Umweltinstitut kritisiert geheimen Anbau von Genmais

"Verstoß gegen EU-Recht"

Das Umweltinstitut München hat den Anbau von Genmais scharf kritisiert. So stelle die Geheimhaltung der Anbauflächen einen Verstoß gegen geltendes EU-Recht dar. Die neue EU-Freisetzungsrichtlinie verpflichte die Behörden, die Öffentlichkeit vor dem Anbau zu informieren. Durch die Weigerung, die Anbauflächen öffentlich zu machen, hätten betroffene Landwirte und Imker keine Chance, ihre Felder vor Verunreinigung zu schützen. Zudem würden Steuergelder gegen den Willen der Bürger verwendet.

Bei dem am Mittwoch in sieben Bundesländern gestarteten so genannten Erprobungsanbau von gentechnisch verändertem Mais handele es sich um eine sicherheitstechnisch umstrittene Pflanzenkreation (Mon 810). Sie enthalte Antibiotikaresistenzgene und habe in Laborversuchen zum Tod von 60 Prozent der Larven des Tagpfauenauges geführt. Die Flächen mit insgesamt rund 300 Hektar in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden, wie auch der Anbautermin, nicht bekannt gegeben.

Die Auswirkung auf Menschen und Nutztiere des in die Pflanze eingebauten Bt-Gifts, mit dem der Maiszünsler, ein Maisschädling, bekämpft werden soll, sei bisher kaum erforscht. Zudem dürften laut EU-Recht antibiotikaresistente Pflanzen ab dem 31.12.2004 aus Sicherheitsgründen nicht mehr angebaut werden. Das Umweltinstitut München geht davon aus, dass der Versuch nicht der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse dient, sondern der Startschuss für die flächendeckende Genverunreinigung in Deutschland sein soll. "Dieser Versuchsanbau ist wissenschaftlich äußerst fragwürdig. Mon 810 ist ein veraltetes Konstrukt, das keinerlei landwirtschaftlichen Nutzen hat", sagt Andreas Bauer, Gentechnikexperte des Umweltinstitut München e.V.

Offizieller Grund für die Versuche sei die Erprobung der Koexistenz von genetisch verändertem und konventionellem Mais. "Man muss keine genmanipulierten Pflanzen freisetzen, um herauszufinden, wie sich Maispollen ausbreiten", kritisiert Bauer. Außerdem sei in den meisten Bundesländern der Befall durch den Maiszünsler, der mit dem Mais bekämpft werden soll, ohnehin sehr niedrig.

So habe das Land Sachsen-Anhalt 240.000 Euro in einen Ausgleichsfonds eingezahlt, an dem sich auch die Saatgutunternehmen beteiligten. Sollte es zu wirtschaftlichen Schäden durch Einträge genetisch veränderter Pollen auf Nachbarfeldern kommen oder Versuchsflächen durch Gentechnik-Gegner zerstört werden, könnten die betroffenen Landwirte eine Entschädigung aus diesem Fond erhalten. Allerdings stehe dieser nur Landwirten in Sachsen-Anhalt zur Verfügung.

Das Umweltinstitut kritisiert, dass mit der Einrichtung des Fonds aus Steuermitteln und Solidaritätszuschlägen die Landesregierung in Sachsen-Anhalt öffentliche Gelder gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit verwendet. 70 Prozent der Bevölkerung wollten nach aktuellen Umfragen keine Gentechnik auf Acker und Teller. An den anderen Standorten handelten Landwirte angeblich in freier unternehmerischer Entscheidung und auf eigenes Risiko. In Bayern werde der Gen-Mais laut Landwirtschaftsministerium allerdings nur auf den Staatsgütern Baumannshof (Landkreis Pfaffenhofen), Grub (Landkreis Eberberg), Schwarzenau (Landkreis Kitzingen), Neuhof (Landkreis Donau-Ries) und Puch (Landkreis Fürstenfeldbruck) angebaut. Mögliche Schäden würden damit durch die Hintertür ebenfalls dem Steuerzahler aufgebürdet.

Die Staatsgüter lägen teilweise in Gemeinden, die in geplanten gentechnikfreien Zonen liegen. "Der Freistaat Bayern sabotiert damit bewusst die Bemühungen der Landwirte, gentechnikfrei produzieren zu können. Er handelt sozusagen in freier unternehmerischer Entscheidung auf Kosten der Steuerzahler, deren große Mehrheit gentechnische Lebensmittel ablehnt", kritisiert Bauer.