Schuldenerlass für ärmste Länder soll Jobs für Lehrer ermöglichen

Massive Kritik an IWF-Politik

Die Hilfsorganisationen Voluntary Service Overseas (VSO) und Oxfam haben massive Kritik an der Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF) geübt. IWF-Maßnahmen seien daran schuld, dass Tausende ausgebildeter sambischer Lehrer arbeitslos seien, während Schulklassen unter enormen Schülerzahlen litten. Sambia zahle in diesem Jahr 156 Millionen US-Dollar mehr für den Schuldendienst, als es für Bildung ausgeben könne. Alleine die Zahlungen an den IWF machten mehr als den Bildungshaushalt aus. IWF und die reichen Länder müssten daher einen hundertprozentigen Erlass der multilateralen Schulden der ärmsten Länder der Welt beschließen, fordert ein Bericht der beiden Organisationen. Dieser könne zum Teil durch eine Höherbewertung der Goldvorräte des IWF finanziert werden.

Nach Angaben des am Freitag von der globalen Bildungskampagne (Global Campaign for Education, GCE) vorgestellten Berichts "Lehrer unter Wert: IWF-Maßnahmen höhlen das sambische Bildungssystem aus" benötigen sambische Schulen dringend weitere 9.000 Lehrer, während 8.000 bis 9.000 Lehrer arbeitslos seien. Eine vom IWF verordnete Begrenzung der Staatsausgaben habe zur Folge, dass die Regierung nicht in der Lage sei, dringend benötigte Lehrer sowie Gesundheitspersonal einzustellen.

"Oberste Priorität des IWF ist es, um jeden Preis die Rückflüsse aus den Krediten zu erhalten, auch wenn dies auf Kosten der Schulbildung sambischer Kinder geschieht", kritisiert Max Lawson von Oxfam, Koautor des Berichts. Währenddessen sitze der IWF auf Goldreserven im Wert von Milliarden von Dollar, die er weder benötige noch nutze.

"Das Beispiel Sambias zeigt, wie notwendig eine Reform der Geschäftspraktiken des IWF ist", meint Koautorin Lucia Fry von VSO. In Situationen wie diesen zeige sich, ob der IWF seiner Verantwortung für die Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen gerecht werde. "Bis jetzt versagt er auf der ganzen Linie", so Fry.

In Sambia, einem der ärmsten Länder der Welt, leben über 70 Prozent der Bevölkerung in Armut. Einer von fünf Erwachsenen ist mit HIV/AIDS infiziert.

Bildung sei der "goldene Weg" zur Beendung der Armut sein und könne helfen, die Ausbreitung von AIDS zu verhindern, meinen die Hilfsorganisationen. Jedoch sei die sambische Regierung im Jahr 2004 gezwungen, 377 Millionen US-Dollar Schuldendienst zu leisten, während sie nur 221 Millionen US-Dollar für Bildung ausgeben dürfe. Allein die Zahlungen an den IWF würden die gewaltige Summe von 247 Millionen US-Dollar betragen, mehr als das gesamte sambische Jahresbudget für Bildung.

"Wir haben nur drei Lehrer, mich selbst eingeschlossen, um 526 Schüler zu unterrichten", berichtet Silas Silewu, Rektor der Maano-Grundschule in Lusaka. Im Durchschnitt seien 70 Schüler in einer Klasse, und jeder Lehrer müsse zwei Klassen unterrichten. "Um effektiv zu arbeiten, benötigen wir mindestens zwölf Lehrer", erklärt Silewu.

Immerhin hat die niederländische Regierung mit einem kurzfristigen Nothilfepaket eingegriffen, um arbeitslose Lehrer einzustellen. Dies löse jedoch nicht das langfristige Problem, die dringend erforderliche Anhebung der Lehrerzahlen in Zukunft zu finanzieren, so Oxfam.

IWF und die in der "G7" versammelten wichtigsten Industriestaaten sollten sofort einen hundertprozentigen Erlass der multilateralen Schulden für die ärmsten Länder der Welt verkünden, fordert der Bericht. Die reichen Länder müssten jährlich 50 Milliarden US-Dollar mehr für Entwicklungshilfe bereitstellen und klare Zeitpläne aufstellen, um wie vereinbart bis 2010 ihre Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.

Insgesamt müsse die Poltik des IWF die Auswirkungen auf die Bevölkerung mehr beachten. Armutsbekämpfung müsse zum Ziel werden, die anderen Maßnahmen müssten auf ihre Folgen geprüft werden.