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0190-Boykott-Aufruf vorläufig verboten

Talkline ID gegen Verbraucherschützer

Die Verbraucherzentrale Hamburg darf vorläufig nicht mehr dazu aufrufen, Rechnungen für dubiose 0190-Angebote nicht zu bezahlen. Das Landgericht Köln erließ auf Antrag des "Servicenummer"-Betreibers Talkline ID am 25. Juli eine entsprechende einstweilige Anordnung. Die Verbraucherzentrale kündigte Widerspruch gegen die Anordnung an und verwies darauf, dass Talkline ID mit Abstand die Reklamationsstatistik der Verbraucherschützer anführe. Bei nahezu jeder Beschwerde über die oftmals betrügerisch eingesetzten 0190-Dialer sei Talkline ID beteiligt. Erst vor wenigen Monaten hatte der Bundesgerichtshof geurteilt, die von Talkline kassierten Deaktivierungsgebühren im Mobilfunk unrechtmäßig sind. Auch hatte Talkline letztes Jahr ein Kündigungsrecht des Kunden bei massiven Preiserhöhungen entgegen dem Gesetzeswortlaut schlicht bestritten.

Der überhand nehmende Betrug mit 0190-Nummern hatte kürzlich sogar Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zum Handeln veranlasst. Die getroffenen Maßnahmen werden allerdings gemeinhin als nicht ausreichend angesehen.

0190-Nummern, deren Anwahl teilweise 900 Euro pro Verbindung kostet, waren stets mit dem Schmuddel-Image belegt. Seit einiger Zeit gibt es allerdings immer mehr Firmen, die Computerprogramme unters Volk bringen, die automatisch die teuren Nummern anwählen. Diese werden bei Verwendung des Microsoft-Browsers Internet Explorer - Alternativen wie Opera sind nicht betroffen - teilweise automatisch und ohne Wissen des Benutzers installiert. Manche dieser sogenannten 0190-Dialer bauen automatisch Verbindungen auf, sobald der Computer nur gestartet wird, beenden die Verbindung auch auf Anforderung des Nutzers nicht, lassen sich nicht deinstallieren und bekämpfen Schutzprogramme aktiv.

Wenn ein solcher Dialer Verbindungen aufbaut, ist allerdings kein Vertrag zustande gekommen, da der Nutzer keine Willenserklärung abgegeben hat. Die Rechnung muss daher nicht bezahlt werden. Zu exakt dieser Nichtzahlung hatten die Verbraucherschützer aufgerufen, um auf die unseriösen Firmen Druck auszuüben. "Dass Talkline" - obwohl nicht namentlich genannt - "sich von unserem Aufruf angesprochen fühlt, spricht für sich", meinen die Verbraucherschützer.

Talkline ID selbst sieht sich als wahrer Verbraucherschützer - Zitat: "Talkline ID schützt Verbraucher vor Verbraucherschützer". Und kündigt auch gleich schon mal Schadensersatzansprüche gegen die Verbraucherzentrale an. Von diesen Schadensersatzansprüchen allerdings ist - aus welchen Gründen, darf der Verbraucher selbst erahnen - in der Pressemitteilung des Unternehmens nichts zu lesen.

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