Stress nicht nur mit Naturschützern, sondern auch mit Clubs

Love Parade

Zwei Tage vor der traditionellen Love Parade in Berlin ist unter den Teilnehmern offener Streit ausgebrochen. Im Namen von 27 Clubs, Labels und Veranstaltern, die mit eigenen Wagen auf der Raver-Party vertreten sind, hat das Techno-Magazin "Raveline" schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren der Love Parade erhoben und Proteste angekündigt. Wie der Online-Dienst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" FAZ.NET am Donnerstag weiter berichtete, werde geplant, am Samstag um 17.00 Uhr alle Wagen für zehn Minuten anzuhalten und keine Musik zu spielen. Aus Protest gegen die Planetcom hatten bereits mehrere Techno-Größen ihre Teilnahme abgesagt. Auch Tiergartenschützer haben weiteren Widerstand gegen die Kommerzialisierung der "grünen Lunge" Berlins angekündigt.

Auch die Rede von Dr. Motte solle nicht übertragen werden, sagte "Raveline"-Herausgeber Cengiz Celik zu dem Online-Dienst. Gegenwärtig versuche die Love Parade GmbH, die einzelnen Wagen von der Teilnahme an dem Protest abzubringen. Die Veranstalter drohten den Wagenbetreibern damit, sie im nächsten Jahr nicht starten zu lassen oder ihre Wagen schon diesmal wegen kleiner technischer Mängel in letzter Minute zu stoppen.

Mit der Aktion wollen die Wagenbetreiber ihre Forderung nach größeren Mitspracherechten der Szene bei der Auswahl der Wagen und der DJs für die Abschlusskundgebung an der Siegessäule und bei der Vermarktung des Technospektakels Nachdruck verleihen. Sollten sich die Veranstalter der Love Parade darauf nicht einlassen, werde die Techno-Szene künftig einen eigenen Umzug organisieren, sagte Celik.

Wenn dieser nicht im Tiergarten stattfindet, dürften die kritischen Clubs damit auch auf Zustimmung bei den Tiergartenschützern der "Aktion 2000" stoßen. Sie hatten für den Ausweichtermin der Love Parade an diesem Samstag - vom letzten Samstag war das Techno-Spektakel bereits durch die Bürgerinitiative Rettet den Tiergarten "vertrieben" worden - eine Demo "Rollen, Laufen, Skaten für Frieden und Völkerverständigung, gegen die Enteignung öffentlicher Räume und für den Schutz des Großen Tiergartens vor der Love Parade" angemeldet. Sie fordern, die Love Parade und andere Kommerzveranstaltungen sollten aus dem Tiergarten an andere, weniger sensiblere Orte verlegt werden. Dieser Aufzug allerdings wurde vom Berliner Verwaltungsgericht verboten - mit der Begründung, dem Veranstalter der dieses Jahr erstmalig auch offiziell rein kommerziellen Veranstaltung Love Parade würden sonst hohe Verluste entstehen. Die Tiergartenschützer laden jetzt zu einer "Surpriseparty" ein. Ob sie damit allerdings die erneute Zerstörung ihres einzigen Naherholungsgebietes verhindern können, steht zu bezweifeln. Zwar werden deutlich weniger Raver erwartet als in den Vorjahren - dennoch dürfte ihre Zahl weit höher sein, als die Grünanlage verkraften kann.