Ärzte gegen den Atomkrieg würdigen Nobelpreisträger El-Baradei

"Friedenspolitische Rolle"

Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hat am Montag eine weitere Stellungnahme zur Verleihung des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA) und an deren Generaldirektor Mohammed El-Baradei abgegeben. Während in der ersten Stellungnahme am Freitag vor allem die IAEA wegen der Förderung der Atomenergie und der damit verbundenden Proliferationsgefahr scharf kritisiert wurde, legte die Organisation in ihrer zweiten Stellungnahme nochmals ausdrücklich Wert auf die ihrer Ansicht nach "friedenspolitischen Rolle" El-Baradeis.

"Wir sehen in der Verleihung des Nobelpreises die Unterstützung unseres eigenen Kampfes gegen Atomrüstung und Krieg, nachdem die IPPNW vor genau 20 Jahren die gleiche Ehrung erfahren hatte", schreiben die Professoren Ulrich Gottstein und Horst-Eberhard Richter im Namen des Vorstandes der Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges.

Seit damals habe die Bedrohung mit Nuklearwaffen nicht ab-, sondern zugenommen. Gegen die Eindämmung dieser Gefahr wirkten "psychische Abstumpfung" der Menschen einerseits, dazu andererseits die politische Verweigerung der im Atomwaffensperrvertrag fest vereinbarten Abrüstungsschritte seitens der Atommächte, wodurch heimliche Produktion und Verbreitung verbotener Waffen nach wie vor begünstigt würden.

Dagegen kämpft nach Auffassung der IPPNW El-Baradei mit der IAEA "unermüdlich" an. "Mit seiner couragierten Widerlegung der amerikanischen Legende von den vermeintlichen irakischen Verstecken von Massenvernichtungswaffen konnte er zwar nicht den dortigen Krieg, immerhin aber eine Gleichschaltung und Entmündigung des Sicherheitsrates verhindern", heißt es in der Stellungnahme vom Montag.

Der Nobelpreis stärke mit der IAEA "eine der wichtigsten präventiven Institutionen der UN, von der wir IPPNW-Ärzte allerdings wünschen, dass sie auch den bisher immer noch unterschätzten medizinischen Gefahren der zivilen Zwecken dienenden Kernenergie in Zukunft größere Bedeutung beimessen sollte".

Auch in ihrer ersten Stellungnahme hatte die IPPNW "das persönliche Engagement" des IAEA-Chefs gegen die Invasion des Iraks und gegen einen möglichen militärischen Angriff auf den Iran begrüßt. El-Baradei habe außerdem immer wieder international auf die Dringlichkeit des Atomwaffenproblems hingewiesen. Zugleich wurde aber Rolle der IAEA bei der Verbreitung der Atomtechnologie kritisiert: Die Bemühungen El-Baradeis im Kampf gegen die Ausbreitung von Atomwaffen werde durch die Verbreitung der Technologien zur sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie konterkariert.

Durch die Ausbreitung der Atomenergie seien jetzt schon 44 Länder prinzipiell in der Lage, eine Atombombe zu bauen, darunter auch Deutschland, Japan, Belgien und Kanada.

Darüber hinaus bemängelte die Organisation die Rolle der IAEA bei den Untersuchungen zu den Langzeitfolgen von Tschernobyl. Auch der Regionalverband Südlicher Oberrhein des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte die IAEA scharf als "Lobbyorganisation der Atomindustrie" kritisiert, die gegen den deutschen Atomausstieg kämpfe und zur Weitervervbreitung von Atomwaffen beitrage.