Ur-Rinder auf dem Weg in die Neuzeit

Die neuen Auerochsen

An bundesweit drei Standorten gibt es Projekte, um Rinder unter wissenschaftlicher Kontrolle zurückzuzüchten. In der Nähe von Freepsum in Niedersachsen, bei Soest in Nordrhein-Westfalen und bei Erfurt in Thüringen existieren Lebensräume für die "Nachfahren" der Jahrtausende alten Auerochsen.

Vor rund 6500 Jahren begann der Mensch, die Auerochsen zu zähmen und als Hausrinder zu nutzen. In der Folge starben die Auerochsen langsam aus. Vor rund 1000 Jahren erloschen die Bestände in Westeuropa, während in der Nähe von Warschau bis 1627 eine letzte Herde existierte. Von da an war der Auerochse als Wildtier vom Erdball verschwunden.

Erst die Zoodirektoren Lutz und Heinz Heck aus Berlin und München widmeten sich Anfang des 20. Jahrhunderts wieder den Stammvätern aller Hausrinderrassen. Sie gingen davon aus, dass die Gene nicht in allen Rassen gleichmäßig verschwanden. Deshalb kreuzten sie den Ursprüngen nahekommende Rinderrassen wie ungarische Steppenrinder, schottische Hochlandrinder oder das gescheckte deutsche Niederungsvieh.

1983 erinnerten sich die Niederländer an die so genannten Heck-Rinder. Zur Landschaftspflege in einem Naturschutzgebiet bei Amsterdam setzten sie 34 zurückgezüchtete Rinder aus. Obwohl die Tiere nicht gefüttert und nicht von Tierärzten behandelt wurden, gibt es dort heute eine riesige wilde Herde mit 550 Rindern.

Bei Freepsum, Soest und Erfurt soll das ebenfalls geschehen. Für das Rückzüchtungsprojekt wurden in ganz Europa seltene alte Rassen wie die Chianina aus der Toskana und die Sayugesa aus Spanien gesucht und eingekreuzt. Die Tiere sehen ihren wilden Ahnen bereits verblüffend ähnlich.