Atomkraftgegner kritisieren Leistungserhöhungen von Atomkraftwerken

"Starke Beanspruchung von Transformatoren"

Nach Auffassung von Atomkraftgegnern könnte es im Atomkraftwerk Krümmel einen Zusammenhang zwischen dem Transformator-Brand und einer massiven Leistungssteigerung des Kraftwerks geben. So sei in Krümmel "die größte Leistungssteigerung aller deutschen Siedewasserreaktoren" vorgenommen worden, sagte Raimund Kamm vom FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik. Seit September 2006 laufe der Reaktor mit einer von 1.260 auf 1.346 Megawatt gesteigerten elektrischen Nettoleistung. Der Reaktor könne also 6,8 Prozent mehr Strom über den Transformator ins Verbundnetz abgeben. "Das Tunen des Kraftwerks wurde durch Änderungen an der Turbine erreicht", so Kamm. Leistungserhöhungen führen nach Darstellung von Kamm dazu, dass "besonders die Generatoren und Transformatoren stärker beansprucht werden". Mehrmals schon seien Generatoren und Transformatoren einige Zeit nach dem Tunen der Atomkraftwerke kollabiert, behauptet der Atomkraftgegner.

Zusammenhänge würden von den Verantwortlichen immer abgestritten, so Kamm. "Kritische Fachleute hingegen meinen, dass diese Betriebsweise die Kraftwerke stärker belaste, genauso wie ein Auto durch häufiges Beschleunigen und Bremsen mehr beansprucht wird. Und wenn ein Auto auch noch getunt wird, aber Bremsen und Getriebe nicht verstärkt werden, nehmen Störungen und Risiken zu."

Kritik an geplanter Leistungserhöhung im Atomkraftwerk Gundremmingen

Nach den "katastrophalen Erfahrungen" im Atomkraftwerk Krümmel fordert das FORUM, dass die im Atomkraftwerk Gundremmingen geplante Leistungserhöhung nicht genehmigt wird.

Die Betreibergesellschaft RWE habe im September 1999 eine große elektrische Leistungserhöhung von jeweils 106 Megawatt für die beiden Kraftwerksblöcke in Gundremmingen beantragt, so Kamm. Dies sei aber noch nicht einmal der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Nachdem die Atomkraftgegner das Vorhaben aufgedeckt hätten, habe das Atomkraftwerk Gundremmingen "dreist" behauptet, solch eine Leistungserhöhung sei heute ein technisch einfaches Verfahren, mit vorbereitenden Arbeiten würde man gleich anfangen und in etwa eineinhalb Jahren rechne man mit der Genehmigung. Die Umweltschützer kritisieren, dass die Leistungserhöhung von zusammen 212 Megawatt mehr als die Hälfte der Leistung des stillgelegten Atomkraftwerks Obrigheim ausmache. "Und wir fordern eine Beteiligung der Öffentlichkeit", so Kamm. Entsprechende Petitionen und Landtagsanträge seien bislang jedoch von der CSU und dem bayerischen Umweltministerium abgelehnt worden.

Immerhin sei es gelungen, dass die Genehmigungsunterlagen im Bundesumweltmininsterium in Berlin hätten vorgelegt werden müssen. "Offenbar tauchten immer mehr technische Schwierigkeiten auf", vermutet Kamm, denn: "Der Genehmigungsantrag wurde durch einen neuen ersetzt." Bis heute sei nichts entschieden worden und die Öffentlichkeit sei entgegen der damaligen Versprechen nicht informiert worden.