Klon-Wissenschaftler Ian Wilmut mit Forscherpreis ausgezeichnet

Klonschaf "Dolly"

Für sein Experiment mit dem Klonschaf "Dolly" ist der Brite Ian Wilmut mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ausgezeichnet worden. Der mit 100.000 Euro dotierte Preis wurde dem 60-Jährigen Forscher am Montag auf einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Die Verleihung war von Protesten begleitet. Vor der Paulskirche demonstrierten Klon-Gegner mit aufgezogenen Schafsmasken gegen die Preisvergabe an den Wissenschaftler. Wilmut selbst verteidigte in seiner Dankesrede die Klonforschung. Die Auszeichnung wird zur Hälfte vom Bundesgesundheitsministerium finanziert.

Er sei überzeugt, dass dadurch neue Therapien für bislang schwer behandelbare Krankheiten entwickelt werden könnten. "Ich glaube, dass es eines Tages möglich sein wird, einem Patienten Zellen zu entnehmen und diese in genau solche Zellen umzuwandeln, die man für die Behandlung der Krankheit benötigt", sagte der Wissenschaftler, der mit "Dollys" Geburt vor acht Jahren weltweit Schlagzeilen gemacht hatte.

Der Erlanger Mediziner Bernhard Fleckenstein würdigte in seiner Laudatio die Leistung von "Dollys" Schöpfer. Wilmut habe der Stammzell-Biologie, der Embryonenforschung und der Biotechnologie eine neue Richtung gegeben. Fleckenstein hob hervor, dass Wilmut bei seinen Arbeiten auch seiner "ethischen Verpflichtung" nachgekommen sei. So habe er darauf hingewiesen, dass das Klonen von Menschen nicht zu verantworten ist.

Ganz anders äußerte sich der Vizechef des Ärzteverbands Marburger Bund, Rudolf Henke. Es sei "mehr als befremdlich", wenn die Bundesregierung einen Wissenschaftler belohne, "dessen Klonvorhaben hier zu Lande mit Strafe bedroht wären", sagte Henke.

Henke fügte hinzu, es sei nicht nachvollziehbar, wenn einerseits vor wenigen Tagen die UNO-Vollversammlung sich gegen sämtliche Formen des Klonens ausspreche, andererseits nun die Bundesregierung einen Forscher prämiere, der die Klontechnik am Menschen anwenden wolle. Die Bundesregierung trage womöglich mit dieser Auszeichnung zu einer Aufweichung des strengen deutschen Klonverbots bei.

Henke sprach sich nachdrücklich für die Beibehaltung des Verbots des "als therapeutisch getarnten Forschungsklonens und des reproduktiven Kopierens von Menschen" aus. Der Mediziner warnte: "Vage Heilversprechen einzelner Forscher dürfen keine Argumente für das Töten menschlichen Lebens sein."

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte, Wilmut erhalte den Preis nicht für eine "strafbare Handlung", sondern für das Klonen von Tieren. Die forschungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, nannte die Kritik an Wilmut "kleinkariert". Die Arbeiten Wilmuts seien international wegweisend und preiswürdig. Seine Forschung gehe weit über das Schaf Dolly hinaus. Wilmut stehe zudem für einen "klaren Kurs gegen das Klonen von Menschen", sagte Flach. Die Forschungspolitikerin war vor einiger Zeit in die Kritik geraten, weil sie neben ihren Bundestags-Diäten auch vom Elektromulti Siemens Zahlungen erhalten hatte.