Walfang könnte ausgeweitet werden

Tagung der IWC

Anlässlich der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) veröffentlichten Tierschützer neues Filmmaterial. Es zeigt, dass Wale offenbar nicht schnell und schmerzlos auf See zu töten sind. Selbst unter besten Wetterbedingungen dauert der Todeskampf der Tiere nach Auffassung der Tierschützer "viel zu lang". Das Filmmaterial wurde vor einem Monat vor der norwegischen Küste von Hamningberg von Ermittlern der WSPA (Welttierschutzgesellschaft) und der EIA (Environmental Investigation Agency) aufgenommen. Es zeigt wie eine Sprengharpune auf einen Zwergwal abgefeuert wird. Trotz bester Wetterbedingungen dauert es zweieinhalb Minuten bis der Wal tot ist. Die Tagung soll darüber beschließen, ob künftig auch Großwale wieder gejagt werden dürfen.

Vor Beginn der 58. Konferenz der Internationalen Walfang-Kommission IWC am morgigen Freitag warnt der WWF (World Wide Fund for Nature) davor, dass die Pro-Walfang-Nationen erstmals die Mehrheit erlangen könnten. "Es steht Spitz auf Knopf", sagte WWF-Walexperte Volker Homes. In den vergangenen Tagen seien weitere Staaten der IWC beigetreten, die wahrscheinlich zugunsten der Waljagd-Nationen stimmen würden. Wenn das passiere, stünde mehr als die Hälfte der siebzig Mitgliedsländer auf Seiten der Walfänger. Die Konferenz findet vom 16. bis 20. Juni auf der Karibikinsel St. Kitts und Nevis statt.

Seit 1986 ist die kommerzielle Jagd auf Großwale verboten. Japan und Island jagten dennoch weiter, offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken. Norwegen hat Einspruch gegen das Verbot erhoben und schießt ebenfalls Wale. Alle drei Staaten jagten nach Darstellung der Tierschützer außerhalb internationaler Kontrolle und setzten ihre Fangquoten nach Gutdünken selbst fest. Auch stark bedrohte Arten wie der Seiwal würden getötet. Japan gehe sogar im antarktischen Walschutzgebiet auf Walfang.

"Ein zweieinhalb Minuten dauernder Todeskampf ist für eine Kuh viel zu lang. Warum gilt das nicht auch für einen Wal, das größte lebende Säugetier?" fragt Martin Riebe von der Welttierschutzgesellschaft WSPA. "Solch ein langsames Sterben ist unendliche grausam und unakzeptabel. Aller kommerzieller und wissenschaftlicher Walfang muss deshalb gestoppt werden." EIA-Sprecherin Jennifer Lonsdale ergänzt: "Die Film-Dokumentation unterstreicht, wie brutal der moderne Walfang ist. Ein ungenauer Schuss von einem schwankenden Schiff aus abgegeben, verursacht unermessliche Leiden."

Meistens werden Wale heute mit der so genannten Penthrit-Sprengharpune bejagt. Sie dringt tief in den Wal ein und explodiert im Körperinneren. Dabei reißt sie eine mindestens 20 cm große Wunde in die Walhaut. Widerhaken bohren sich ins Fleisch des Tieres und vergrößern die Wunde auf das Dreifache. Oft tötet die Sprengharpune den Wal aber nicht sofort. Der Todeskampf kann bis zu einer Stunde dauern.

WSPA und EIA sind Mitglieder von Whalewatch, einer Koalition aus 140 Tier- und Naturschutzorganisationen, die sich für ein Ende des ihres Erachtens "unnötigen und grausamen Walfangs" einsetzen. "Die Walfangnationen bereiten seit einigen Jahren die Übernahme der IWC systematisch vor", so WWF-Experte Homes. "Vor allem Japan nutzt die Vergabe von Hilfsgeldern an Entwicklungsländer, um ärmere Staaten zum Eintritt in die IWC zu bewegen, wo diese dann für japanische Interessen votieren." Dies hätten japanische Regierungsvertreter eingeräumt.

Nach Ansicht des WWF brauchen Wale, Delfine und Tümmler internationalen Schutz so dringend wie nie. "Alle anderthalb Minuten stirbt ein Wal", so Homes. Allein in Fischernetzen ertrinken nach WWF-Schätzungen jedes Jahr etwa 300.000 Wale. Auch bei Kollisionen mit Schiffen werden die bedrohten Meeressäuger getötet. Hinzu kämen Umweltgifte, die unter anderem das Immunsystem und die Fruchtbarkeit der Tiere schädigten, sowie die Gefahren, die mit dem Klimawandel verbunden sind. "Gerade über letzteres wissen wir noch viel zu wenig", so Homes. "Die IWC-Staaten müssen ihre Kräfte bündeln, um globale Probleme wie dieses anzugehen."