Özdemir will trotz Listenplatz-Schlappe Grünen-Chef werden

Breite Unterstützung durch Parteispitze

Trotz seiner Niederlage bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl hält der Grünen-Politiker Cem Özdemir seine Bewerbung um den Bundesvorsitz der Partei aufrecht. Er werde auf dem Bundesparteitag in Erfurt im November für die Nachfolge des scheidenden Grünen-Chefs Reinhard Bütikofer kandidieren, erklärte Özdemir am Montag (13. Oktober) in Berlin. Das Amt sei eine große und spannende Aufgabe für ihn, die er "mit ganzer Kraft und Entschlossenheit" anstrebe. Özdemir hat am Wochenende eine bittere Niederlage erlitten. Auf einem Landesparteitag in Schwäbisch Gmünd scheiterte er mit seinem Vorhaben, einen aussichtsreichen Platz für die Wahlliste der baden-württembergischen Grünen für die Bundestagswahl 2009 zu erlangen. Danach verließ er kommentarlos den Veranstaltungsort. Am Sonntag erschien er nicht mehr.

Die Bundesspitze der Partei wie auch Landesvorsitzenden der Grünen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen begrüßten die Erklärung Özdemirs trotz seines Scheiterns Parteichef werden zu wollen.

Özdemir wiederholte seine Auffassung, "dass es für die Partei ein großer Vorteil ist, wenn Bundesvorsitzende auch in der Bundestagsfraktion vertreten sind". Das Ergebnis des Landesparteitages müsse er jedoch akzeptieren. Er habe in den vergangenen zwei Tagen von vielen Seiten aus der Partei großen Zuspruch erhalten. Dieser Zuspruch habe ihm deutlich gemacht hat, dass sich die Abstimmung nicht gegen ihn und seine Bewerbung für den Parteivorsitz gerichtet habe.

Bütikofer sagte nach einer Sitzung des Grünen-Parteirates, das Spitzengremium habe das Festhalten Özdemirs an seiner Kandidatur mit einhelliger Zustimmung aufgenommen. Eine Schwächung Özdemirs durch die Niederlage vom Wochenende wollte Bütikofer nicht sehen.

Özdemir war vor Jahren aus der Bundespolitik ausgeschieden, nachdem bekannt wurde, dass er von der der PR-Agentur Hunzinger einen Kredit über 80.000 DM erhalten hatte. Von Hunzinger hatten viele Politiker wie beispielsweise auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Geld erhalten.