Tierschutzbund kritisiert steigende Zahl von Tierversuchen

Tierschutzbericht 2003

Die Bundesregierung will die Tierschutz-Bestimmungen in Deutschland weiter verschärfen. Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) kündigte am Mittwoch in Berlin neue Regelungen insbesondere für die Haltung von Schweinen und Pelztieren an. Der Deutsche Tierschutzbund appellierte an die Bundesregierung, das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz nicht aus den Augen zu verlieren. Verbands-Vizepräsidentin Brigitte Rusche forderte, die "abstrakte Forderung" mit Leben auszufüllen.

Künast sagte bei der Vorstellung des Tierschutzberichtes 2003, nach den geplanten Verordnungen zur Schweine- und Pelztierhaltung sollten die Tiere unter anderem mehr Fläche bekommen. Auch der Transport von Schlachttieren solle verbessert und die Zahl der Tierversuche auf ein unerlässliches Maß zurückgeführt werden. Künast betonte, in den vergangenen zwei Jahren habe die Bundesregierung ihre Anstrengungen für den Tierschutz intensiviert und damit "große Erfolge errungen". So sei unter anderem der Tierschutz im Sommer vergangenen Jahres als Staatsziel im Grundgesetz verankert worden.

Besorgt zeigte sich die Ministerin über die gestiegene Anzahl von Tieren, die bei Tierversuchen eingesetzt werden. 2001 habe die Zahl um 300 000 auf 2,1 Millionen Tiere zugenommen, geht aus dem Tierschutzbericht der Bundesregierung hervor. Zahlen für 2002 sollen im August vorliegen. Um die Zahl zu senken, soll unter anderem eine Datenbank aufgebaut werden. Tierversuche bei der Entwicklung von Kosmetika sind in Deutschland bereits verboten.

Auch Rusche kritisierte, dass die Zahl der Tierversuche in Deutschland noch immer steige. "Wir fordern den Ausstieg", sagte die Vizepräsidentin des Tierschutzbundes. In Deutschland würden zu sehr die Belange der Forschung beachtet und zu selten die der Tiere. Trotz einiger positiver Schritte wie etwa dem Ausstieg aus der Käfighaltung für Legehennen gebe es noch viele drängende Probleme beim Tierschutz, mahnte Rusche. So gebe es etwa für die Haltung von Kaninchen und Masttieren noch keine klaren gesetzlichen Bestimmungen.

Gleichwohl lobte Tierschutzbund-Vizepräsidentin die Zusammenarbeit mit der rot-grünen Bundesregierung. "In den vergangenen Jahren ist der Tierschutz in Deutschland ein großes Stück vorangekommen", betonte sie. Auch in der Gesellschaft habe sie ein steigendes Interesse am Tierschutz festgestellt.