Gentechnikgegner beendeten in Gatersleben Genweizenanbau

"Rettung der Saatgutbank"

Nach Angaben der Initiative "Gendreck weg" beendeten am 21. April Gentechnikgegner weitgehend den Anbau von Genweizen in Gatersleben. "Mit Hacken konnten sie die Weizenpflanzen auf dem Versuchsfeld zu Fall bringen, bevor die Polizei das Feld erreichte", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Die an der Aktion beteiligte Gemüsegärtnerin Susanne Mähne kritisierte, Landwirtschaftsminister Horst Seehofer sei dafür verantwortlich, dass gentechnisch veränderter Weizen unter freiem Himmel in direkter Nachbarschaft der Genbank Gatersleben "wuchs". Mit der Blüte hätte der Gentechweizen einen wahren Schatz an landwirtschaftlicher Vielfalt vernichten können. In der öffentlichen Genbank würden alte und neuere, seltene und häufige Pflanzensorten aufbewahrt. Die Kulturpflanzensorten sind nach Auffassung der Gentechnikgegner durch den Genanbau bedroht. Die Gentechnikgegner hinterließen ein übergroßes Weizenbrot auf dem Boden des Feldes mit der Aufschrift "Unser tägliches Brot - ohne Gentechnik!"

In der Genbank Gatersleben erhalten Züchter und Bauern ebenso wie Forschungseinrichtungen, Entwicklungshilfe-Projekte und Privatpersonen Saatgutproben. Um die Pflanzensorten dauerhaft zu erhalten, betreibt die Genbank eine "Erhaltungszucht". Die eingelagerten Sorten müssen dabei regelmäßig zum Keimen, Wachsen und Blühen gebracht werden, um neues keimfähiges Saatgut zu erhalten. In unmittelbarer Nähe dieser Erhaltungs-Felder wuchs der Genweizen.Für Lea Tanja Hinze war die Zukunft ihres kleinen Sohnes das Motiv für die Teilnahme an der Aktion: "Auch die Generation unserer Kinder muss die Möglichkeit haben, auf das vielfältige Erbe der bäuerlichen Landwirtschaft zurück zu greifen", fordert sie. "Ich fühle mich verpflichtet, den verantwortungslosen Genweizenversuch zu stoppen."

"Wenn wir für diese Feldbefreiung angeklagt werden, sitzen nicht die richtigen Menschen auf der Anklagebank", meint die Landwirtschafts-Studentin Mirjam Anschütz. Die Gentechnikgegner wollen in den nächsten Monaten an vielen Orten über ihre Aktion und die Hintergründe berichten. Sie verweisen darauf, dass über 80 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik gegen Gentechnik in der Landwirtschaft sind. Schon 2006 hätten 30.000 Menschen auf einen Aufruf des Münchener Umweltinstitutes hin gegen den Weizenversuch protestiert. "Unsere Aktion ist ein deutliches Zeichen, für das wir viele Unterstützerinnen und Unterstützer haben", so Anschütz.