Die wahren Kosten der Gen-Patente

Keine Patente auf Pflanzen, Saatgut, Tiere und Menschen

Derzeit berät der Deutsche Bundestag über die Umsetzung der Gen-Patentrichtlinie der EU in Deutsches Recht. Die Umsetzung soll warscheinlich noch vor der Sommerpause geschehen. Aus diesem Anlass hat Greenpeace, zusammen mit der Bundesärztekammer und dem Hilfswerk Misereor, am Mittwoch in Berlin das Ergebnis der Dokumentation "Die wahren Kosten der Gen-Patente" vorgestellt. Nach Recherchen von Greenpeace wurden 2003 vom Europäischen Patentamt in München über 100 Patente auf Gene von Mensch oder Tier vergeben, darunter auch auf einige der bekanntesten Erbkrankheiten. "Einen Nutzen von den Gen-Patenten haben die Patentinhaber. Ärzte, Patienten, Landwirte und Züchter geraten in ein Netzwerk von neuen Abhängigkeiten", warnt Dr. Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace.

Die Patentinhaber vervielfachen die Kosten zur Untersuchung von Blutproben, verbieten den Einsatz besserer Testverfahren und zwingen Labors, ihre Forschung einzustellen. In der Pflanzenzucht wird mittlerweile alles vom Saatkorn bis zur Ernte patentiert.

Unter den Patenten auf Saatgut leiden vor allem die Bauern in den Entwicklungsländern. Durch das Patentrecht werden die Ernährungssicherheit gefährdet und die Rechte der Bauern beschnitten. Da im Kern nur sechs große Konzerne den Weltmarkt für Saatgut kontrollieren, wird es für die Bauern nahezu unmöglich, noch kostengünstiges Saatgut zu erwerben. Es sind die gleichen Unternehmen, die auch Pflanzenschutzmittel und Dünger anbieten und diejenigen die den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut vorantreiben wollen. Sie bieten meistens nur teure Hochleistungssorten an. Das Risiko beim Einsatz dieser Sorten trägt alleine der Bauer.

Misereor, das Werk der deutschen Katholiken für Entwicklingszusammenarbeit, wirft dem Patentsystem außerdem vor, die Vorleistungen der Bauern zu ignorieren. Dieses Verhalten wird als Biopiraterie bezeichnet: Genetische oder biologische Ressourcen werden ohne Zustimmung der lokalen Gemeinschaften und des Herkunftslandes patentiert und genutzt. Große Pharmakonzerne sammeln zum Beispiel in artenreichen Entwicklungsländern Heilpflanzen um sich deren Wirkstoffe patentieren zu lassen. Die dort lebenden Menschen, denen die Forscher ihre Erkenntnisse verdanken, gehen leer aus.

Die umstrittene EU-Richtlinie erlaubt ausdrücklich Patente auf Gene, Pflanzen und Tiere, sowie auf Teile des menschlichen Körpers. Das was die Bundesregierung, genauer Justizministerin Zypries, mit dem aktuellen Gesetzentwurf zum Patentrecht präsentiert, ist eine genaue Umsetzung der Vorgaben aus Brüssel mit einigen wenigen Verbesserungen. Greenpeace fordert daher: "Keine Patente auf Pflanzen, Saatgut, Tiere, Menschen und Gene." Der Bundestag dürfe die Gen-Patentrichtlinie der EU in der jetztigen Form nicht umsetzen, sondern müsse sich für eine Neuverhandlung in Brüssel einsetzen.