Geheime Haftzentren weltweit
Guantánamo laut amnesty international "nur die Spitze eines Eisbergs" 03. August 2005[ngo] Guantánamo ist nach Ansicht von amnesty international (ai) "nur die Spitze eines Eisbergs": "US-amerikanische Geheimdienste verschleppen Menschen in geheime Haftzentren auf der ganzen Welt, misshandeln und foltern sie", erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch. Dabei bedienten sich die US-Dienste der Unterstützung anderer Länder, so ai anlässlich der Veröffentlichung eines Berichtes über zwei "Verschwundene". Die Menschenrechtler kritisierten, geheime Haft widerspreche internationalem Recht und erleichtere Folter. Die Menschenrechtler fassten die Erlebnisse von Salah Nasser Salim Ali und Muhammad Faraj Ahmed Bashmilah zusammen. Die 27- und 37-jährigen Jemeniten verbrachten nach Angaben der Menschenrechtler über eineinhalb Jahre in geheimer Haft, ohne zu wissen, wo sie sind, ohne Kontakt zu ihren Familien oder Anwälten, ohne Tageslicht zu sehen, die meiste Zeit an Händen und Füßen gefesselt. Beide sitzen nach ai-Angaben jetzt in einem Gefängnis im Jemen, wo die Menschenrechtler mit ihnen sprechen konnten.
"Wir müssen davon ausgehen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt und die USA weiterhin zahlreiche Häftlinge an unbekannten Orten festhalten", sagte Ferdinand Muggenthaler, Amerika-Experte bei ai. "Geheime Haft widerspricht internationalem Recht und erleichtert die Anwendung von Folter." Muggenthaler forderte die USA und andere Länder auf, diese "Praxis des Verschwindenlassens" sofort zu stoppen. "Die US-Regierung muss die Identität aller geheimen Gefangenen offen legen, sie freilassen oder in einem fairen Verfahren anklagen", forderte Muggenthaler.
Die befreundeten Jemeniten Salah Nasser und Muhammad Faraj lebten nach ai-Angaben in Indonesien. Salah Nasser sei dort im August 2003 verhaftet worden, Muhammad Faraj zwei Monate später in Jordanien. Salah Nasser sei nach Jordanien geflogen worden. Beide Männer seien nach eigenen Angaben zunächst vier Tage lang vom jordanischen Geheimdienst gefoltert worden. Anschließend hätten sie an unbekannten Orten mehr als 18 Monate in Einzelhaft unter US-amerikanischem Kommando verbrachten. Während der ganzen Zeit hätten die beiden nicht gewusst, dass der jeweils andere auch verhaftet worden war. Die Beschreibungen der Gefängnisse lassen nach Einschätzung von amnesty die Vermutung zu, dass sich beide die ganze Zeit über an denselben - unterirdischen - Orten befanden. Sie seien 24 Stunden am Tag mit westlicher Musik beschallt und täglich von US-Personal verhört worden. Im Mai dieses Jahres seien beide in den Jemen überstellt worden – unter der Auflage an die jemenitischen Behörden, beide in Haft zu nehmen.
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