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Kennzeichnungspflicht gefordert

Protest bei Raiffeisenverband für gentechnikfreie Futtermittel


27. September 2005

[ngo] Landwirte haben auf dem Gelände des Deutschen Raiffeisenverbandes in Bonn gegen dessen Pro-Gentechnik-Kurs demonstriert. Seit Beginn der Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Futtermittel im April 2004 weigere sich der größte deutsche Futterhändler beharrlich, gentechnikfreie Futtermittel zu verkaufen. Obwohl er diese eingelagert habe, gebe der Raiffeisenverband nicht bekannt, wo sie erhältlich seien. Unterstützt wurden die Bauern bei ihrer Aktion von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

"Ich versuche seit zwei Jahren von Raiffeisen gentechnikfreies Sojaschrot zu kaufen", sagte der "konventionell" wirtschaftende Bauer Bernd Schmitz. "Bisher ist mir das nicht gelungen, obwohl Raiffeisen im Rhein-Main-Gebiet Tonnen von gentechnikfreiem Sojaschrot eingelagert hatte. Ich habe keine Auskunft erhalten, wo es zu kaufen ist. Als treuer Kunde der Raiffeisengenossenschaft bekomme ich nicht die Futtermittel, die ich will. Es wird Zeit, dass Raiffeisen die Interessen der Bauern vertritt!"

Biologisch wirtschaftende Bauern ziehen eigenen Aussagen zufolge "gemeinsam an einem Strang mit den konventionell wirtschaftenden Kollegen, die sich mit uns Bioland-Bauern für eine gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung in Deutschland einsetzen. "Wir als Biobauern sind gesetzlich zum Einsatz gentechnikfreier Futtermittel verpflichtet, aber auch die konventionellen Kollegen brauchen den Zugang dazu", meint Bio-Bauer Gerald Wehde.

80 Prozent des Sojaschrots sollen gentechnisch verändert sein

In Deutschland seien 80 Prozent des wichtigsten Viehfutters, nämlich Sojaschrot, inzwischen gentechnisch verändert. Dass dieser Anteil so hoch ist, sei vor allem der Geschäftspolitik von Raiffeisen anzulasten.

Raiffeisen nutze seine Quasi-Monopolstellung, um die Nachfrage nach gentechnikfreiem Futtermittel systematisch zu unterdrücken, kritisiert Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Der Verband wolle keinen Markt für diese Futtermittel. "Damit macht er sich zum Handlanger der Gentechnik-Industrie", moniert Janßen. Die Arbeitsgemeinschaft will hingegen, "wie andere bäuerliche Erzeugergemeinschaften in Europa auch, Märkte mit dem Qualitätsmerkmal gentechnikfrei schaffen".

BUND: Kennzeichnungslücke bei tierischen Produkten

Der Raiffeisenverband verbreite unter den Landwirten "die Falschmeldung", die globale Angebotslage sei dafür verantwortlich, dass Europa nur noch gentechnisch veränderte Sojabohnen importieren könne. Dies sei falsch. Beispielsweise sei Brasilien problemlos in der Lage, gentechnikfreie Futtermittel für nahezu 80 Prozent des europäischen Bedarfs zu liefern.

Raiffeisen nutzt nach Auffassung des BUND die Kennzeichnungslücke bei tierischen Produkten schamlos aus. "Wenn Milch, Fleisch und Eier, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden, auch als Gentech-Produkte gekennzeichnet werden müssten, würde Raiffeisen seine Geschäftspolitik sofort ändern", sagte Heike Moldenhauer. Deshalb solle sich die zukünftige Bundesregierung für eine schnellstmögliche Einführung der Kennzeichnungspflicht bei tierischen Produkten einsetzen.

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