Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss - der Weg dahin eine Qual

Stiftung Warentest

Jeder vierte Arbeitnehmer wird vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Doch nur jeder zehnte hat sich dagegen versichert. Zu krank für den Job zu sein, führt nahezu mit Sicherheit in die Armut, wenn man nicht reich ist - oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat. "FINANZtest" hat in der August-Ausgabe 139 Tarife verglichen. Mehr als ein Viertel davon war "sehr gut". Pferdefuß: Wer nicht kerngesund ist, bekommt wenn überhaupt nur schwer einen Vertrag. Doch Beharrlichkeit lohnt sich, meint "FINANZtest".

Wer ab 1961 geboren ist, bekommt überhaupt keine staatliche Berufsunfähigkeitsrente mehr. Nur wer weniger als sechs Stunden am Tag auch nur irgendeinen Job machen kann - und sei es, in einem Glaskasten zu sitzen und Fragen nach der Raumnummer zu beantworten -, bekommt eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Und zwar erst mal die halbe. Nur wer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, bekommt die volle: Maximal 34 Prozent des bisherigen Einkommens. Dabei ist völlig egal, ob es überhaupt solche Stellenangebote gibt: Drei Stunden arbeitsfähig ist arbeitsfähig.

Für ältere Semester sieht es zwar insofern besser aus, dass sie nicht auf andere Berufe verwiesen werden können. Doch auch hier ist die Rentenhöhe ein Armutsrisiko.

"Eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht jeder", meint denn auch "FINANZtest". Seit dem letzten Test vor nur einem Jahr hat sich einiges geändert: Einerseits sind die Beiträge für "riskante" Berufsgruppen deutlich gestiegen - für den Musterfall eines 30jährigen Krankenpflegers etwa von 1250 auf 1530 Euro im Jahr. Andererseits sind mittlerweile fast drei Viertel aller Angebote "gut" oder "sehr gut" und gehören damit zu denen, die man nach Ansicht der Tester in die Auswahl einbeziehen sollte.

Eine große Auswahl ist gerade für "schlechte" Risiken wie Maurer, Gastwirte, Altenpfleger und Lehrer wichtig. Denn wer einer Berufsgruppe angehört, die besonders häufig berufsunfähig wird, oder nicht kerngesund ist, bekommt nur schwer den gewünschten Versicherungsschutz.

Vor einem Jahr hatte "FINANZtest" seine Leser aufgerufen, ihre Erfahrungen mit der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsrente mitzuteilen. 398 Personen taten dies - und nur 101 von ihnen bekamen den gewünschten Vertrag. Mehr als die Hälfte schloss gar keinen Vertrag ab: Entweder lehnte der Versicherer grundsätzlich ab, oder die Konditionen waren den Antragstellern gar zu schlecht. Der Rest von rund einem Sechstel unterschrieb zähneknirschend einen teils drastisch schlechteren Vertrag.

Mal schließen die Versicherer etwa Berufsunfähigkeit aufgrund von Rückenleiden aus, wenn der Versicherte damit schon einmal Probleme damit hatte. Der Beitrag allerdings wird trotz der erheblich geringeren Leistung nicht verringert. Oder der Schutz wird eingeschränkt und gilt etwa nur bis zum 55. Lebensjahr. Oder das Versicherungsunternehmen bietet nur eine geringe Rentenhöhe an oder verlangt Zuschläge.

Dabei machen nicht nur bereits bestehende Erkrankungen Probleme, sondern auch gefährliche Freizeitbeschäftigungen: Wegen seiner gelegentlichen Bergtouren sollte ein Antragsteller einen Zuschlag von 230 Prozent zahlen.

Immerhin kann sich Beharrlichkeit auszahlen: Eine von 17 Firmen sagte dem Chemiker dann doch zu. Ein anderer Interessent hatte gar erst beim 72. Versuch Glück - wenn auch nur mit 750 Euro Rentensumme statt der gewünschten 1000 Euro. Immer noch besser als gar keine Versicherung - "geben Sie nicht so schnell auf", empfiehlt "FINANZtest".

Schummeln bei den Gesundheitsfragen ist jedenfalls nicht zu empfehlen: Der Versicherer kann in einem solchen Fall den Vertrag kündigen. Dann hat man jahrelang gezahlt, bekommt aber im Ernstfall nichts. Ehrlich währt hier am längsten, auch wenn das zu Beitragsaufschlägen führt. Nur wenn man sonst überhaupt keinen Vertrag bekommt, sollte man sich auf den Ausschluss bestimmter Krankheiten aus dem Versicherungsschutz einlassen, empfehlen die Experten der Stiftung Warentest.

Und noch einen Tip haben sie: jung einsteigen. Einerseits steigen ab einem Eintrittsalter von etwa 30 Jahren die Beiträge erheblich an. Und andererseits sind jüngere Leute meist gesünder.