Teilweise Antworten verweigert
Nur sechs Bistümer kennen keinen sexuellen Missbrauch
Die meisten Bistümer gaben dem SWR erst auf wiederholte Nachfrage hin aktuelle Informationen. Von den 27 deutschen Bistümern blieben nach eigenen Angaben bislang nur sechs - nämlich Berlin, Magdeburg, Eichstätt, Görlitz, Passau und Erfurt - von Fällen sexuellen Missbrauchs verschont. Das Bistum Dresden-Meißen verweigerte jede Information, weil "wir uns mit der Weise der gegenwärtigen Behandlung dieses sensiblen Themas in den Medien nicht einverstanden erklären können." Auch das innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz mit der Vorlage einer Expertise beauftragten Bistum Fulda beantwortete die vorgelegten Fragen nicht. Man warte "auf die Absprache aller Bistümer im Rahmen der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischöfe in Fulda."
Die Bistümer Münster, Augsburg, Dresden-Meißen, Bamberg ("Die Zahl der Fälle in den letzten Jahrzehnten ist uns nicht bekannt.") sowie Freiburg verweigerten konkrete Angaben oder verwiesen allgemein gehalten auf "einige wenige Fälle." Nur in ganz wenigen Ausnahmen (unter anderem in Essen, Hildesheim, Stuttgart-Rottenburg) existieren schon heute konkrete Regelungen bzw. Regel-Entwürfe, wie mit aufgedeckten Fällen sexuellen Missbrauchs umzugehen sei.
Die meisten Bistümer sprachen sich - anders als noch auf der Vollversammlung Ende April - nun für einheitliche Regelungen aus. Wesentlicher Streitpunkt zwischen den Bistümern ist nach Informationen des Südwestrundfunks der Umgang mit überführten Tätern. Was soll mit ihnen nach verbüßter Therapie und einer möglichen Strafe geschehen? Die meisten Bistümer wollen die Täter aus dem kirchlichen Dienst entlassen und ihnen keine weiteren Tätigkeiten im kirchlichen Rahmen ermöglichen. Nur wenige Bistümer wollen den Sündern eine berufliche Zukunft innerhalb der Kirche bieten.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage waren vereinzelt auch Schuldeingeständnisse: Der zuständige Prälat des Bistums Görlitz räumte ein, dass "man in deutschen Diözesen der Verantwortung sicher nicht umfassend gerecht geworden sei". Auch das Bistum Augsburg bedauert in der Vergangenheit "nicht immer in angemessener Weise gehandelt zu haben."
Der SWR-Film "Tatort Kirche", der am 1. September ausgestrahlt wird, zeigt Hildesheim und Rottenburg-Stuttgart als bislang einzige Diözesen, die offen mit dem Thema sexueller Missbrauch umgehen. Bischof Gebhard Fürst - jüngst mit einem Fall von Exhibitionismus in seiner Diözese konfrontiert - will die Leitlinien für sein Bistum, die sogenannten "Rottenburger Regularien", bereits Mitte September der Öffentlichkeit vorstellen. Fürst stellt klar, dass er der gemeinsamen Beratung der Bischofskonferenz nicht vorgreifen wolle. Er gehe jedoch davon aus, "dass wir uns zumindest in einzelnen Punkten über ein einheitliches Vorgehen verständigen können". Fürst im Originalton aus dem SWR-Film: "Ich kann mir das gut vorstellen, dass das Vertrauen in vielen Gemeinden im Augenblick zerstört ist, und wir müssen durch transparente Verfahrensregeln, durch rasches Handeln dieses Vertrauen wiedergewinnen."
Aus den Interviews, die Thomas Leif und Annette Wagner mit den Missbrauchs-Opfern führten, wird deutlich, dass klare Worte von Seiten der Kirche Not tun: "Ich werfe der Kirche vor, dass sie sich mehr um das Wohl der Täter gekümmert hat und nicht um das Wohl der Opfer", sagt eine junge Frau, die als 6-jähriges Kind von einem Priester sexuell missbraucht wurde. "Die Kirche trägt die Verantwortung dafür, dass immer mehr Kinder Opfer wurden." Wie die klassische Methode vieler Bistümer ‚Vertuschen durch Versetzen' in der Vergangenheit funktionierte, beschreibt in "Tatort Kirche" auch ein Priester, der über Jahre hinweg kleine Jungen missbrauchte. Anonym gefilmt, weil der Wiederholungs-Täter erstmals über seine Vergehen spricht, bestätigt er: "Meine stärkste Erfahrung war, dass die Kirche den Mantel der christlichen Nächstenliebe über meine Taten gedeckt hat".
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