Windkraftanlagen liefern fast so viel Strom wie die gesamte Industrie

Energieversorgung

Aufgrund der wachsenden Stromeinspeisungen von privaten und industriellen Stromerzeugern können die großen Stromkonzerne in ihren eigenen, meist fossilen und nuklearen Großkraftwerken immer weniger Strom erzeugen. Nach den - zum Teil geschätzten - Zahlen des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) nahm die Stromeinspeisung von 61 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2004 auf 66 Milliarden Kilowattstunden 2005 zu. Das war ein Antieg um gut acht Prozent. Die privaten Stromeinspeiser betreiben meist Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Die Industrie lieferte vor allem Strom aus industriell genutzten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, in denen primär Wärme für industrielle Prozesse erzeugt wird. Den Angaben zufolge wurde 2005 allein mit Windkraftanlagen fast so viel Strom erzeugt wie in allen Industriekraftwerken zusammen.

Laut VDEW wurde 2005 aus privaten Windkraftanlagen 26 Milliarden Kilowattstunden Strom in das Netz der Stromversorger eingespeist. Damit erreichte allein diese Form der Erneuerbaren Energien beinahe die industrielle Stromeinspeisung, die bei 28,6 Milliarden Kilowattstunden Strom gelegen habe.

Insgesamt lieferten die privaten Erzeuger mehr als 37 Milliarden Kilowattstunden Strom in das öffentliche Netz. Bei einem "Gesamtstromverbrauch aus dem Netz der allgemeinen Versorgung" von 546,5 Milliarden Kilowattstunden lieferten die privaten Klein- und Kleins-Stromerzeuger demnach fast 7 Prozent des Strombedarfs. Gemeinsam mit den Einspeisungen aus Anlagen der Industrie wurden insgesamt 12 Prozent des Stroms eingespeist.

Die großen Stromkonzerne wie RWE, E.On, EnBW und Vattenfall setzen nach wie vor vor allem auf die fossile und atomare Großstromerzeugung. Laut VDEW bauen und planen sie 20 neue fossile Großkraftwerke. Hier gebe es aufgrund der Alterung der Kraftwerke umfassenden Ersatzbedarf. Die Atomkraftwerke wollen sie zum Teil noch über 15 oder 20 Jahre lang weiterbetrieben. Bei diesen sehen sie hingegen keine Sicherheits-Probleme aufgrund des zunehmenden Alters der Anlagen.

Der Solarenergieverband EUROSOLAR hält auf der Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bis 2020 eine Stromerzeugung ohne Atomkraftwerke und mit nur noch wenigen fossilen Großkraftwerke für möglich. Die erneuerbaren Energien könnten bereits im Jahr 2012 mit 20 Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Man müsse nur das derzeitige jährliche Einführungstempo beibehalten. Bis 2020 seien dann weitaus höhere Anteile erreichbar.

Während EUROSOLAR einen Verzicht auf den Neubau fossiler Großkraftwerke fordert, unterstützt die Bundesregierung die Planungen der großen Energiekonzerne. Selbst der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin hatte die angekündigten Investitionen in neue fossile Großkraftwerke begrüßt.