NGO — Die Internet-Zeitung
Verbot beschlossen

"Bild" entdeckt "Krebsgefahr aus Babygläschen"

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Die ""Bild"-Zeitung schlägt Alarm". Die Zeitung weist auf einen Test der Stiftung-Warentest hin, wonach in drei von 18 getesteten Gläschen mit Babynahrung deutliche Mengen des Stoffes Semicarbazid gefunden wurden, das beim Aufschäumen von Kunststoffdichtungen in Metalldeckeln entsteht. In Tierversuchen wirke die Substanz krebserregend, habe die Organisation gewarnt. "Bild" weiter: "Ausgerechnet die Babynahrung von Bio-Herstellern (Martin Evers Naturkost 'Gemüsereis mit Pute' und 'Milder Blattspinat mit Kartoffeln', Alete 'Kartoffeln mit Mais & Bio-Hähnchen') schnitt schlecht ab."


In der Pressemitteilung von Stiftung Warentest war von "Bio-Herstellern" keine Rede gewesen. Die Zuspitzung auf Bioprodukte war offenbar ein Werk der kampagnenerfahrenen "Bild"-Zeitung. Das Verbraucherschutzministerium teilte mit, dass das Problem mit dem Stoff Semicarbazid (SEM) im Juli 2003 bekannt geworden sei und dass das Ministerium zahlreiche Maßnahmen ergriffen habe. Diese hätten am 6. Januar 2004 zu einer EU-Richtlinie geführt, wonach Azodicarbonamid ab dem 2. August 2005 nicht mehr verwendet werden dürfe. Die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht werde derzeit vorbereitet.

Trotz des beschlossenen Verbots fordert FDP-Ernährungs-Experte Hans-Michael Goldmann in "Bild": "Wo Bio draufsteht, muss auch etwas Gesundes drin sein. Verbraucherministerin Renate Künast muss schnellstens für Aufklärung sorgen, damit Babys besser geschützt werden."

Mit der aktuellen Pressemitteilung sorgte die Ministerin prompt für die geforderte "Aufklärung". Damit "Babys besser geschützt werden", wurde das Verbot beschlossen. Neben den gesetzgeberischen Maßnahmen hat das Ministerium im Sommer 2003 offenbar die Industrie aufgefordert, Ersatzstoffe zu entwickeln, die eine vergleichbare Haltbarkeit und ausreichenden Schutz vor Verderb bieten.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums wirkt Semicarbazid im Tierversuch schwach krebserzeugend und schwach erbgutverändernd. Ob ein Gesundheitsrisiko für den Menschen besteht werde noch untersucht.

Semicarbazid scheint allerdings nicht das einzige Problem mit Lebensmittelverpackungen zu sein. Stiftung Warentest hatte berichtet, dass aus Schraubverschlüssen oder Folien unerwünschte Weichmacher wie DEHA oder gesundheitsschädliche Stoffe wie Semicarbazid auf Lebensmittel übergehen könnten. Das belege eine Untersuchung der Stiftung Warentest für die März-Ausgabe von "test".

Von 26 Käsen, die im Stück oder in Scheiben abgepackt zur Selbstbedienung im Supermarkt angeboten werden, waren 17 mit dem Weichmacher Diethylhexyladipat (DEHA) belastet – sieben sehr gering oder gering, acht deutlich, zwei sogar stark. DEHA sei zwar nicht stark toxisch, gehört aber keineswegs in ein Lebensmittel. Die Tester konnten nachweisen, dass der Weichmacher jedes Mal auch in den Folien steckte, mit denen der Käse verpackt war. "Das ist besonders ärgerlich, denn, wie der Test zeigt, gibt es auch weichmacherfreie Folien", meint Stiftung Warentest.

Auch bei Babymahlzeiten wurden die Tester fündig: Von 18 Gläschen mit Geflügel- oder vegetarischen Menüs fanden sich in dreien "deutliche Mengen von Semicarbazid, das offensichtlich über die Deckel in die Nahrung gelangt war".

In 13 der 18 untersuchten Gläschen wiesen die Tester offenbar auch die bisher nicht zugelassene 2-EHA (2-Ethylhexansäure) nach, die aus dem Dichtungsmaterial von Deckeln stammt. Toxikologisch ist über den Stoff wenig bekannt.

Außerdem in zwei Babymenüs: ESBO (Epoxidiertes Sojabohnenöl), ein Bestandteil von PVC-haltigen Dichtungsringen in Deckeln. Bei den ebenfalls acht untersuchten Basilikum-Pesti waren alle Produkte mit ESBO belastet, drei davon deutlich bis stark, so Stiftung Warentest.

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