedem der deutschen AKW zu einem Super-GAU führen, der in seinen Auswirkungen noch weit schlimmer als die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wäre. Das berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Angesichts dieser Ergebnisse müssen nach Auffassung des Verbandes die im Atomkonsens vereinbarten Restlaufzeiten für AKW radikal verkürzt werden. Der BUND fordert, die Bundesregierung müsse die Öffentlichkeit umgehend über die Gefahren für Atomkraftwerke durch Flugzeugabstürze aufklären. Den Verantwortlichen sei schon immer bekannt gewesen, dass Atomkraftwerke nicht vor terroristischen Angriffen geschützt werden könnten, berichtet der frühere Atom-Manager Klaus Traube.

    "Das Gutachten bestätigt: An jedem Atomstandort in Deutschland könnten Terroristen einen Super-GAU auslösen, dessen Folgen wegen der vielfach höheren Bevölkerungsdichte noch weit katastrophaler als in Tschernobyl wären", fasst Traube, jetzt BUND-Atomexperte, zusammen. Die Bundesregierung wisse von dieser Gefahr seit beinahe einem Jahr und habe noch immer nicht erklärt, was für Maßnahmen sie ergreifen wolle. "Die Menschen haben ein Recht darauf informiert zu werden", sagte Traube. "Deshalb muss Umweltminister Trittin die Geheimniskrämerei um das Gutachten beenden."

    Besonders gefährdet seien laut GRS-Gutachten die neun älteren Anlagen: Obrigheim, Stade, Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Neckar 1 und Unterweser. Bei diesen Anlagen könne schon der Absturz eines kleinen Verkehrsflugzeuges die Katastrophe auslösen. Beim gezielten Absturz eines großen Flugzeugs könnten auch die zehn neueren Anlagen außer Kontrolle geraten.

    "Das Gutachten beleuchtet nur die Spitze eines Eisbergs", meint Traube. "Schon immer war den Verantwortlichen bekannt, dass eine Atomkatastrophe von Terroristen ausgelöst werden könnte, zum Beispiel durch Infiltration in das Betriebspersonal oder durch Zerstörungen von außen durch tragbare panzerbrechende Waffen oder Sprengstoff", berichtet der ehemalige Atom-Manager. Solche Bedrohungen seien nie öffentlich erörtert worden. Vorsichts- und Nachrüstmaßnahmen könnten die Risiken nicht entscheidend mildern. "Nur abgeschaltete Atomkraftwerke sind sichere Atomkraftwerke."

    Am 05-01-2004

    Kein AKW sicher genug

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine vom Bundesumweltministerium angefertigte Zusammenfassung des Gutachtens der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zu den Terrorgefahren für deutsche Atomkraftwerke ins Internet gestellt. Das Gutachten wurde bislang geheimgehalten. Bei Zeitungsredaktionen seien bereits Auszüge bekannt gewesen und von österreichischen Grünen-Politiker verbreitet worden, so der BUND. Das inzwischen ein Jahr alte Gutachten habe ergeben, dass der gezielte Absturz eines Verkehrsflugzeuges auf ein AKW einen Super-GAU verursachen könnte. Die Umweltorganisation will durch die Veröffentlichung auf die Risiken eines Weiterbetriebes der Reaktoren hinweisen.

    "Terroristen sind in der Lage, an jedem Atomstandort in Deutschland einen Super-GAU auszulösen. Aufgrund der vielfach höheren Bevölkerungsdichte können seine Folgen weit katastrophaler sein als in Tschernobyl", sagte Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende.

    Besonders gefährdet seien laut GRS-Gutachten die neun älteren Anlagen: Obrigheim, Stade, Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Phillipsburg 1, Neckar 1 und Unterweser. Bei diesen Reaktoren könne schon der Absturz eines kleineren Flugzeuges zu einer Katastrophe führen. Beim Absturz eines großen Flugzeug könnten aber auch die zehn neuern AKWs außer Kontrolle geraten.

    Die Bundesregierung und die Bundesländer wüssten von der Gefahr und blieben dennoch eine Erklärung schuldig, welche Gegenmaßnahmen sie ergreifen wollen, kritisiert die Organisation. Stattdessen würden untaugliche Vorschläge wie das Einnebeln von Reaktoren bei einem Flugzeuganflug ventiliert. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf umfassend informiert zu werden, so die Forderung der Umweltschützer.

    Zahrnt stellte heraus, dass den Verantwortlichen schon immer bekannt war, dass Terroristen eine Atomkatastrophe auslösen könnten, sei es durch Einschleusen von Personal oder durch Zerstörung von außen. Vorschriftsmaßnamen oder Nachrüstungen könnten diese Risiken nicht beheben.

    Am 03-02-2004

    AKW Gundremmingen

    Jedes Jahr erstattet die Bundesregierung dem Bundestag einen Bericht über die Strahlenbelastung in Deutschland. Aus dem Bericht für 2001 ging hervor, daß gegenüber dem Vorjahr in der Umgebung von Gundremmingen die Strahlenbelastung durch die Abgase des Akws sich mehr als vervierfacht hatten und damit die höchsten Deutschlands waren. Dabei blieben sie aber noch weit unter den staatlichen - von Gesundheits- und Umweltschützern jedoch als zu hoch bezeichneten - Grenzwerten.

    Nachdem im Januar 2003 dies von EWaS öffentlich gemacht worden war, hat das Bayerische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde sofort Kontrollmessungen in Gundremmingen angeordnet. Später wurde etwas nebulös die Vervierfachung der abgasbedingten Strahlenbelastung in Nordschwaben durch sowohl veränderte Berechnungsverfahren als auch durch die Spitzenproduktion im Akw zu erklären versucht.

    Nachdem es einige Monate dauert, bis die Strahlenberichte der zurückliegenden Kalenderjahre vorliegen, kann man jetzt im Internet die neuen Zahlen, die das Jahr 2002 betreffen, anschauen. Zu finden auf der Homepage des Bundestages. Danach war gegenüber 2001 im Jahr 2002 die abluftbedingte Strahlenbelastung rings um das Akw Gundremmingen wieder etwas niedriger, aber immer noch 2-3 mal so hoch wie im Jahr 2000.

    Unrühmlicher Spitzenreiter ist in 2002 das nordbadische AKW Obrigheim (östlich und oberhalb von Heidelberg am Neckar), das 1968 in Betrieb ging, das kleinste und älteste Deutschlands ist und gemäß "Atomkonsens" hätte am Ende des Jahres 2002 stillgelegt werden sollen aber nach Kungeleien des Bundeskanzler Schröder weiter läuft. Den schlechten 2 Platz teilen sich die Region um Gundremmingen und die um Philippsburg (am Rhein nördlich Karlsruhe).

    Auch weit über dem Durchschnitt liegt die Belastung für die Anwohner des niederbayerischen AKW Isar 1+2. Insgesamt ist festzustellen, daß Siedewasserreaktoren (nur ein Hauptkreislauf) im Schnitt zu deutlich höheren abgasbedingten Strahlenbelastungen führen als die nach 1970 gebauten Druckwasserreaktoren (zwei Hauptkreisläufe).

    Nach Auffassung von Atomkraftgegnern muß geklärt werden, welche Folgen diese überdurchschnittliche Strahlenbelastung hat. Die seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen von RWE, EON und Staatsregierung geäußerten Beschwichtigungen reichten nicht aus. Im Bayerischen Nordschwaben liege die Krebserkrankungszahlen über dem Landesdurchschnitt. Die Ursachen seien noch immer nicht wissenschaftlich untersucht worden.

    Am 12-02-2004

    Atomkraftwerke

    Die Bürgerinitiativen an den Standorten der deutschen Atomanlagen haben sich jetzt bei einer bundesweiten Standortkonferenz in Göttingen ohne wenn und aber gegen längere Laufzeiten der Atomkraftwerke ausgesprochen; entsprechende Vorschläge für Laufzeiten bis zu 50 Jahren wurden in der jüngsten Zeit aus den Reihen der Atomindustrie und der Union diskutiert. Statt dessen fordern die Bürgerinitiativen an den Standorten der Atomkraftwerke, Uranfabriken, Atom-Forschungszentren und Atommüll-Lager weiterhin die sofortige Stillegung aller Atomanlagen und das Verbot von Atomtransporten.

    Ein Sprecher des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) sagte: "Nur der sofortige Atomausstieg kann dazu beitragen, daß das vorhandene Atommüll-Problem nicht noch drastischer wird. Das Atommüll-Problem ist alles andere als gelöst, der Bau von sogenannten Zwischen-Lagern bei den Atomkraftwerken soll eine Entsorgung vortäuschen und soll letztlich in Wahrheit den Weiterbetrieb der AKW garantieren".

    Scharf kritisierten die Bürgerinitiativen die kürzlich erfolgte Inbetriebnahme des neuen Forschungs-Reaktor im bayrischen Garching. Die Proteste der letzten Tage gegen die Inbetriebnahme des Reaktors in Garching, gegen einen Urantransport mit der Bahn von der Gronauer Urananreicherungsanlage nach Rußland und gegen den Baubeginn des Zwischenlagers am AKW Esensham wurden als Erfolge bewertet.

    Mit unterschiedlichen, standortspezifischen Aktivitäten wollen die Bürgerinitiativen weiterhin die Bevölkerung über die Gefahren jeglicher Atomenergienutzung informieren und für Protestaktionen mobilisieren. Die Bürgerinitiative gegen das Zwischenlager am AKW Philippsburg z. B. dokumentiert Krebsfälle im AKW-Umfeld, die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg plant neue Aktionen gegen weitere Castor-Transporte nach Gorleben und an mehreren Standorten werden Prozesse gegen die dezentralen Castor-Zwischen-Lager geführt. Auch gegen die Fertigstellung des Schacht Konrad bei Salzgitter als Atommül-Endlager wird juristisch vorgegangen. Massive Proteste wird es gegen den nach wie vor drohenden Atomüll-Transport von Rossendorf nach Ahaus geben. Auf breite Ablehnung stößt bei den Bürgerinitiativen auch der für Juli geplante Atommüll-Transport vom Kernforschungszentrum Jülich (NRW) in die USA.

    Die Bürgerinitiativen verabredeten für die Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit und einen schnelleren Informationsaustausch mittels neuer Medien. Die Standortinitiativen verabredeten ein Folgetreffen, das im September im Rahmen der bundesweiten Herbstkonferenz der Anti-Atomkraft-Bewegung im Wendland stattfinden soll.

    Am 28-06-2004

    Biblis A

    Das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat am 11.11.04 mitgeteilt, dass sich im AKW Biblis Block A bei der kontrollierten Abgabe des Radionuklids Tritium in das Betriebsabwasser eine Überschreitung des Halbjahresgrenzwertes ergeben habe. Eduard Bernhard, energiepolitischer Sprecher des BBU: "Wir halten diesen Störfall für sehr bedenklich, da jede Abgabe von Radioaktivität aus einem AKW eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung darstellt. Es stellt sich die Frage, ob Block A langsam leck wird. Es ist nicht zu verstehen, dass zwar alte Autos mit leckender Ölwanne aus dem Verkehr gezogen werden, ein leckendes AKW aber nicht sofort abgeschaltet wird."

    BBU und BUND Hessen fordern von Umweltminister Dietzel eine umfängliche Aufklärung dieses Vorfalls. Insbesondere ist zu klären, warum nicht über die Kernreaktorfernüberwachung (Kfü) die überhöhte Radioaktivitätsabgabe erkannt worden ist. Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND Hessen: "Bereits mehrfach gab es im AKW Biblis schwerwiegende Störfälle und Vorkommnisse, die nach unserer Auffassung Verstöße gegen das Atomgesetz, die Strahlenschutzverordnung und die Sicherheitsauflagen darstellen.

    Ich erinnere nur an den erst nach 27 Jahren entdeckten Riss in einer Schweißnaht im Bereich der Verbindung des Not- und Nachkühlsystems zum Reaktorkühlkreislauf im Jahr 2000, an die Verstöße gegen die Vor-schriften des Betriebshandbuches bei Instandhaltungsmaßnahmen in 2002 oder den im letzten Jahr festgestellten ungenehmigte Betrieb des AKW Biblis A im Bereich der Sumpfsiebe. Dies alles sind klare Belege dafür, dass der Betreiber RWE Power AG die nach Atomgesetz zwingend erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt. Nicht die Einberufung der Kraftwerksleitung zu einem Bericht in das HMULV ist angesagt, sondern der Entzug der Betriebsgenehmigung für das AKW Biblis". Die Umweltverbände fordern Bundesumweltminister Trittin auf, per Weisung die Abschaltung von Biblis A anzuordnen, bis die Ergebnisse der Untersuchungen des vom HMULV beauftragten TÜV Nord vorliegen. Eduard Bernhard: " Wir erneuern unsere Forderung an Umweltminister Dietzel , die Unter-suchungsergebnisse der Gutachter bei früheren Stör- und Versagensfällen im AKW Biblis bekannt zu geben. Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse zu erfahren, ob das AKW Biblis über-haupt noch dem neuesten Stand der Technik entspricht."

    Am 12-11-2004

    Philippsburg

    Das Bundesumweltministerium hat erneut Mängel im Sicherheitsmanagement des Atomkraftwerks Philippsburg 2 festgestellt. Der Betrieb der Anlage wurde seit Juni 2004 unverändert fortgesetzt, obwohl seit diesem Zeitpunkt nicht mehr davon ausgegangen werden konnte, dass die Beherrschung eines Störfalls mit plötzlichem Kühlmittelverlust nachgewiesen war. Erst nachdem die Staatsanwaltschaft unter Fristsetzung mit einer Zeugenvernehmung gedroht hatte, traf EnBW als Betreiberin des AKW am 12. Januar 2005 erforderliche Maßnahmen und setzte die Aufsichtsbehörde davon in Kenntnis.

    Dadurch ist zwar nunmehr sichergestellt, dass das Kernkraftwerk in einem Reparaturfall abgeschaltet wird und auch bei einem kurzfristigen Ausfall eines Kühlkreislaufs ausreichend Kühlmittel zur Verfügung steht. Trotz mehrfacher Aufforderung hat EnBW bis heute jedoch nicht nachvollziehbar dargelegt, warum die sicherheitstechnisch erforderliche Maßnahme erst nach mehr als sechs Monaten ergriffen wurde. Bereits 2001 war das AKW Philippsburg 2 wegen Mängeln im Sicherheitsmanagement nach Intervention durch das Bundesumweltministerium vom Netz genommen worden. Der Wiederaufnahme des Betriebs wurde damals nur unter der Verpflichtung zugestimmt, ein wirksames Sicherheitsmanagement in der Anlage aufzubauen. Das Bundesumweltministerium hat deshalb das baden-württembergische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde sowie das baden-württembergische Wirtschaftsministerium als zuständige Genehmigungsbehörde am 16.02.2005 in einem bundes-aufsichtlichen Gespräch aufgefordert, den Betreiber durch Anordnung dazu zu verpflichten, seine Entscheidungsprozesse im Rahmen einer Ursachenanalyse detailliert offen zu legen und durch eine nachträgliche Auflage zu verpflichten, zukünftig bei Zweifeln an der Störfallbeherrschung unverzüglich die Aufsichtsbehörde zu informieren und die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

    Am 17-02-2005

    Wahlkampf-Thema

    Schon seit Wochen wird das in den Medien zuvor nur wenig diskutierte Thema Atomenergie im Wahlkampf aufgebaut. Die Umweltverbände befürchten, dass die Laufzeiten der Atomkraftwerke in absehbarer Zeit verlängert werden könnten. Andere politische Beobachter spekulieren, es gehe jetzt im Wahlkampf vor allem darum, eine klassische Polarisierung zwischen Regierungsparteien und Unions-Opposition zu inszenieren, um angesichts der wenig unterscheidbaren Parteien die Wähler an die etablierten Parteien zu binden. Profitieren würden von der Diskussion vor allem die Grünen, die auch für eine Koalition mit der Union zur Verfügung stünden. Der neue Wirtschafts-Berater von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, trägt nun zu dieser Debatte bei. Im "Handelsblatt" plädierte der langjährige Siemens-Chef für eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke.

    Die ehemalige Siemens-Sparte KWU hat alle in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke gebaut. Gemeinsam mit dem französischen Konzern AREVA gehört Siemens der weltweit führende Atomkraftwerkshersteller Framatome ANP mit Hauptsitz in Paris. Das Unternehmen baut neue Atomkraftwerke in Finnland und in China.

    An deutschen Atomkraftwerken verdient das Unternehmen insbesondere mit Wartungsaufträgen und mit der Lieferung von Brennelementen. Je länger die deutschen Atomkraftwerke laufen, desto länger verdient auch Siemens an diesem Geschäft.

    "Es reicht nicht aus, nur die Laufzeiten der Atomkraftwerke von 32 auf 40 Jahre zu verlängern", sagte Pierer dem Handelsblatt. Er verwies darauf, dass in anderen Ländern wie beispielsweise den USA gegenwärtig Pläne umgesetzt würden, "die Lebensdauer auf 60 Jahre zu verlängern".

    Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wertete Pierers Vorstoß als "Provokation und Kriegserklärung an alle ökologisch denkenden Menschen in unserem Land". Die CDU könne sich darauf verlassen, dass die Grünen "entschiedenen Widerstand gegen solche Pläne mobilisieren werden", so Bütikofer in Berlin.

    Pierer sagte, eine Laufzeit von 60 Jahren sei "machbar". Seinen Worten zufolge sollte bei allen Überlegungen der "Grundsatz immer im Mittelpunkt stehen: Sicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit".

    Atomkraftgegner sehen das anders. Sie behaupten unter Verweis auf verschiedene Verlautbarungen aus der Atomindustrie, dass wegen des Kostendrucks auf den teil-liberalisierten Strommärkten beim Atomkraftwerksbetrieb längst der Grundsatz "Wirtschaftlichkeit geht vor Sicherheit" gelte. So sei der Prüfumfang in den letzten Jahren reduziert worden und es würden sogar teilweise notwendige Reparaturen verzögert werden. Dies allein, um Kosten zu sparen. Angesichts von zunehmenden "Alterungserscheinungen" in den deutschen Atomkraftwerken halten sie eine sofortige Stilllegung der Atomanlagen für erforderlich.

    Am 31-08-2005

    "Vorurteilsfrei die Dinge aufklären"

    Die deutsche Atomindustrie sorgt sich wegen des Umgangs des Energiekonzerns Vattenfall mit den Pannen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel um ihr Image. Der Eindruck, der durch die Informationspolitik in der Öffentlichkeit hervorgerufen worden sei, "ist verheerend", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Dadurch habe die Kernenergie in Deutschland einen starken Rückschlag erlitten. Das Mitglied im Vorstand von E.On-Energie sagte aber auch: "Wegen verfehlter Öffentlichkeitsarbeit legt man keine Anlage still, sie ist auch kein Grund für ein Festhalten am Ausstieg aus der Kernenergie."

    Hohlefelder sagte, er wolle sich nicht darüber beklagen, dass die Zwischenfälle politisch ausgenutzt würden. "Für die Opferrolle in einer Kampagne eignen sich große Stromunternehmen nicht." Allerdings dürfe man von den zuständigen Politikern erwarten, "dass sie nüchtern und vor allem vorurteilsfrei die Dinge aufklären".

    Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will vor dem Hintergrund der Pannenserie nach der Sommerpause mit allen Reaktorenbetreibern in Deutschland Gespräche führen. Dabei gehe es vor allem darum, die Restlaufzeiten auf moderne Anlagen zu übertragen, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Die jetzigen Vorfälle seien nur ein Beweis dafür, dass man von diesen Gefährdungsreaktoren weg müsse.

    Schleswig-Holsteins für Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte auf N24, "wir haben es hier mit einer hoch riskanten Technologie zu tun und wissen aus den Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre, dass es immer wieder zu schweren Zwischenfällen, zu Störfällen kommt". Diese seien auf technische Fehler sowie auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. "Von Sicherheit kann keine Rede sein."

    Am 17-07-2007

    Gefahr

    Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen, Wolfgang Jüttner, fordert die möglichst schnelle Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke. Zur Begründung verwies Jüttner in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" auf die Ergebnisse einer neuen Kinderkrebsstudie, wonach das Krebsrisiko mit der Nähe zu einem Atomkraftwerk steigt. Das sei alarmierend. Der SPD-Fraktionschef im Landtag in Hannover verlangte die Aufkündigung des Atomkonsenses mit den deutschen Energieversorgern. "Der im Jahr 2000 vereinbarte schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie mit langen Restlaufzeiten basierte auf der Voraussetzung, dass vom laufenden Betrieb der Atommeiler keine Gefahr ausgeht. Betrachtet man das jetzt festgestellte Krebsrisiko, war diese Grundannahme offenbar falsch", sagte Jüttner.

    Dagegen hält der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission (SSK), Wolfgang-Ulrich Müller, einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb von Atomkraftwerken und dem Auftreten von Leukämie für kaum belegbar. "Es wäre weltweit das erste Mal, dass Krebsfolgen in einem solch extremen Niedrigdosis-Bereich nachgewiesen würden", sagte der Strahlenbiologe der "Frankfurter Rundschau".

    Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Strahlenschutzkommission beauftragt, die am Wochenende bekannt gewordene Krebsstudie des Bundesamts für Strahlenschutz zu bewerten.

    Müller verwies auf gut untersuchte Gebiete mit erhöhter natürlicher Strahlenbelastung. Dort träten nicht mehr Krebsfälle als anderswo auf, obwohl dort die Strahlendosis für die Bewohner deutlich höher sei als in der Umgebung von Atomkraftwerken.

    Müller wies ferner darauf hin, dass in der aktuellen Studie nur die Nähe zum Kraftwerk berücksichtigt worden sei, nicht aber die jeweilige Strahlendosis. Daher könne man eine direkte Kausalität nicht herstellen.

    Kritische Wissenschaftler sehen das anders. Sie haben in der Umgebung des Atomkraftwerks Krümmel bei an Leukämie erkrankten Kindern veränderte Chromosomen nachgewiesen. Dies sei ein Indikator für Strahlenschäden aufgrund von Alphastrahlung. Zugleich hatten sie den Alphastrahler Plutonium nachgewiesen.

    Am 11-12-2007

    Siemens war an AKW-Bau beteiligt

    Wie erst jetzt bekannt wurde, explodierte am 26. August im neu errichteten chinesischen Atomkraftwerk Tianwan-1 ein Transformator. Der Reaktor musste daraufhin schlagartig abgeschaltet werden. Nach Angaben des österreichischen Nachrichtendienstes new.com dauerte es offenbar 5 Stunden, bis die brennenden Transformatoren des Kraftwerks gelöscht werden konnten. Auch die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete den Vorfall. Eine Person soll verletzt worden sein. Die Transformatoren stammen aus ukrainischer Fertigung. Block 1 des Atomkraftwerks vom neuen russischen Typ WWER-91 ging erst im Jahr 2006 ans Netz. Block 2 folgte im Jahr 2007. Mit einer elektrischen Leistung von zweimal 1060 Megawatt ist Tianwan das größte Atomkraftwerk Chinas. Der Druckwasser-Reaktor wurde unter Beteiligung der deutschen Siemens AG in der chinesischen Sonderwirtschaftszone Lianyungang errichtet.

    Siemens - beziehungsweise deren französische Beteiligungsgesellschaft Areva - lieferte die digitale Sicherheitsleittechnik TELEPERM XS. Nach Angaben der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW führte diese digitale Siemens-Leittechnik am 10. Mai 2000 im deutschen Atomkraftwerk Neckarwestheim-1 zu einer "gefährlichen Blockade eines Steuerstabes im Reaktorkern". Bei der Errichtung des neuen finnischen Atomkraftwerks Olkiluoto-3 habe man offenbar unter anderem wegen dieses Vorfalls darauf verzichtet, die Sicherheitsleittechnik ausschließlich auf "das unausgereifte Siemens-System" zu stützen, so die IPPNW.

    Die Organisation bringt die Transformator-Explosion in China auch in Verbindung mit dem Brand eines Transformators am 28. Juni 2007 im deutschen Atomkraftwerk Krümmel. Ein IPPNW-Sprecher sagte am Freitag (19. September): "Dort ist es in Folge der Trennung des Atomkraftwerks vom Stromnetz nach dem Aufreißen von Ventilen durch die Betriebsmannschaft zu einem dramatischen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktor gekommen."

    Die Atomkritisier sehen auch eine Parallele zum Notstromfall am 8. Februar 2004 im Atomkraftwerk Biblis B. Auch dieser habe gezeigt, "welche Gefahr von der schlagartigen Trennung eines Atomkraftwerks vom Stromnetz ausgeht". Notstromfälle zählten nämlich in allen Risikostudien zu den so genannten Auslösenden Ereignissen, die zur Kernschmelze führen könnten.

    Am 19-09-2008

    Bayerischer Sozialbericht

    Die bayerische Landtagsabgeordnete Christine Kamm (Grüne) vermutet einen Zusammenhang zwischen einem Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen im Jahr 1977 und einer niedrigeren Lebenserwartung im Landkreis Dillingen. Grundlage der Vermutung ist der kürzlich veröffentlichte zweite bayerische Sozialbericht. "Dieser weist eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung für die Menschen im Landkreis Dillingen aus: Um zwei bis 2,5 Jahre geringer als in anderen ländlich geprägten schwäbischen Landkreisen ist die Lebenserwartung der Dillinger", so Kamm. Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang dem Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen vor 32 Jahren. Bei diesem seien radioaktive Emissionen abgegeben worden, die um ein Vielfaches die jährlich zulässigen Emissionen überschritten hätten.

    Kamm hat zur Aufklärung eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung eingereicht, wie sie am Donnerstag (5. März) in Augsburg mitteilte.

    "Normale Erklärungsmuster greifen in Dillingen nicht"

    "Normale Erklärungsmuster für eine niedrigere Lebenserwartung wie Arbeitslosigkeit oder Umweltverschmutzung greifen in Dillingen nicht", so Kamm. Sie erwartet daher von der bayerischen Staatsregierung "konkrete Erklärungsansätze für die geringere Lebenserwartung der Dillinger". Außerdem solle die Öffentlichkeit endlich erfahren, was damals in Gundremmingen passiert sei.

    13. Januar 1977: Totalschaden des RWE-Atomkraftwerks Gundremmingen A

    Es geht um einen Unfall im Atomkraftwerksblock Gundremmingen A am 13. Januar 1977. Dort kam es um 18:44 Uhr in der nach Meitingen führenden 220-Kilovolt-Leitung durch Raureifbildung und kältebedingten Isolatorenbruch zum Kurzschluss. Um 21.17 Uhr ist es dann auch noch in der zweiten Stromtrasse aus den gleichen Gründen zum Kurzschluss gekommen. Damit hat keine Stromleitung mehr zum Abtransport des mit 237 Megawatt elektrischer Nettoleistung im Gundremminger Block A erzeugten Stroms zur Verfügung gestanden. In der weiteren Folge ist es zum "Totalschaden" und später zur endgültigen Stilllegung des von RWE betriebenen Atomkraftwerks gekommen (ngo-online berichtete).

    Am 06-03-2009

    147.000 Menschen gegen Atomenergie

    Rund 147.000 Menschen sind am vergangenen Samstag (24. April) in Deutschland gegen die Atomenergie auf die Straße gegangen. "Das sind die größten Proteste, die es in der langen Geschichte der Anti-AKW-Bewegung in der Bundesrepublik je gegeben hat", hieß es seitens des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), einer der Trägerorganisationen der Proteste. Der Unmut über den Wortbruch der Atomkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall und großer Teile der Politiker, den einvernehmlich vereinbarten so genannten "Atomausstieg" aufzukündigen, brachte im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) bundesweit Atomkraftgegner auf die Straße. Bei der Wahl könnten Union und FDP die Bundesratsmehrheit verlieren, die sie für die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke benötigen.

    120.000 Menschen beteiligten sich am Samstag an der fast schon legendären "Langstreckendemonstration" in Schleswig-Holstein und Hamburg. Gleichzeitig haben 20.000 Atomkraftgegner das hessische Atomkraftwerk Biblis "umzingelt". Weitere 7.000 Menschen demonstrierten am Atommüll-Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus.

    "Die Bundesregierung muss aus dem gestrigen Tag Konsequenzen ziehen. Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ist politisch nicht durchsetzbar", so Jochen Stay, einer der Organisatoren der Proteste. "Sollte die schwarz-gelbe Koalition an ihrem Atomkurs festhalten, werden die Proteste sich weiter steigern. Da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht."

    "Zwischen Störfall und Unfall liegt oft nur der Zufall"

    Unter dem Titel "Zwischen Störfall und Unfall liegt oft nur der Zufall" startete die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW unterdessen große Zeitungsanzeigen gegen die geplanten Laufzeitverlängerungen der deutschen Atomkraftwerke. Konstruktionsfehler, Planungs- und Bedienungsfehler, Fahrlässigkeit, Materialverschleiß und viele weitere Gefährdungen technischer Prozesse seien beherrschbar, "wenn sie nicht zufällig gleichzeitig auftreten und urplötzlich zusammenwirken". Eine solche "Verkettung unglücklicher Umstände" habe vor 24 Jahren zum Super-GAU in Tschernobyl geführt. "Auch das war zuerst nur einer der 'Störfälle', wie sie auch in deutschen Atomkraftwerken längst die Regel sind", heißt es im Anzeigentext.

    Trotz der permanenten Gefahr für Leben und Gesundheit der Menschen durch laufende Atomkraftwerke und "absaufende Endlager" mit unvorstellbar lang strahlenden Abfällen, trotz "der atemberaubenden Aufholjagd der erneuerbaren Energien, die mit einem Marktanteil von etwa 18 Prozent dem Atomstrom schon bald den Rang ablaufen werden und in absehbarer Zeit 100 Prozent des Strombedarfs decken können" blockieren laut IPPNW die schwarz-gelbe Bundesregierung und die unionsgeführten Bundesländer den weiteren Ausbau der dezentralen "Energieversorgung in Bürgerhand". Im Interesse der Atomkonzerne wollten diese auch noch die Laufzeiten der abgeschriebenen Atommeiler verlängern.

    Die Atomkritiker fragen, wie es möglich sei, "dass wenige Großkonzerne die Regierung unseres Landes vor sich hertreiben können, nur um weiterhin maßlose Profite zu realisieren? Wie ist es möglich, dass dafür ständig steigende Strompreise bezahlt werden müssen?"

    In der Anzeige wird die Bevölkerung aufgefordert, "Atomparteien" abzuwählen und erneuerbare Energien durchzusetzen. Nächste Gelegenheit dazu sei die Landtagswahl in NRW am 9. Mai.

    Am 27-04-2010

    Gorleben muss als Ausrede für Weiterbetrieb der AKW herhalten

    „Niemand, dem es ernsthaft um die sichere Lagerung von Atommüll geht, würde weiterhin an Gorleben als Endlager-Standort festhalten. Gorleben ist als Endlager für hochradioaktiven Abfall nicht geeignet, das ist weithin bekannt: Der Salzstock hat Kontakt zum Grundwasser und verfügt nicht über ein ausreichendes Deckgebirge. Welche katastrophalen Folgen diese Mängel haben können, zeigt sich momentan in der Asse, die ursprünglich als Pilotprojekt für Gorleben dienen sollte. Dass die Regierung trotzdem weiter an Gorleben festhält, grenzt an Wahnsinn.

    Festhalten an Gorleben grenzt an Wahnsinn

    „Gorleben muss als Ausrede für Weiterbetrieb der AKW herhalten“ Atomkraftgegner: Zum heute beginnenden weiteren Ausbau des maroden Salzstocks in Gorleben zu einem Atommüll-Endlager erklärt Luise Neumann-Cosel, Pressesprecherin der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer:

    Der Grund der für den Weiterbau ist ein ganz einfacher: Damit die Regierung einen Entsorgungsnachweis für den durch die geplante Laufzeitverlängerung entstehenden Atommüll vorgaukeln kann, muss nun Gorleben dran glauben. Gorleben muss als Ausrede für den Weiterbetrieb aller 17 deutschen Atomkraftwerke herhalten und soll zum Atomklo der Nation werden. Dass gleichzeitig auch die Sicherheitsstandards für Endlager herabgesetzt werden, ist ein Schlag in die gleiche Kerbe. Ohne Rücksicht auf Verluste soll Gorleben als Endlager durchgedrückt werden, damit die Atomreaktoren am Netz bleiben können. Die Bundesregierung setzt damit wissentlich Leben und Gesundheit der Menschen um Gorleben aufs Spiel. Die Sicherheit der Bevölkerung steht bei der schwarz-gelben Endlagerpolitik offensichtlich an letzter, die Profitinteressen der Stromkonzerne an erster Stelle.

    Sowohl die Wiederaufnahme des Endlager-Baus in Gorleben, als auch die Pläne der Regierung für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke werden auf unseren entschlossenen Widerstand stoßen. Mit gewaltfreien Aktionen Zivilen Ungehorsams werden sich im November Tausende dem Castor-Transport und den Atomplänen der Regierung widersetzen.“

    Rückfragen an: Luise Neumann-Cosel, 0171-215 54 82

    X-tausendmal quer ist eine bundesweite Anti-Atom-Initiative, die eine große gewaltfreie Sitzblockade gegen den Castor-Transport nach Gorleben organisiert.

    Am 01-10-2010

    RWE kündigt Investition in rümänisches Atomkraftwerk

    Am Tag, als die deutsche Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald den Beginn einer Kampagne gegen die Beteiligung des Energieversorgers RWE am Atomkraftwerk Cernavoda ankündigte, gab der Konzern seinen Rückzug aus dem umstrittenen Projekt bekannt.

    RWE kündigt Investition in rümänisches Atomkraftwerk

    “Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung," sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. Schließlich sei Cernavoda eins der weltweit gefährlichsten Atomprojekte. “Der Standort des rumänischen AKWs befindet sich in einer der heftigsten Erdbebenzonen Europas und der geplante Reaktortyp ist weder in USA, Japan oder Westeuropa zugelassen. Hinzu kommen schlechte Rahmenbedingungen und eine marode Bausubstanz," sagt Schücking.

    In den achtziger Jahren hatte der rumänische Diktator Ceaucescu den Bau von vier Atomreaktoren am Standort Cernavoda eingeleitet. Nach seinem Sturz konnten nur zwei Reaktoren fertig gestellt werden. Im November 2008 haben jedoch RWE und fünf weitere Investoren gemeinsam mit dem staatlichen rumänischen Energieversorger eine Projektgesellschaft für die Realisierung von Cernavoda 3 und 4 gegründet. Bei den anderen Investoren handelte es sich um vier ausländische Energieversorger (ENEL, Iberdrola, CEZ, GDF Suez) und die Stahlfirma Arcelor Mittal. Mit RWE zogen sich auch zeitgleich Iberdrola und GDF Suez aus dem Projekt zurück. Die offizielle Begründung lautet, dass es zuviel “wirtschaftliche und Marktunsicherheiten gäbe." Der tschechische Energieversorger CEZ hatte seine Beteiligung an Cernavoda bereits im September 2010 aufgekündigt.

    “Man fragt sich warum RWE so lange für diesen Schritt gebraucht hat," sagt Schücking. “Schon bei der RWE-Aktionärsversammlung im April 2010 hatten wir nicht nur auf die vielen Probleme des Projekts aufmerksam gemacht, sondern auch Auszüge aus einem offiziellen Inspektionsbericht der Anlage verlesen. In diesem weisen Inspekteure auf unhaltbare Baumängel hin, die zu einem schweren Atomunfall in Cernavoda führen können. RWE scheint aber immer wieder aus rein ideologischen Gründen und ohne ausreichende Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen auf fragwürdige Atomprojekte zu setzen," stellt Schücking fest. Schließlich sei Cernavoda nun nach Belene das zweite AKW-Projekt in Osteuropa, das RWE nach jahrelangem Hin und Her von seiner Investitionsliste wieder streichen müsse.

    Laut urgewald ist mit dem Rückzug von nunmehr vier Investoren die Wahrscheinlichkeit groß, dass Cernavoda 3 und 4 nicht mehr realisiert werden. “Und das ist gut so für die nukleare Sicherheit in Mitteleuropa," resümiert Schücking.

    Am 21-01-2011

    Sofort AKW: Cattenom Abschalten!

    Zwei Arbeiter wurden in dieser Woche im Atomkraftwerk Cattenom verstrahlt. Dazu erklärt die Landesvorsitzende und Listenkandidatin der LINKEN Rheinland-Pfalz, Elke Theisinger-Hinkel :

    Die lebensbedrohlichen Unfälle im lothringischen Skandal-Kernkraftwerk reißen nicht ab. Nachdem bereits am 1. Februar ein Arbeiter durch eine Überdosis Kobalt 60 verseucht wurde, atmeten in dieser Woche schon wieder zwei Arbeiter verstrahlten Staub ein. Alleine im vergangenen Jahr gab es sieben Störfalle in Cattenom und drei Schnellabschaltungen.

    Als mögliche Unglücksursache wurden Risse am Betonsockel des Kernkraftwerks festgestellt. DIE LINKE fordert die sofortige Stilllegung und Schließung von Cattenom. Dass der Betreiber, der französische Energie-Konzern EdF, keine Stellungnahme zu den Unfällen abgibt, macht die Skrupellosigkeit der Kernkraft-Anbieter deutlich. Hier werden im Wissen um die Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt eiskalt Profite gemacht. Cattenom und alle anderen Kernkraftwerke müssen sofort geschlossen werden – in Frankreich, in Deutschland und weltweit.

    Ein weiteres Hinauszögern der Abschaltung, wie es Bundesregierung und Politiker anderer Parteien betreiben, darf es nicht geben. Im Fall Cattenom ist Deutschland bei einem weiteren großen Zwischenfall unmittelbar gefährdet. Hinzu kommt, dass die Atomtransporte ins Zwischenlager quer durch die Bundesrepublik führen, also während der Reise und dann schließlich im Lager ein weiteres todbringendes Gefährdungspotenzial darstellen.

    Am 11-02-2011

    KettenReaktion Bayern München

    München hat sich als letzte Stadt in die bundesweiten Anti-AKWGroßdemonstrationen am Samstag, den 26. März eingereiht. Nach der Entscheidung für den Odeonsplatz blieben lediglich acht Tage für die gesamte Organisation. „Umso erfreulicher sind die vielen positiven Signale aus Süddeutschland. Ganz Baden- Württemberg und Bayern mobilisieren nach München“, sagte Hagen Pfaff von Attac.

    Breite Mobilisierung für Veranstalter erwarten mehrere zehntausend Teilnehmer

    „Es sind erst wenige Stunden vergangen, aber wir gehen inzwischen von mehreren zehntausend Teilnehmern aus“, erklärte Florian Sperk (Koordinator von KettenReaktion Bayern) und fügte hinzu: „Wir erhalten im Moment vor allem Mails aus der Fläche Bayerns. Unsere Entscheidung, die Demo zu veranstalten, wird sehr begrüßt. Da ist Erleichterung und Entschlossenheit zu spüren. Jetzt ist klar, wo man am kommenden Samstag in Bayern sein muss.“

    Die Münchner Großdemonstration beginnt auf dem Odeonsplatz am 26.3. um Punkt 14:00 Uhr. Eine Pressekonferenz mit allen Details zur Demonstration ist für Donnerstag, den 24.3. um 10:00 Uhr angesetzt. Ort und Teilnehmer werden noch bekannt gegeben.

    Weitere Informationen unter: www.anti-atom-demo.de www.anti-atom-bayern.de

    Bundesweiter Trägerkreis: Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, Attac, .ausgestrahlt, NaturFreunde Deutschlands, contrAtom, Campact, BUND, ROBIN WOOD, Netzwerk Friedenskooperative

    Bayernweiter Trägerkreis: Bund Naturschutz in Bayern, Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz, SPD Bayern, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bayern, Freie Wähler Bayern, ödp Bayern, DIE LINKE Bayern, IG Metall Bayern, Bündnis für Atomausstieg, Umweltinstitut München, Mütter gegen Atomkraft

    Am 20-03-2011

    <<Wunderliche Welten>>

    Die Welt ist nicht so kompliziert wie wir uns gerne weismachen wollen, denn die einfachsten Lösungen sind immer die richtigen. Wenn ich bei einer Mathematikaufgabe ein vollkommen verschwurbeltes Ergebnis zustande bringe, ist dieses Ergebnis mit Sicherheit falsch- übrigens eine leidvolle Erfahrung aus zahllosen verhauenen Mathearbeiten. Wenn ich unbedingt ein AKW bauen möchte, reicht ein kurzer Blick auf die Plattentektonik der Erdkruste und ich erkenne, wohin ich es lieber nicht stellen sollte. Außerdem sollte man der Natur nicht vorschreiben, bis zu welcher Stärke sie Erdbeben produzieren darf. Tsunamis-ein japanisches Wort (!)- halten sich höchst selten an die von uns festgesetzte Höhe. Da es, mangels Nachfrage, keine leinenbespannten Großflugzeuge gibt, sollte ich nach Möglichkeit auch den offiziellen und den inoffiziellen Flugverkehr mit einkalkulieren.

    Was Physik betrifft, bin ich ein absoluter Volltrottel. In Bezug auf die Kernschmelze bin ich ein überinformierter Laie, da mir die Medien dieses Phänomen bis zum Erbrechen erklärt haben. Nachdem sie über Tage, rund um die Uhr, dieses Ereignis befürchtet haben, bin ich doch reichlich erstaunt, dass es sie, nach dessen Eintritt, nicht mehr zu interessieren scheint.

    Wo war ich überhaupt stehen geblieben?

    Ach ja, bei Volltrotteln im Fach Physik! Wenn man sich in nicht zu kontrollierende physikalische Bereiche begibt, ist das in etwa so, als würde man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug springen, in der Hoffnung, es würden unterwegs noch Flügel wachsen.

    Die Steigerung von GAU zu Super-GAU lässt nach oben hin noch ungeahnte Wortschöpfungen zu. Hier einige Vorschläge: Top-Super-Gau, Extremer-Top-Super-Gau, Hyperextremer-Top-Super-Gau, Exorbitant-Hyperextremer-Top-Super Gau. Wahlweise kann man dann auch eine römisch bezifferte Skala hinzufügen. Eine Gradeinteilung wäre natürlich auch möglich.

    Warten wir es einfach ab!

    Elke Beiderwellen

    Am 23-05-2011

    Die Zeit tickt gegen uns - planet-one

    Den Ausstieg aus der Atomkraft immer auf dem Bildschirm - das ist die Botschaft des ultimativen Countdown-Tickers für die deutschen Kernkraftwerke. Sekundengenau zeigt der interaktive Bildschirmschoner die Restlaufzeiten der AKW an. Jedes lässt sich schon mal individuell abschalten.

    Düsseldorf, im Dezember. Viele Atomkraftgegner träumen vom sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft. Die AtomUhr macht das jetzt möglich: Ein Klick und das nächstgelegene Kraftwerk ist vom Netz. Der interaktive Bildschirmschoner von www.planet-one.de offenbart einen hoffnungsfrohen Blick in die Zukunft. Den Atom-Austieg für jedermann hat ein Düsseldorfer Bio- & Naturwaren-Unternehmen entwickelt.

    „Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.“ Albert Einstein

    Und zwar im Kreativ-Zentrum „planet-one“ von Bernhard Bauer: „Die AtomUhr kann den am Computer arbeitenden Menschen immer wieder daran erinnern, welche Bedrohung die Atomkraft für die Menschheit darstellt. Diese Technologie ist einfach nicht beherrschbar und muss deshalb abgeschaltet werden. Hier kann Deutschland Vorbild werden.“

    Der „Uhrmacher“ engagiert sich schon seit 36 Jahren gegen die Errichtung von Atomkraftwerken in Deutschland. Mit der AtomUhr will er deutlich machen, wie gefährlich die Kernkrafttechnologie ist: „Zahlreiche Unfälle in Atomkraftwerken beweisen doch, was für ein Bedrohungspotential hier steht. Für mich begann mit dem 23. Februar 1975 in Wyhl der Kampf gegen die AKW-Hybris.

    Elf Jahre, zwei Monate und sieben Tage später trat in Tschernobyl der Supergau ein - eine sehr bedrückende Erfahrung, mit den Befürchtungen richtig gelegen zu haben. Und Fukushima im März 2011 hat dann wieder die furchtbaren Konsequenzen der Atomkrafttechnologie gezeigt.“

    Und so laden Sie sich die AtomUhr mit dem Countdown Timer auf den Rechner: Auf der Webseite www.planet-one.de auf die Grafik klicken, AtomUhr entpacken, mit linker Maustaste als Bildschirmschoner installieren - und Atomkraft abschalten. Seinen persönlichen Beitrag zum vorzeitigen Abschalten kann jeder durch Energieeinsparung und den Umstieg auf regenerative Energieversorger leisten.

    Für weitere Informationen oder Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an: Bernhard Bauer: Tel.:

    Am 23-12-2011

    Infobrief 17/13

    Seit Monaten laufen die Verhandlungen zwischen dem französischen Energieversorger EDF und der Britischen Regierung über den Einspeisepreis für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C. EDF fordert von der britischen Regierung einen festen Abnahmepreis für den Strom aus dem AKW von 9,5 bis 9,9 Pence pro Kilowattstunde, was etwa 11 Eurocent entsprechen würde und das alles über einen Zeitraum von 35 Jahren. Zwar haben sich die Briten und die Franzosen noch nicht auf die Höhe des sogenannten Strike Price geeinigt, aber nun gab es eine Vereinbarung, einen beschlossenen Strike Price an die Inflation zu koppeln.

    Eine Koppelung an die Inflation führt aber zu massiven Mehrkosten. Bei einem Strike Price von 11 Cent pro Kilowattstunde würden die beiden Blöcke etwa 100 Milliarden Euro über die 35 Jahre bekommen. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 Prozent pro Jahr wären das aber schon 167 Milliarden Euro.

    Während Bundesumweltminister Altmaier immer wieder die eine Billionen Euro Kosten für die Energiewende ins Spiel, eine Zahl, die erstens zu hoch angesetzt ist und zweitens die positiven volkswirtschaftlichen Effekte, wie die vermiedenen Externen Kosten und vermiedenen Importkosten für die Energierohstoffe außer acht lässt, ließen sich mit einer Billionen Euro nur 12 Reaktoren finanzieren. Zwölf Blöcke würden in Deutschland aber gerade einmal 25 Prozent der Stromversorgung decken, im Gegensatz zu den mindestens 80 Prozent Erneuerbare Energien, von denen Altmaier ausgeht. Dabei wären dann nicht einmal die Kosten für die Endlagerung des Atommülls und den Rückbau der Atomkraftwerke enthalten.

    Hier zeigt sich wieder einmal, wie wahnwitzig teuer neue Atomkraftwerke sind und dass auch die Briten ihr Geld viel effizienter in Erneuerbare Energien investieren könnten. Vor allem zeigt sich aber auch, dass die Kostendebatte, wie sie von der Bundesregierung und einigen Wirtschaftsverbänden zu tiefst verlogen ist.

    Biosphärenreservat Rhön wird ausgeweitet

    Das Biosphärenreservats Rhön, eines der bedeutendsten Bundesländer übergreifenden Naturschutzprojekte, gelegen auch in meinem Wahlkreis, wird um 3500 Hektar erweitert. Das ist der größte Zugewinn an Naturschutzfläche in Deutschland seit vielen Jahren. Auch die Kernzone konnte deutlich erweitert werden. Die Rhön steht kurz vor einer Neubewertung durch die UNESCO, die Erweiterung der Gesamtfläche und der Kernzone sind dafür von großer Bedeutung.

    Auch der Klimaschutz gewinnt durch die Ausweitung, da nun noch mehr Kohlendioxid in den vergrößerten Naturschutzgebieten gebunden werden kann. Gleichzeitig sollte die bayerische Staatsregierung sich aber auch für eine nachhaltige Wirtschaft in der Region einsetzen und die Blockade bei der Windenergie aufgeben, damit auch nachhaltige Klimaschutztechnologien wie die Windkraft zur Einkommenssteigerung der Bevölkerung beitragen können. Die Rhön hat zwar eines der größten Windpotentiale von allen deutschen Mittelgebirgen, weil auf ihren Höhen Windgeschwindigkeiten wie an der norddeutschen Küste herrschen. Doch durch die Genehmigungsblockaden der bayerischen Staatsregierung gibt es bis heute kein einziges großes Windrad in der Rhön – und das obwohl einige Gemeinden in der Rhön längst sich einstimmig für konkrete Flächen für die Windkraftnutzung ausgesprochen haben.

    In einem Festakt hat die bayerische Staatsregierung diese Erweiterung nun gefeiert. Allerdings feierte die CSU sich mehr selbst, als das Projekt. Anstatt die für den Naturschutz und das Biosphärenreservat aktiven Menschen aus der Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel die Vertreter des Bund Naturschutz, auszuzeichnen, wurden wieder einmal ausschließlich CSU-Mandatsträger geehrt.

    Am 21-06-2013