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Industrie soll sich der Produzenten-Verantwortung stellen

Chemie-Gifte-Verbot

Minister und diplomatische Vertreter aus allen Ländern der Welt treffen sich ab dem morgigen Dienstag für zwei Tage in Stockholm, um eine Konvention zum Verbot der 12 giftigsten langlebigen Chemikalien (POPs - Persistent Organic Pollutants) zu unterzeichnen. Erstmals wird über eine Konvention die Produktion und Anwendung einer ganzen Reihe künstlich hergestellter Chemikalien, die für Mensch und Umwelt hochgiftig sind, verboten oder stark eingeschränkt. Umweltverbände weisen aber darauf hin, dass Restbeständen und Pestizidaltlasten in armen Ländern weiterhin eine große Gefahr darstellen und fordern die Industrie auf, sich ihrer Verantwortung als Produzenten der Gifte zu stellen.

POPs sind Chemikalien, die extrem giftig und langlebig sind. Sie vergiften nicht nur die Menschen in den Anwenderländern, sondern verteilen sich über die Atmosphäre und schädigen damit Menschen und Natur überall auf der Welt. Diese Schadstoffe können nicht nur zu akuten Vergiftungen, sondern auch zu Krebs und Störungen des Immun- und Hormonsystems führen. Zu den 12 POPs, die durch die Konvention verboten werden sollen, gehören Pestizide wie DDT, Industriechemikalien wie PCB, sowie die als Nebenprodukte bei Verbrennungsvorgängen auftretenden Dioxine und Furane.

Vor allem DDT, Dieldrin, Aldrin und sechs weitere Pestizide dürfen künftig weder produziert, noch gehandelt noch angewandt werden. Geklärt ist aber nicht, wann und wie die Altbestände vernichtet werden. Während die meisten dieser Chemikalien in den Industrienationen verboten sind oder nicht mehr eingesetzt werden, werden sie in ärmeren Ländern z.B. in der Landwirtschaft, in der Malariabekämpfung oder im Kühlmittel von Transformatoren verwendet. In Entwicklungsländern und Staaten Mittel- und Osteuropas lagern nach Angaben von Greenpeace noch etwa 500.000 Tonnen Pestizid-Altlasten, die dort Trinkwasser und Böden vergiften.

Um die Forderung nach einer fachgerechten Entsorgung dieser Stoffe zu untermauern, hat die Umweltschutzorganisation am heutigen Montag den Konferenzteilnehmern in Stockholm den Bericht "POPs in Afrika - Giftmüllexporte und Altpestizide (POPs in Africa - Hazardous Waste Trade 1980-2000 and Obsolete Pesticides)" vorgelegt. In dem Bericht ist die Situation in 51 afrikanischen Ländern genauer untersucht. "Die Pestizidhersteller stehen in historischer Verantwortung", sagt Andreas Bernstorff in Stockholm, Giftexperte und Mitglied der Greenpeace-Delegation. "Sie haben diese Mittel erfunden, produziert und über Jahrzehnte offensiv vermarktet, verschenkt und über Hilfsprogramme in jeden Winkel des Globus gedrückt. Jetzt müssen sie auch dafür sorgen, wie sie das Gift wieder aus der Welt schaffen".

Der WWF fordert zudem eine Ausweitung des Verbotes auf weitere Giftstoffe: "Dieses "dreckige Dutzend" ist nur die Spitze des Eisberges. Es gibt noch unzählige Chemikalien, die ähnlich giftig sind und auch bei uns noch eingesetzt werden, wie das Biozid Lindan (gegen Kopfläuse und Schädlinge auf Haustieren) oder bestimmte Flammschutzmittel (in Elektronikartikeln und Textilien)", sagte Patricia Cameron.

Etwa ein Dutzend Chemiefirmen beherrschen 90% des Pestizid- Weltmarktes und setzen dabei jährlich über 30 Mia US Dollar um, darunter an führender Stelle Bayer, BASF, die Basler Großchemie, Shell, Rhone Poulenc, Monsanto, Dow und Sumitomo. Alle bisherigen (rund ein Dutzend) Rückhol- und -Entsorgungsaktionen aus Afrika wurden von Hilfsorganisationen und Regierungen in Holland, Dänemark, Deutschland oder Schweden getragen. Die Industrie beteiligte sich mit gerade einmal zwei Prozent an den Gesamtkosten von bisher 30 Millionen Mark. Dies müsse sich schnell ändern, fordert Greenpeace. Beim derzeitigen Tempo der Entsorgung würde es noch Jahrzehnte dauern, bis die Altlasten abgeräumt und unschädlich gemacht seien.

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