Bei ARD und ZDF unterbrochen
Bundeskanzler Schröder kritisiert "Medienmacht und Medienmanipulation"
Der Vorwurf der "Medienmacht und Medienmanipulation" stand auch später in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF gleich am Anfang der Befragung von Gerhard Schröder. Die Moderation wies den Vorwurf wie üblich weit von sich: "Ich weise darauf hin, dass ARD und ZDF dies nicht vorzuwerfen ist", hieß es ohne weitere Begründung.
Es kam zu mehreren Unterbrechungen zwischen Moderation und Schröder, bis sich der Kanzler schließlich weitere Unterbrechungen verbat: "Darf ich auch mal reden oder wollen Sie mich ständig unterbrechen", so Schröder.
Später setzte er offenbar nochmals dazu an, die Berichterstattung der Medien zu kritisieren. Was ihn, Schröder, freue sei, "dass die Menschen in Deutschland sich ihr Recht herausgenommen haben, so zu entscheiden wie sie wollen und nicht so zu entscheiden ..." An dieser Stelle wurde der Bundeskanzlers erneut lautstark durch die Moderation von ARD und ZDF unterbrochen.
Scheinbar darf selbst ein Bundeskanzler im deutschen Fernsehen nicht unbedingt sagen, was er über die Medienberichterstattung denkt.
Schon im Juli hatte das Politikmagazin "Cicero" den Bundeskanzler gefragt, was er zu "all den nach unten gesenkten Daumen in der Medien" sage. Der einstige "Medienkanzler" klagte über eine "Verwilderung der Sitten" in den Medien.
Selbst ein Bundeskanzler hat in Deutschland inzwischen offenbar Probleme, sich über die Medien Gehör zu verschaffen, wie Schröder gegenüber "Cicero" deutlich machte: "Die einzige Möglichkeit, die man hat, ist, dafür zu sorgen, dass die eigenen Leute erreicht werden, dass Kommunikation trotzdem stattfindet, nicht nur über Medien, sondern direkt."
Auch der Schriftsteller Günter Grass, der die SPD offen unterstützte, kritisierte die Medien. Das Wahlergebnis sei eine Ohrfeige für die Medien. "Die Befragungsinstitute und auch die Medien sind abgewählt worden", meint der Schriftsteller. Er habe noch nie einen Wahlkampf erlebt, "in dem die Medienfront gegen Gerhard Schröder und gegen die SPD so stark war". Und das sei alles "durch den Wählerwillen relativiert und in die richtigen Proportionen gebracht worden".
Oskar Lafontaine hatte noch kurz vor der Wahl beim Landgericht Berlin Unterlassungsverfügungen gegen den Springer-Konzern erwirkt. In der juristischen Auseinandersetzung "um falsche Meldungen" der Online- und der Printausgabe von "Bild am Sonntag" hatte Lafontaine offenbar Recht bekommen. Das Landgericht Berlin hätte weder die "Richtigkeit der Darstellung" von "Bild am Sonntag" bestätigt, noch ausgesprochen, dass die Zeitung "weiter behaupten" dürfe, "Lafontaine lügt".
"Bild am Sonntag" war nach Angaben der Linkspartei in der Angelegenheit durch Urteil zur Gegendarstellung verpflichtet worden. Diese Verpflichtung hatte die Zeitung bis vergangenen Freitag offenbar nicht erfüllt.
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Am 19. Sep. 2005 unter:
politikStichworte:
« Das vorläufige amtliche Wahl-Ergebnis
CDU ficht wegen Briefunterlagen-Panne die Wahl in Dortmund an »
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