Politikwissenschaftler hält Benjamin Blümchen für politisch bedenklich

Politische Positionen

Die Kinderhörspielhelden Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keinesfalls das Prädikat "wertvoll". Zu diesem Ergebnis kommt der Passauer Politologe Gerd Strohmeier in einem Beitrag in der von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Reihe "Aus Politik und Zeitgeschichte". In den Geschichten des sprechenden Elefants und der kleinen fliegenden Hexe werde die Entwicklung politisch mündiger Bürger "kaum gefördert, wenn nicht sogar behindert", schreibt der Wissenschaftler. So werde in den Hörspielen ein verzerrtes Bild der demokratischen Strukturen und Prozesse in Deutschland vermittelt.

"Politiker haben im Prinzip immer Unrecht", sagte der 30-jährige Dozent. Äußerst bedenklich ist laut Strohmeier das stets negative Image der Politik. So erschienen Politiker in den Hörspielen grundsätzlich als lächerliche und inkompetente Figuren, "die faul, reich, geld- und machtgierig, verschlagen, am eigenen Wohl orientiert sowie unfreundlich, unmenschlich und unbeliebt" seien.

Im Gegensatz zu Politik, Polizei und Wirtschaft hätten die Medien in Gestalt der Reporterin Karla Kolumna und die Neustädter Bürger grundsätzlich das "Gemeinwohl" im Blick und stünden auf der "Seite der Gerechtigkeit".

Auch würden in den Geschichten fast nur Umweltprobleme thematisiert, andere Probleme oder Bedürfnisse der Wirtschaft als nachrangig dargestellt. Die vermittelten "richtigen" politischen Positionen befänden sich grundsätzlich "links der politischen Mitte", kritisiert der Politologe.

Allerdings will Strohmeier nicht grundsätzlich vom Kauf der Hörspiele abraten. Eltern sollten sie mit ihren Kindern gemeinsam anhören und ihrem Nachwuchs eine Einordnung und Bewertung der thematisierten Probleme erleichtern.

Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg aus der Feder von Autorin Elfie Donnelly zählen zu den erfolgreichsten Kinderhörspielen im deutschsprachigen Raum. Seit Ende der 70er Jahre wurden insgesamt rund 180 Folgen produziert und über 95 Millionen Musikkassetten verkauft.