Gesucht: 8 Milliarden Kondome für Osteuropa und die Entwicklungsländer

Aids-Bekämpfung

Jährlich müssten mindestens 8 Milliarden Kondome zur Verfügung stehen, um die Ausbreitung von HIV/Aids in Entwicklungsländern und Osteuropa wirksam zu verhindern. Die Mittel für Kondome im Kampf gegen Aids reichen jedoch zurzeit nur für knapp eine Milliarde Kondome, kritisiert eine neue Studie von Population Action International (PAI), die der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) heute vorliegt. Nach Angaben von PAI ist die internationale Unterstützung für die Kondomversorgung in diesen Ländern gegenüber 1990 nicht gestiegen - obwohl die Zahl der Aids-Fälle seitdem rapide zugenommen hat. Im Jahr 2000 wurden mit 950 Millionen Kondomen sogar weniger Kondome finanziert als 1990 (970 Millionen).

Um den heutigen Bedarf zu decken, müssten jährlich insgesamt 240 Millionen Euro in die weltweite Versorgung mit Kondomen investiert werden - also 3 Cent pro Stück. "Jedes 3-Cent-Kondom kann ein Leben retten", so PAI-Präsidentin Amy Cön. "Wir beobachten jedoch zurzeit, dass Regierungen der politische Wille fehlt, Geld für die internationale Kondomversorgung auszugeben." Dabei sind die Kosten für eine flächendeckende Versorgung mit Kondomen immer noch gering, insbesondere wenn man sie mit den Folgekosten millionenfacher Aids-Erkrankungen vergleicht. Bis zum Jahr 2015 wird sich die Zahl der benötigten Kondome voraussichtlich mehr als verdoppeln - auf schätzungsweise 18,6 Milliarden Kondome.

"Im Kampf gegen Aids ist eine Doppelstrategie notwendig", so DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. "Erstens muss die Versorgung mit Kondomen dringend verbessert werden. Und zweitens fehlt es in vielen Ländern immer noch an Aufklärung und Informationen über Aids. Hier müssen wir ansetzen." Nach wie vor gibt es weder einen Impfstoff gegen Aids noch gibt es Heilungschancen bei einer Erkrankung. Lebensverlängernde Medikamente sind für Millionen Menschen in Entwicklungsländern, insbesondere jedoch in den am stärksten betroffenen Ländern in Afrika südlich der Sahara, so gut wie nicht erreichbar. Vorbeugung durch Aufklärung über die Risiken einer HIV-Infektion und der Gebrauch von Kondomen sind bislang der einzig wirksame Schutz vor HIV/Aids.

Obwohl die Weltgemeinschaft sich heute über das Ausmaß und die verheerenden Auswirkungen der Seuche in Entwicklungsländern im Klaren ist, wird bei weitem zu wenig getan, um die Ausbreitung von Aids zu verhindern. Dieses Versäumnis zeigt sich etwa in der Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose. Dem auf Initiative von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 2000 gegründeten Fonds stehen statt der veranschlagten 8 bis 10 Milliarden US-Dollar bislang lediglich rund 2 Milliarden US-Dollar - also weniger als ein Viertel - zur Verfügung.