Hilfsorganisationen werfen Bayer-Zulieferern Kinderarbeit vor

"Schuldknechtschaft" durch Preisdumping

Rund 1.500 Kinder unter 15 Jahren arbeiten in Zulieferbetrieben des Konzerns Bayer in der Produktion von Baumwollsaatgut. Diesen Vorwurf erheben Umwelt- und Hilfsorganisationen. Durch die niedrigen gezahlten Preise sei Bayer an den Zuständen mitschuldig. Die Organisationen reichten im Bundeswirtschaftsministerium eine Beschwerde gegen Bayer wegen Verstoßes gegen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen ein. Bayer betonte, für seine indische Tochter arbeiteten keine Kinder, und in Verträgen mit Bauern sei Kinderarbeit ausdrücklich verboten.

Die Zahlen entstammen einer Studie, die Germanwatch, die Coordination gegen Bayer-Gefahren und Global March Against Child Labour am Montag veröffentlicht haben.

"Schon seit letztem Jahr versuchen wir, im Dialog mit der indischen Bayer-Tochter Proagro das Problem der Kinderarbeit bei ihren Zulieferern zu lösen, leider ohne Erfolg", berichtet Cornelia Heydenreich von Germanwatch. "Deshalb wollen wir jetzt mit der OECD-Beschwerde den Druck auf das Unternehmen erhöhen und auch die staatliche Ebene in Deutschland einbeziehen". Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour drängt auf schnelles Handeln. Die Gesundheit und das Leben der Kinder dürften nicht länger aufs Spiel gesetzt werden. "Und sie müssen wieder in die Schule gehen können", fordert Kruse.

Bayer seien die Zustände bei seinen Zulieferern seit Jahren bekannt, kritisert Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren. "Es wäre für Bayer ein Leichtes gewesen, mit Hilfe höherer Abnahmepreise und strikter Kontrollen das Problem Kinderarbeit bei seinen Zulieferern zu lösen", meint Mimkes. Doch trotz öffentlicher Ankündigungen habe sich kaum etwas getan.

Bayer betonte, das Unternehmen lehne Kinderarbeit entschieden ab und unterstütze nationale und internationale Bemühungen, Kinderarbeit zu verhindern. Weder Bayer CropScience India noch das indische Saatgut-Tochterunternehmen Proagro Seed Company beschäftigten Kinder als Arbeitskräfte. Proagro habe Kinderarbeit in seinen Verträgen mit Zulieferern ausdrücklich untersagt.

Weiterhin stelle eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung eines Beraters der MV-Stiftung, die vor Ort gegen Kinderarbeit kämpft, fest, dass die Baumwoll-Bauern in den vergangenen Jahren auf ihren Feldern verstärkt Kinder durch erwachsene Arbeiter ersetzt hätten und dass die Gesamtzahl der beschäftigten Kinder im Baumwollanbau deutlich zurückgegangen ist. Daran sei die Bayer-Tochter Proagro aktiv beteiligt gewesen.

Insgesamt sind, so der Bericht der Organisationen, in der indischen Baumwollproduktion mehr als Hunderttausend Kinder tätig. Shanta Sinha, Generalsekretärin der indischen MV-Stiftung, nennt als deren Hauptursache die unfairen Vertragsbedingungen, die Konzerne wie Bayer den Baumwollfarmern aufzwängen. Die Preise, die ihnen von den Konzernen gezahlt würden, seien so niedrig, dass sie billige Kinderarbeiter in Schuldknechtschaft anstellen müssten. "Deshalb ist eine unserer Hauptforderungen, dass faire Verträge mit den Farmern geschlossen und bessere Preise gezahlt werden, damit die Ausbeutung der Kinder endlich aufhört."

MV-Generalsekretärin Santa Sinha bestätigte, dass Bayer in der Child Labour Elimination Group, einer Gruppe gegen Kinderarbeit, sei und teilweise auch den Vorsitz habe. Doch es passiere nicht viel: Es würden Veranstaltungen gemacht und öffentlichkeitswirksame Papiere geschrieben. "Öffentlichkeitsarbeit ist aber nicht alles".