Gabriel feiert Pilotprojekt zur reinen Stromproduktion aus Waldholz

Täuschung der Öffentlichkeit?

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel fördert eine Holzvergasungsanlage im nordrhein-westfälischen Bad Wünnenberg. Die Bürener Land Energie GmbH plane - mit Unterstützung von 46.000 Euro aus dem "Umweltinnovationsprogramm" - die Errichtung einer Anlage "zur Strom- und Wärmegewinnung aus Waldholz der Region", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums mit dem Titel "Strom und Wärme direkt aus dem Wald". Mit der Wärmeproduktion ist es so eine Sache: Nach Angaben des Ministeriums wird die anfallende Abwärme ausschließlich für den Betrieb der Anlage selbst genutzt. Die von Umweltschützern propagierte gekoppelte Strom- und Wärmeproduktion - Stichwort "Kraft-Wärme-Kopplung" - meint allerdings etwas ganz anderes: Die Gewinnung von Nutzwärme zum Beispiel zum Beheizen von Wohnhäusern oder für industrielle Prozesse.

Nicht umsonst wird auch bei Großkraftwerken zur Stromerzeugung zwischen der Brutto- und der Nettostromerzeugung unterschieden. Brutto ist der Strom, den der Kraftwerksgenerator erzeugt. Ein Teil des Stroms wird vom Kraftwerk für den Betrieb selbst verbraucht. Letztlich zählt nur die verbleibende Nettostromerzeugung: diejenige, die für die Kunden nutzbar in das Stromnetz eingespeist wird.

Bei der von Gabriel geförderten Pilotanlage wird offenbar lediglich Strom, aber keinerlei Wärme in ein Leitungsnetz für die Kunden eingespeist: "Die anfallende Wärme der Pilotanlage wird zum einen für die Beheizung der Anlage und zum anderen für die Trocknung der Holzhackschnitzel verwendet", heißt es in der Pressemitteilung. Die Holzhackschnitzel sind der Brennstoff der Anlage. Auch dieser Wärmeeinsatz dient also ausschließlich dem Betrieb des Kraftwerks selbst.

Der Nutzen der Anlage liegt demnach offenbar ausschließlich in der Produktion von Strom, nicht aber von Wärme. Sie dennoch als Anlage zur "Strom- und Wärmegewinnung" anzupreisen, kommt einer Täuschung der Öffentlichkeit gleich.

Für Umweltminister Gabriel - oder zumindest für die Pressestelle des Ministeriums - handelt es sich dennoch schlichtweg um eine "innovative" Technik: "Die Antwort auf die Abhängigkeit von Energieimporten heißt Ausbau von erneuerbaren Energien. Dafür sind innovative Techniken und Mut zu ihrer Umsetzung gefragt. Der Lohn ist Wettbewerbsfähigkeit."

In der Holzpyrolyseanlage in Bad Wünnenberg würden "Techniken zusammengeführt, die im Einzelnen bereits erprobt sind, in der neuartigen Kombination jedoch innovativen Charakter besitzen". So komme ein zweistufiges kombiniertes Vergasungs- und Pyrolyseverfahren zum Einsatz. Es werde ein "teerarmes Synthesegas" erzeugt, aus welchem nach Reinigung in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) "Strom erzeugt und ins Netz eingespeist wird". Die anfallende Wärme wird nicht in ein Netz eingespeist - sie verbleibt im Wald.