Özdemir will neuer Grünen-Chef werden

Ratzmann hält sich Kandidatur offen

Auf dem Grünen-Parteitag im November kommt es möglicherweise zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz. So kündigte am 2. Juni der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir seine Bewerbung um die Nachfolge des scheidenden Parteichef Reinhard Bütikofer an. Sein möglicher Gegenkandidat, der Grünen-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, hielt sich eine Kandidatur noch offen.

Özdemir, der dem Realo-Flügel der Partei angehört, sagte, er traue sich zu, "gemeinsam mit der Partei Ideen zu entwickeln und das Land zu gestalten". Im großen Wahljahr 2009 wolle er seine Erfahrungen einbringen und seinen "Beitrag dafür leisten, dass die Grünen ein eigenständiges Profil bekommen", sagte der 42-Jährige.

Ratzmann sagte, es bleibe dabei, dass er sich "vor der Sommerpause erklären" werde. Schon vor einem Monat habe er gesagt, dass es sich um eine "große Herausforderung und ein honoriges Amt" handele und er "großes Interesse" an der damit verbundenen Aufgabe habe. Er habe aber auch immer betont, nun "in der Partei mit entsprechenden Kreisen" Gespräche zu führen und zu sondieren. Danach werde er eine "abschließende Bewertung vornehmen". Seine Entscheidung werde er "auf jeden Fall vor der Sommerpause" bekannt geben.

Erst am Wochenende hatte sich die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, für Ratzmann an der Parteispitze ausgesprochen. Zugleich hatte sie Befürchtungen von Grünen-Realpolitikern widersprochen, wonach Ratzmann wegen seiner linken Vergangenheit ihren Parteiflügel im Vorstand der Grünen nicht gut vertreten werde.

Bütikofer hatte im März angekündigt, dass er im Herbst nicht wieder für das Amt kandidieren werde. Seine Ko-Vorsitzende Claudia Roth will sich dagegen auf dem Parteitag für eine weitere Amtszeit bestätigen lassen.

Bütikofer sagte, der neue Bundesvorstand müsse alle Parteiflügel einbeziehen, wenn man die nächste Bundestagswahl erfolgreich bestehen wolle. Die Delegierten würden die Kandidaten daraufhin prüfen, ob sie ihnen "eine solche konstruktive Rolle" zutrauten.