Rückbau der ostdeutschen Kernkraftwerke soll 2012 abgeschlossen sein

Langjährige Atommüll-Geschäfte

Der vor 19 Jahren beschlossene Rückbau der ostdeutschen Kernkraftwerke in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) und im brandenburgischen Rheinsberg geht offenbar in seine Endphase. Bislang seien etwa 80 Prozent der Arbeiten abgeschlossen, sagte der Chef der Energiewerke Nord GmbH (EWN), Dieter Rittscher, am Dienstag in Lubmin. Der 3,2 Milliarden Euro teure Abbau werde voraussichtlich 2012 abgeschlossen. Die Betonhüllen der Reaktorblöcke sollen jedoch voraussichtlich noch 50 bis 60 Jahre stehen bleiben.

Die letzten beiden Reaktordruckgefäße in Lubmin sollen voraussichtlich im September in das atomare Zwischenlager Nord (ZLN) überführt werden. Zudem wurde beim Land Mecklenburg-Vorpommern der Abriss des ehemaligen atomaren Nasslagers in Lubmin beantragt. In den Spezialwasserbassins der 1985 in Betrieb gegangenen Anlage waren bis 2006 zeitweise mehr als 4000 hochradioaktiv strahlende Brennelemente deponiert worden. Gegenwärtig werde das komplett geräumte Gebäude mit einem aufwendigen Verfahren dekontaminiert, sagte Rittscher. Das Beckenwasser sei bereits eingedampft, alle Rückstände seien in Spezialbehältern verpackt worden.

Die einst als KKW-Entsorger angetretene EWN habe sich inzwischen zum weltweit führenden Spezialisten zur Beseitigung nuklearer Altlasten entwickelt, sagte Rittscher. Mittlerweile entfalle nur noch ein Drittel des 300 Millionen Euro umfassenden Jahresumsatzes der Firmengruppe auf die Aktivitäten in Lubmin und Rheinsberg. Ein großer Teil der Belegschaft beschäftige sich mit Entsorgungsaufträgen in Tochtergesellschaften und bei Fremdkunden.

Nach der Übernahme des Forschungszentrums Jülich in Nordrhein-Westfalen, der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe und dem Einstieg in die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) plane die EWN zur Jahresmitte 2009 auch die Übernahme der nuklearen Altlast des Forschungszentrums Karlsruhe. Neben den bereits übernommenen 280 Mitarbeitern der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage würden Mitte 2009 weitere 180 Beschäftigte des Karlsruher Forschungszentrums in die EWN eingegliedert, kündigte Rittscher an.

Als wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre bezeichnete er die Überführung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle aus den Anlagen Lubmin, Rheinsberg, Karlsruhe, Jülich sowie aus Landessammelstellen und Forschungseinrichtungen in das geplante Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter. Derzeit werde über eine Übernahme von 38 Prozent der insgesamt 303.000 Kubikmeter umfassenden Lagerkapazitäten im Schacht Konrad verhandelt, der frühestens 2013 in Betrieb gehen solle.

Fortgesetzt wird auch die vor fünf Jahren gestartete Kooperation bei der Entsorgung stillgelegter russischer Atom-U-Boote bei Murmansk. Unter anderem wird bis 2014 das in der Saida-Bucht entstandene Lager für verstrahlte Reaktorsektionen zu einem kompletten Entsorgungszentrum ausgebaut. Bislang wurden 27 von insgesamt 150 Atom-U-Booten verschrottet.